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Ständig nur Theater - Kindererziehung im Kindergartenalter



IlkaM.
Was Du als erstes tun solltest ist, Dich innerlich davon zu lösen, dass dieses Verhalten DEIN Problem ist. Es ist nämlich SEINS, und ER braucht die Hilfe. Die Du ihm nur bieten kannst, wenn Du aufhörst zu kämpfen und Dich distanzierst.

Dein Sohn scheint mir von vielen Ambivalenzen geplagt, die er nicht in eine Reihenfolge bringen kann - weil er dafür noch zu klein ist! Er ist jetzt in einem Alter, in dem er sich die Welt anguckt und versucht herauszufinden, wie sie geordnet ist, wie sie funktioniert. Das ist ganz wichtig für ihn zur Zeit: eine Ordnung zu erkennen und immer wieder bestätigt zu bekommen, dass sie funktioniert! Und das macht sich dann an so einem für uns total banalen Vorfall fest wie dem Frühstück: Das Brot ist FALSCH geschnitten! Ein Stück fester Boden wird da unter den Füßchen weggerissen.

Das Anziehen: Ich will mich nicht anziehen - ich will was anderes machen/ich bin noch müde/ich WILL mich einfach nicht anziehen. Vernünftige Gedankengänge kannst Du da nicht voraussetzen - da musst Du schon selber aktiv werden: "Zieh dich rasch an, dann lesen wir vor dem Frühstück noch ein Pixibuch."

Das ist eine Strategie, die ich auch bei meiner Tochter anwende, die auch eine kleine Träumerin ist - sie verliert sich gerne mal in irgendwelchen Aktivitäten, drömelt nur rum, wenn sie was machen soll, das ihr nicht passt. "Erst wird das erledigt, dann machen wir das und das."

Lehre ihn, dass Dinge/Handlungen eine Reihenfolge haben. Und dass auch der Tag unterteilt ist in Handlungen. Wenn er schreiend zum Kindergarten geschleppt wird, obwohl er den Konflikt, der vorher in ihm getobt hat, gar nicht verarbeiten konnte: Mann - da hätte ich auch schlechte Laune! Das ist doch eine totale Überforderung!

Ich will jetzt gar nicht ausufernd werden (kannst ja gerne Rückfragen stellen). Aber meine Bedenken zu der Forumulierung "WIR haben ein Abendritual" muss ich doch noch äußern: Was ist das denn bitteschön für ein GEMEINSAMES Abendritual? Du gehst aus dem Zimmer und er brüllt?

Wie wäre es, wenn Ihr da was verändert? Es so gestaltet, dass es EUER Ritual wird und nicht DEINS?
Luna123
Guten Abend,

