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Geburtsbericht zur Geburt von Baby Stefanie

Schwerpunkte: Schwangerschaftsstreifen, Schwangerschaftsanzeichen, Schwangerschaftsabbruch




08.05.2003 (Donnerstag)

Abends um 18.00 h war ich mit einer Freundin zum Schwimmen gehen während meiner ersten Schwangerschaft verabredet. Wie gewohnt, drehten wir unsere Runden. Ab und zu merkte ich ein Ziehen und Stechen im Bauch, dachte

Schwangerschaft: Geburtsbericht von Stefanie

mir aber, dass es ursprünglich von der Anstrengung beim Schwimmen herrührt. Wehen in der 36. Schwangerschaftswoche, eigentlich viel zu früh für unser Baby? In den Whirlpool wollte ich nach kurzer Besprechung mit ihr dann nicht mehr. Wir beschlossen gemeinsam den Heimweg anzutreten.
 

Zumal ich Tags zuvor zum ersten Mal bei der Hebamme zur geburtsvorbereitenden Akupunktur und an diesem Abend auch mit meinem Mann beim Geburtsvorbereitungskurs während meiner Schwangerschaft war. Während des Kurses stellte ich mehrfach Fragen zu Senkwehen und „normalen“ Geburtswehen. Uns wurde durch die Hebammen glaubhaft versichert, dass es sich bei mir lediglich um Senkwehen handelt, also keinerlei Anzeichen einer unmittelbar bevorstehenden Geburt.

Nach dem Schwimmen nun daheim angekommen, wurden die Abstände der Wehen unregelmäßig. Noch während dem
Abendessen rief ich gleich bei meiner Schwägerin an, um Rat zu suchen. Schließlich hatte sie bereits 4 Babys geboren und somit 4 Schwangerschaften und Geburten durchlebt. Der Dr. und die Diensthabende Hebamme waren beide nicht telefonisch erreichbar. Meine Schwägerin sagte sofort und ohne zu zögern, wir sollten umgehend ins Krankenhaus nach Dinkelsbühl fahren, weil die Geburt kurz bevor stehe und unser Baby wohl nicht mehr warten wolle! Mein Mann und ich diskutierten noch, denn glauben konnten wir es beide nicht.
 

Daher beschlossen wir erst einmal unser Abendessen in Ruhe zu beenden. Nach weiterer Besprechungszeit beschlossen wir sodann gegen 23.00 h schlafen zu gehen, weil mein Mann schon vorher auf dem Sofa eingenickt war.

Gesagt, getan – aber an schlafen war bei mir nicht zu denken. Die Wehen blieben und kamen in immer kürzeren Abständen. In der Schwangerschaft habe ich zum Ende hin sowieso nicht mehr wirklich gut schlafen können, zumal das Baby grundsätzlich wach war, wenn ich schlafen wollte.

Als dann ein heftiges Gewitter aufzog, beschloss ich aufzustehen und meine Schwägerin erneut anzurufen. Diese – schon ziemlich nervös – sagte, ich solle meinen Mann sofort wecken und ins Krankenhaus düsen. Die Geburt stehe unmittelbar bevor und unser Baby würde nun heute noch geboren!

Das Gewitter und meine Wehen wurden also stetig heftiger. Inzwischen musste ich, um richtig atmen zu können, schon vor dem Bett knien und den Kopf darauf ablegen. Schlicht gesagt, auf den Beinen halten konnte ich mich nur in den Wehenpausen.

Anfangs traute ich mich ehrlich gesagt nicht so recht, meinen Mann zu wecken, schließlich musste er am nächsten Tag um 6.00 h aufstehen, um fit für die Arbeit zu sein. Aber bei mir dachte ich, wenn er die Geburt seiner ersten Tochter verschlafen würde, dann wäre das schlimmer, als morgens unausgeschlafen auf der Arbeit zu erscheinen!

 

09.05.2003 (Freitag)

Mein Mann war dann auch schnell aus dem Bett und angezogen. Geburt? Wie wo was und wach war er! Zwischendurch war ich noch mal auf dem Klo, wobei mir dann Blut in der Unterhose auffiel. Der berühmte Schleimpfopf, der die Gebärmutter während der Schwangerschaft verschließt – ein eindeutiges Anzeichen das die Geburt losgeht! Sollte unsere Erstgeborene tatsächlich 4 ½ Wochen früher als geplant geboren werden?!

