mamasu
Als ich in einem anderen Thread las, dass die Gefahr besteht, wenn man seine Kinder gegen Lehrer unterstützt, dass man deren Autorität untergräbt, hat mich das an einen Fall erinnert, der uns in der weiterführenden Schule passiert ist.
Unser Sohn kam nach Hause und sagte, ich habe eine zusätzliche Aufgabe auf. Er war sich aber keiner Schuld bewusst und war aufgrund der Erregung der Lehrerin, bei der ihm das passiert ist, nicht in der Lage, nachzufragen, warum ...
Nach längerer Diskussion habe ich ihm dann freigestellt, die Aufgabe zu erledigen oder noch einmal die Lehrerin zu fragen, was in ihren Augen eigentlich los gewesen sei. Dazu habe ich ihm einen Zettel für die Lehrerin geschrieben, damit sie sah, dass die Sache mit uns abgesprochen war und er nicht einfach nur die Aufgabe nicht gemacht hat.
Die Lehrerin hat mich dann auf einem Elternabend ein paar Tage später angesprochen und meinte, ich würde ihre Autorität untergraben. Ich sah und sehe das auch heute noch nicht so. Ich denke, ein Kind muss wissen, wofür es Sanktionen erhält und es muss auch eine Athmosphäre da sein, in der es sich traut nachzufragen, was eigentlich los ist.
Dazu muss ich sagen, dass unser Sohn ein friedlicher, umgänglicher Typ ist, manchmal etwas zurückhaltend in seinem Verhalten. Deshalb bestärke ich ihn natürlich darin, dass man Ungerechtigkeiten nicht ertragen muss. Auch Lehrern stehe ich Emotionen zu, wenn sie korrigierbar sind. Sie sind schließlich keine Übermenschen, die sich immer unter Kontrolle haben können, aber auch nicht immer Recht haben.
Wie seht ihr den Konflikt, das eigene Kind zu unterstützen und gleichzeitig die Autorität der Lehrer nicht zu untergraben?
Cancro
Meiner Meinung nach haben die Kinder heutzutage einfach zu wenig Respekt vor den Lehrern!
An unserer Schule gibt es 2 Lehrer, bei denen ich definitiv weiß, dass mein Sohn wirklich Respekt vor Ihnen hat. Die Klassenlehrerin ist da leider nicht dabei, aber die weiß sich anders zu helfen! Bei diesen 2 Lehrern gab es noch nie Einträge, Strafarbeiten, etc.
Wenn ich Leon frage, wieso das bei denen so gut klappt, bekomm ich nur als Antwort: Weil die saustreng sind, da muss ich doch hören!
Also liegt es doch sehr an den Lehrern, sich Respekt von den Kindern zu verschaffen. Natürlich bekommen viele Kinder schon zuhause nicht mehr vermittelt was Respekt ist, aber ich denke mit Sfrafarbeiten erreichen die Lehrer ihn nicht.
Die alte Klassenlehrerin hat Leon bestimmt 3x pro Woche Strafarbeiten gegeben und es hat noch eher das Gegenteil bewirkt. Die Neue geht einen ganz anderen Weg und hat in zwei Wochen mehr bewirkt, als die andere in einem halben Jahr.
Wenn die Lehrer heutzutage noch wüssten mit den Kinder umzugehen, müsste man ihre Autorität auch nicht untergraben.
Meine Meinung ist da im Moment auch sehr speziell, weil wir viele Probleme in der Schule hatten und immernoch ein paar haben. Aber es ist nicht nur bei meinem Sohn in der Klasse so, sondern bei einigen Jungs UND MÄDCHEN...
Schiffchen
Ohoh, das ist, glaube ich, ein Thema mit Sprengkraft ...
Ich pendel, seitdem mein großer Sohn (12,5 Jahre), zur Schule geht, immer zwischen dem "Unterstützen des Kindes" und der Autorität der Lehrer/in. Es ist unglaublich schwer.

