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Original von Nanami
Anspruchsvoll würde ich das Schulsystem hier aber nicht nennen. Es basiert einfach auf Druck und Angstmacherei. Die Kinder sind Lernmaschinen, die halt funktionieren sollen. Meine Kinder wurden in der 4.Klasse nicht mehr menschlich behandelt. Die Lehrerinnen, die sie hatten, und die Rektorin waren nicht mehr als pflichtbewusste Vollstrecker der Vorgaben des KM. [quote]
Das kann ich leider nur bestätigen. Ich finde, daß das, was hier in Bayern mit den Kindern (und übrigens auch mit den sie unterstützenden Müttern) veranstaltet wird, ziemlich daneben. Meine Tochter ist jetzt in der 3. Kl GS und was die für ein Zeug lernen muß
In Verkehrserziehung mußten sie bei Bildchen aus dem Führerschein-Lehrbuch dranschreiben, wer als 1.,2. und 3. fahren darf. In der 3. Klasse??? Und die Zeichen eines Verkehrspolizisten (siehst Du Bauch oder Rücken....). Ich hab schon mindesten 20 Jahre keinen Verkehrspolizisten in Deutschland mehr gesehen. Und darüber schreiben 8-jährige eine Probe?
Ich hab ja nichts dagegen, daß sie was lernen m üssen. Aber könnte das vielleicht bitteschön irgendetwas mit der Welt zu tun haben, in der wir leben?
Dann ist es hier in Bayern so, daß in der GS Proben (für die Nichtbayern: das sind Klassenarbeiten

) nicht angekündigt werden dürfen. Andererseits wird in einem Detaiilierungsgrad geprüft, der verlangt, daß man mit 3.-klässlern richtig "pauken" muß für Proben (die übrigens durch die Blume doch angekündigt werden. Wer als Kind nicht drauf trainiert ist, Zwischentöne und leise Anmerkungen richtig zu interpretieren, ist gelackmeiert. Und Mütter, die keine anderen Mütter aus der Klasse kennen und nachmittags konferieren, wie diese oder jene Bemerkung der Lehrer gemeint sein könnte, ebenfalls).
@Kaethe:
Ich bin auch nicht der Meinung, daß "jeder" aufs Gymnasium muß. Aber wenn das einzige Kriterium das Maß an Druck ist, was einer aushält (und wir sprechen hier von 9- und 10-jährigen Kindern!) bin ich mir nicht sicher, ob das nicht auch "Ressourcenverschwendung von Humankapital"

ist. Außerdem kann man jemanden auf das Prüfen, was er weiß und man kann ihn auch auf das Prüfen, was er nicht weiß; Du weißt sicher, was ich meine. Ich bin mir aber hier nicht immer sicher, welche der beiden Varianten die Lehrer hier wählen.
Und was das "preußische" Abitur angeht: Also ich hab (zugegebenermaßen an einem sehr konservativen altehrwürdigen) Gymnasium in NDS Abitur gemacht. Sogar noch in der reformierten Oberstufe! (Von der übrigens nur Leute, die damit nie in Berührung waren behauptet haben, daß man mit Sport und Reli Abitur machen konnte). Immerhin hat mich das dazu befähigt, ein TU-Diplom in Maschinenbau zu erlangen (allerdings wieder an einer niedersächsischen Technischen Hochschule

). Für meine Diplomarbeit bin ich dann an ein Fraunhofer Institut nach Bayern gegangen, gearbeitet habe ich dann auch in München und unter der Brücke wohne ich heute immer noch nicht. Trotz meiner "minderwertigen" Bildung....
Weißt Du, was mich an dieser blinden Paukerei hier in Bayern so stört, ist, daß sie nicht mehr zeitgemäß ist. Das menschliche Wissen ist inzwischen so riesig, daß man es sowieso niemals in ein Gehirn quetschen kann. Was ich total vermisse, sind so Lehrinhalte wie Arbeitsmethodik, Selbstorganisation, "wie bringe ich mir selbst etwas bei" etc. Warum muß
ich meiner Tochter beibringen, wie man im Duden nachschaut, wenn man nicht weiß, wie ein Wort geschrieben wird. Warum wäre das nicht mal eine Deutschstunde wert, statt völlig konfus völlig unzusammenhängende Dinge durchzunehmen (1 Stund Grammatik, die nächste ein paar Lernwörter, dann vielleicht mal ein Aufsatz etc. Aber das ist nochmal ein anderes Thema)? In der heutigen Arbeitswelt wird doch eher verlangt, daß man sich selbständig auf neue Aufgaben vorbereitet. Und nicht, daß man irgendein auswendig gelerntes Detailwissen dahersagt.
Und vor allem: Was machen die bedauernswerten Kinder, deren Mütter nicht die Zeit haben, sich jeden Nachmittag 1-2 Stunden mit den Hausaufgaben ihrer Kinder zu beschäftigen, oder die vielleicht nicht so gut Deutsch sprechen? Oder in Mathe nicht so sattelfest sind? Die schauen doch mit dem Ofenrohr ins Gebirg (um unseren bedauernswerten nicht-bayrischen Mitbürgern mal ein Stück bayrische Redensart bezubringen

). Und erzähl mir nicht, daß das nur bei den "schlechten" Kindern notwendig ist, in unserer Klasse gilt das für die allermeisten Kinder. Und die, die in der Klasse meiner Tochter "schlecht" sind, haben genau die o.g. Mütter. Wir wohnen auf dem Dorf, ich hab da einigermaßen den Überblick.
Ich weiß nicht genau, warum Bayern im allgemeinen und speziellen immer so darauf beharren müssen, daß ihr Bildungssystem das non-plus-ultra ist. Vielleicht ist es nicht schlecht, gut ist es jedenfalls auch nicht, Pisa hin oder her.
So, jetzt hast Du Teile meiner Generalabrechnung mit dem bayrischen Schulsystem abgekriegt,

. Mir würde noch viel mehr einfallen, aber jetzt dürfen andere auch mal wieder was schreiben
LG, Schnuppe