Leichte Panik machte sich in mir breit, so weit war ich noch nicht, jedenfalls wollte ich in diesem Moment keinesfalls so weit sein … kein abgeschlossener Geburtsvorbereitungskurs und keinerlei Ahnung, was bei der Geburt nun tatsächlich „so“ auf mich und uns zukam, zumal die Schwangerschaft bilderbuchmäßig und vollkommen komplikationslos verlief.

Während mein Mann also noch wild nach Schlüssel, Mutterpass und Zigaretten fischte, zog ich mich an, soweit es ging. Bademantel über, Socken, eine ¾ lange Caprileggins und nix wie raus! Auch vor der Haustür musste ich bei strömendem Regen heftige Wehen veratmen. Mir kam es wie eine Ewigkeit vor, bis mein Göttergatte nach endlosen zwei Minuten mit dem Auto aus der Garage kam. Unser erstes Baby wollte einfach nicht warten, um keinen Preis. Von der Fahrt nach Dinkelsbühl bekam ich auch wieder wegen heftiger Wehen, kaum etwas mit. Ich kann mich nur an Regen und einen Tachostand bei ca. 80 km/h in einer Ortsdurchfahrt erinnern. Zudem meine Rückenlehne weit zurück geschraubt war, um die Wehen besser „ertragen“ zu können und mit dem Schwangerschaftsbauch auch einfach bequemer.

Im Krankenhaus angekommen nahm uns eine Nachtschwester in Empfang. Mir ist bis heute noch dieser blöde Satz beim Empfang im Ohr: Die Wehen kommen aber oft! Die Gynäkologie war im Untergeschoß des Krankenhauses. Auch die Treppe wurde mit Wehen eher zum Spießrutenlauf. Die Schwester wies uns ein Zimmer zu und ich hievte mich auf das Bett. Die Hebamme wurde angerufen und ich bekam einen Wehenschreiber (CTG) angelegt. Die immer noch heftigen Wehen wurden mittels Wehenhemmer aufgehalten, schließlich war das Baby 4 ½ Wochen zu früh unterwegs auf die Welt. Mit verschnaufen war allerdings auch nicht viel, die Wehen blieben zwar aus, vielmehr bekam ich von dem Mittel gegen die Wehen leichte Zitteranfälle. Mein Mann fragte schon ganz besorgt, ob ich friere aber ich verneinte. So schlecht erging es mir wie gesagt, während der kompletten Schwangerschaft nicht!

 

Nach wieder schier endloser Zeit (schätze ½ Stunde) kam dann endlich die Hebamme. Sie tastete den Muttermund ab (für mich übrigens vollkommen schmerzfrei) und sagte in etwa: Das Baby kommt heute und jetzt auf die Welt, da lässt sich mit dem Wehenhemmer nix mehr dran ändern! Der Muttermund war nämlich bereits vollständig (10 cm) geöffnet. Daraufhin wurde der Tropf entfernt und ich kam samt Bett in den Kreißsaal. Das Bett wurde von der Hebamme und meinem Mann über die Flure geschoben. Kaum aus dem Zimmer, rief die Hebamme der Schwester zu: den Dr. zur Geburt anrufen sofort!

Im Kreißsaal angekommen musste ich zur eigentlichen Geburt nun auf das Entbindungsbett klettern, was angesichts der wiederkehrenden Wehen und mit dem Schwangerschaftsbauch nicht gerade einfach war und somit auch wieder zu einem Kraftakt wurde. Ich kann mich gut erinnern, zur Hebamme gesagt zu haben: Das überleb´ ich nicht! Doch sie machte mir Mut und sagte: Das geht gleich ganz schnell, in einer ¼ Stunde ist das Baby da. Als ich um Schmerzmittel bat, sagte sie nur, dass sich das nicht mehr lohne, angesichts der schon weit fortgeschrittenen Wehen, stünde die Geburt unseres Babys nun schon kurz bevor. Wieder machte sich in einer sehr kurzen Wehenpause kurzzeitig Panik in mir breit! Wie Geburt? Jetzt?!

Der Dr. kam, zog ruck zuck seine Handschuhe an und setzte mir dann gleich zwei Spritzen in die Scheide jeweils rechts und links, damit die Dehnung des Gewebes unter der Geburt nicht so schmerzhaft sei. Im Nachhinein bin ich froh darum, wobei die Spritzen nicht gerade angenehm waren.