Inwischen bin ich soweit, dass ich meinem Sohn, der ja total fußball-begeistert ist, erklärt habe, dass ein Lehrer soetwas wie ein Schiedsrichter ist. Der hat immer Recht und auf dem Spielfeld wird nicht diskutiert.
Dies gilt allerdings nur eingeschränkt, nur bei "Kleinigkeiten". Ist es eine größere Sache und bittet er mich um Hilfe, stehe ich neben ihm - verlange aber gleichzeitig, dass er bei Regelverstößen

für sein Verhalten gerade steht.
Allerdings gilt so manches Mal auch: "Das Leben ist ungerecht!" Oder: "Zur falschen Zeit am falschen Ort - Pech gehabt"
Ein weiteres Problem ist ja auch, dass inzwischen an Schulen derartig viel passiert ist, dass Lehrer einfach Angst haben, nicht rechtzeitig und konsquent zu handeln. Da passiert auch vieles frei nach dem Motto "Viel hilft viel" - das nämlich Strafen schnell und drastisch ausgesprochen werden. Dinge, bei denen die Lehrer früher einfach drüber weggegangen sind, werden heute oft in epischer Breite ausdiskutiert - warum macht das Kind das jetzt, was will es uns damit sagen, wie bestrafen wir dieses Verhalten, wie können wir verhindern, dass es soetwas nochmal macht. Die Kinder werden "stundenlang" verhört und nach der Motivation gefragt - die oft gar nicht fassen und schon gar nicht vermitteln können. ber wenn dies nicht gemacht wird und es passiert wirklich was schlimmes, hagelt sonst Vorwürfe wie "warum hat es keiner gemerkt" oder "wie konnte soetwas passieren". Da ein gesundes Mittelmaß und ein gesundes Miteinander zu finden, ist heutzutage wohl die Kunst in der Schule.
Ganz ehrlich - früher war Lehrerin mal mein Traumberuf

- heute bin ich froh, dass ich es nicht bin.

Denn es gibt ja leider nicht nur die engagierten Eltern, die wirklich mitarbeiten und sich auch bemühen, im Sinne der Schule mitzuwirken, es gibt auch die Eltern, denen das egal ist und die glauben, die Schule wird es schon richten.
Aber - um diesen langen Text (soooorrrryyyy) doch noch zum Ende zu bringen - man darf nie vergessen, dass auch die Lehrer Menschen sind, "normale" Menschen mit all ihren Unzulänglichkeiten und Liebenswürdigkeiten
LG Schiffchen
EDIT: Wort vergessen
Frank2007
Ja das ist auch Sprengstoff.
Aber ich denke das liegt auch an beiden Parteien.
Es gibt bestimmt Lehrer die ihre Position ausnutzen.
Aber es gibt auch Kinder die genau wissen wo sie sich was erlauben können und wo nicht.
Wie gesagt das ist ein schwieriges Thema
LG
Frank
Jassy
Ich denke das Thema kann man nicht pauschalisieren und ausdiskutieren - dafür sind die "Menschen" zu unterschiedlich... Ich hab in meiner Schulzeit auch beide Seiten kennengelernt... Ist ein schwieriges Thema bei dem man immer individuell handeln muss anders kann es denke ich nicht funktionieren
doria
Ich glaube, es spielt auch eine große Rolle, wie man zu Hause von den Lehrern spricht. Manchmal erzählen mir Schüler, dass man bei einem bestimmten Lehrer ja gar nichts lernen könne, weil der ja gar keine Ahnung habe und unfähig sei - "und meine Eltern finden das auch". Oder der Kollege Sowieso kann sich nicht durchsetzen, "haben meine Eltern auch gesagt". Da hat der Kollege Sowieso natürlich schlechte Karten.
Auch hier im Forum ist ja manchmal zu sehen, dass manche Leute sehr pauschal die Lehrer insgesamt verurteilen und auch heftige Sprüche ablassen. Stellt sich die Frage, inwiefern das den Kinder hilft - in meinen Augen gar nicht! Führt nur dazu, dass sich die Fronten verhärten - und die Kinder nicht wissen, welcher Autorität sie nun glauben sollen.