Vom Dr. kam ohne nähere Untersuchung dann auch sofort das „Kommando“ bei der nächsten Wehe mit zu pressen. Schnell bemerkten Hebamme und Arzt, dass ich überhaupt keine Ahnung hatte, wohin ich pressen sollte, um dem Baby auf die Welt zu helfen. Während einer erneuten Wehenpause erklärte mir der Dr., dass er bei der nächsten Wehe mit auf meinen Bauch drücken würde, um die Geburt voran zu treiben und das Baby hinauszuschieben. Das hat dann auch wunderbar geklappt. Gesagt, getan, um 3.32 h war Baby Stefanie dann da! Wenn ich mich richtig erinnere, mit lediglich vier Presswehen!

Die Hebamme zeigte mir kurz unser Baby und mein Kommentar: Ist die klein! Dann verschwand sie mit meinem Mann, dem frischgebackenen Papa und der Kleinen im Nebenzimmer, damit die Maus nicht so schnell auskühlt.

Der Dr. auf seine „trockene liebenswürdige“ Art: Jetzt kommt noch eine Wehe, bitte noch mal pressen. Er zog gleichzeitig an der Nabelschnur und da war sie – die Nachgeburt! Auch hier kein Grund zur Beanstandung – alles in Ordnung. Man hat anhand der Nachgeburt nicht gesehen, dass ich während der Schwangerschaft sehr viel geraucht habe.

Die Geburt war überstanden, all diese Horrorgeschichten und schönen Erzählungen von Freundinnen und Bekannten waren zum Teufel, denn schließlich musste ich unser Baby ganz alleine auf die Welt bringen, wenn auch mit tatkräftiger Unterstützung meines Mannes, des Dr.´s und der Hebamme.

Baby Stefanie wurde schnell nach der Geburt gemessen, gewogen und angezogen, alles natürlich unter Argusaugen des Papas. 2.600g, 46 cm Länge und 33 cm Kopfumfang!

Bei mir wurde noch mit drei oder vier Stichen ein kleiner Riss in der Schleimhaut der Scheide genäht – ohne Betäubung – unangenehm aber überlebt! Schließlich habe ich gerade vorher ein Kind geboren!

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Dann durfte ich vom Kreißsaalbett rüber zum normalen Bett laufen. Pudding in den Knien wäre untertrieben. Gestützt auf meinen Mann und die Hebamme wackelte ich dem Bett entgegen. Erfreulich daran, dass ich gleich Zeit fand, den nicht mehr vorhandenen Schwangerschaftsbauch anzuschauen und mich zu erfreuen, dass er nun weg war und ich wieder auf dem Bauch schlafen konnte.

Beim Ausfüllen der Unterlagen stellte sich noch die Namensfrage für unser Baby, weil wir uns bereits einige Tage vor der Geburt mit dem geplanten Vornamen Franziska Katharina nicht mehr wirklich glücklich waren. Schnell einigten wir uns dann auf Stefanie.

Als die Hebamme dann endlich alle benötigten Formulare ausgefüllt hatte, fuhr mein Mann heim, so müde wie er war, hätte er wahrscheinlich auch auf dem Sofa des Zimmers geschlafen.

Ich wurde wieder zurück in mein Zimmer gebracht und blieb allein. Die Schwester riet mir noch, um Hilfe zu bitten, wenn ich das erste Mal nach der Geburt alleine aufstehen wolle. Das ließ dann auch nicht lange auf sich warten. Ich wollte doch gleich wieder rauchen. Gegen 5.30 h saß ich dann schon wieder vor dem Krankenhaus auf einer Bank und rauchte gemütlich grinsend meine erste Zigarette als Mama. Das Gewitter hatte sich inzwischen natürlich verzogen. Der Himmel war strahlend blau und die Sonne kam gerade so zum Vorschein – ein Bild, dass ich wahrscheinlich nie vergessen werde!

Als erstes musste ich natürlich meiner frisch gebackenen Schwägerin und nun auch Tante Bescheid geben, dass unser Baby da war. Sie sagte dann nur: Na das habe ich mir schon gedacht und auf Euren Anruf, dass das Baby da ist, nur gewartet! Wobei ich vielleicht noch erwähnen sollte, dass ich morgens um 6.00 h angerufen habe!

Rebecca Böhm


 

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Foto: pregnant lady © Mehmet Alci