Und was macht man bei den Lehrern, die nachgewiesener Maßen Fehler machen, vielleicht nicht besonders fähig sind, die Sache nicht im Griff haben? Natürlich sollte man intervenieren, aber nicht unbedingt vor den Kindern, wenn sie klein sind. Ich würde auch die Kinder darauf hinweisen, dass bestimmte Vorkommnisse einfach Missverständnisse sein können, dass der Lehrer vielleicht bestimmte Sachen nicht wahrgenommen hat etc. Ich finde den Vergleich mit dem Schiedsrichter sehr gut. Natürlich irren die sich manchmal - aber wenn man jeden kleinen Vorfall auf dem Spielfeld bis ins letzte klären wollte, dann würde wahrscheinlich kein Spiel zu Ende geführt werden. Aber natürlich darf man nicht akzeptieren, wenn ein Schiedsrichter andauernd Fehlentschiedungen trifft... In einem solchen Fall muss der Schulleiter informiert werden (wenn Gespräche mit dem entsprechenden Lehrer nicht helfen), und wenn das nicht hilft, die Schulaufsicht.
In dem konkreten Fall kann ich mir die andere Seite zumindest vorstellen. In einer Konfliktsituation wird eine Strafarbeit aufgegeben, aber das Kind kommt am nächsten Tag und sagt "Meine Mutter hat gesagt ich muss das nicht machen", vielleicht noch vor der ganzen Klasse. Was in dem Brief steht, nimmt die Klasse in dem Moment bestimmt nicht so wahr, die sehen nur, dass das Kind das nicht machen muss. Da kann die Autorität schon untergraben werden, In meinen Augen liegt sowas nicht in der Entscheidungsgewalt der Eltern. Allerdings hätte ich mich in jedem Fall mit der Lehrerin in Verbindung gesetzt, um die Sache zu klären.
(Wir machen das bei mir in der Schule anders: Es gibt keine Strafarbeiten, sondern nur Nacharbeitsstunden. Schüler, die im Unterricht Quatsch machen, kriegen dann ja den Stoff nicht mit, müssen nacharbeiten. Das Kind kriegt einen Zettel mit, auf dem die Eltern unterschreiben, dass das Kind an einem bestimmten Tag später nach Hause kommt. Gibt es Uneinigkeiten über die Rechtfertigung der Maßnahme, setzen sich Eltern und Lehrer zusammen und klären den Sachverhalt- die Klasse kriegts nicht mit.)
mamasu
| Zitat: |
Original von doria
In dem konkreten Fall kann ich mir die andere Seite zumindest vorstellen. In einer Konfliktsituation wird eine Strafarbeit aufgegeben, aber das Kind kommt am nächsten Tag und sagt "Meine Mutter hat gesagt ich muss das nicht machen", vielleicht noch vor der ganzen Klasse. Was in dem Brief steht, nimmt die Klasse in dem Moment bestimmt nicht so wahr, die sehen nur, dass das Kind das nicht machen muss. Da kann die Autorität schon untergraben werden, In meinen Augen liegt sowas nicht in der Entscheidungsgewalt der Eltern. ...
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Aus dem Blickwinkel habe ich das noch nicht betrachtet. Ich gehe davon aus, dass die Kinder zu den Lehrern gehen und das nicht vor der ganzen Klasse besprechen, aber ich weiß nicht, ob es tatsächlich so ist.
In unserem Fall war die Lehrerin noch neu, Anfang des Schuljahres, noch keine Telefonnummer, und dafür dann in die Schule gehen, da war mir der Zettel doch unkomplizierter.
Frank2007
Ja da hast du recht .
Aber ich denke das war eine Art Exempel.
So nach dem Motto ich bin zwar neu aber mit mir nicht.
Das war vielleicht nur ein versehen das gerade dein Sohn in der nähe war.
LG
Frank