Alina wird im Juli 4 Jahre. Im Moment ist sie oft total unausstehlich.
Ich kann ihr dann nichts mehr Recht machen. Z.B. fällt ihr ein Taschentuch runter und sie BESTEHT drauf, dass ich es aufhebe. Oder sie steht fast ne Stunde schreiend vor mir, ich solle ihr die HAusschuhe anziehen, obwohl sie es natürlich selber kann. Und sie hat dann eine enorme Energie und Lautstärke. Das "schlimme" für mich ist im Moment, dass sie während ihrer Anfälle dann immer wieder sagt "Mama tröste mich" - und ich sie dann auch meistens in den Arm nehme. Aber das nützt dann auch nicht viel. Anschliessend schreit und tobt sie weiter und meint wieder irgendwann "Mama tröste micht". Heute war ich so genervt, es hat den ganzen Tag geregnet, wir sind auch nicht raus, - stundenlanges rumgezicke, dass ich mich einfach ins Bad eingeschlossen und geduscht habe. Sie schrie, weinte, tobte natürlich gegen die Tür "Mama mach auf", und ich hab mich natürlich ziemlich mies dabei gefühlt, aber ich brauchte mal kurz ne Auszeit. Ich werde wohl versuchen müssen, konsequenter zu sein, denn je auch nach meiner Tagesform - oder wie "lieb" sie an dem Tag ist , bin ich dann an "guten Tagen" v. Alina kompromissbereiter als an andren. HEute war ich so fertig, dass ich echt geheult habe, und ihr auch erklärt habe, dass ich traurig bin, das wir uns den ganzen Tag "so gestritten" haben. Sie ist dann auch total süss, und meint "Mama ich hab dich doch lieb". Und dann sage ich mir , ICH muss die Nerven behalten, denn ICH bin die Erwachesene und nicht die Lütte. Oh Mann, etwas wirr vielleicht geschrieben, aber es war so ein nerviger Tag für mich ( und wohl auch für Alina) heute....zudem hatte ich gerade ne Fuss-OP, dass ich auch nicht so beweglich bin zur Zeit, - und wenn sie mich dann ständig herumkommandiert, Mama tu dies, Mama tu das....
Kennt ihr das auch ? Da kann das Kind viele Dinge auch alleine, BESTEHT aber schreiend darauf, dass Mama es tut....
Ab morgen bin ich konsequent..... Daumen drück
Mongruadh
rofl Dann hat dich deine Kurze ja schon super erzogen! lach3
Ich kenne solche Ich-kann-das-aber-nicht-s auch. Aber ich heb so ein Taschentuch dann nicht auf oder ziehe auch mein Kind nicht an. Das macht mein Kerlchen dann bitteschön allein. Es sei denn, er ist zB hundemüde und bekommt eh nix mehr vernünftig auf die Reihe.
Aber irgendwo einschließen würde ich mich nicht. Wenn, dann schicke ich meinen Hosenmatz in sein Zimmer, um sein Böckchen loszuwerden.
IlkaM.
Hallo Luna - das macht meine Kurze mit mir auch zeitweilig, und in der Regel ist es völlig egal, ob Du eine devote Mutter bist oder eine dominante. Mütter sind halt oft die Sparringspartner bei solchen Spielchen - woanders können die Süßen das alles ja selber und würden auch nie auf den Gedanken kommen, da irgendwas zu fordern!

Ich stehe dann auch vor den Grenzen meiner Nervenbelastbarkeit, ich finde diese Kämpfchen total anstrengend! Und klar frage ich mich auch immer, wieso sie das macht.

Die Antwort "weil man es mit mir halt machen kann" lasse ich nicht gelten, denn das stimmt einfach nicht, da mögen Eltern mit wohlerzogeneren Kindern noch so sehr unken.

Ich habe manchmal den Verdacht, dass Anna in diesen Situationen einen Ausgleich sucht. Sie ist ein sehr perfektionistisches Kind - immer darauf bedacht, vor allem auswärts, bloß auch alles "richtig" zu machen, einen guten Eindruck zu hinterlassen. Es käme ihr nie in den Sinn, woanders auszuflippen. Sie will sich auch immer "älter" benehmen als sie ist und ist stolz wie eine Königin, wenn sie merkt, dass sie eine Situation souverän gemeistert hat.

Das Problem, das ich dabei sehe, ist, dass sie diese ganzen Ängste und Zweifel in sich reinfrisst - denn die äußert sie auch uns gegenüber nur sehr spartanisch, wir müssen ihr sowas in der Regel aus den Ohren ziehen (ein typisches Indiz: Bauchschmerzen. Oder der Satz "Nee... ich kann heute nicht, ich muss eine Geburtstagsfeier für XY vorbereiten...").

Irgendwo in ihr drin stecken diese kindlichen Bedürfnisse aber! Dieses 'Ich möchte umsorgt werden, ich möchte, dass Du mich festhältst, dass ich mich in Dich fallen lassen kann...'

Du, ... ich finde es total klasse, wenn sie Dir während solcher Anfälle noch sagen kann "Mama tröste mich!", denn genau das ist es, was sie dann wohl auch braucht. Ich kann mich an einen Wutanfall Annas erinnern, da stand sie tränenüberströmt vor mir und konnte nur noch japsen "Mama ... ich ... kann ... gar nicht mehr ... sprechen". Ein Schock für sie!

Es gibt diesen Mittelweg, den ich auch immer suche: auf der einen Seite natürlich klarmachen, dass man keine Dienstbotin ist und auch nicht so behandelt werden möchte. Aber auf der anderen Seite auch hinter diese Anfälle gucken und - wie Du auch sagst - gelassen bleiben.

Vielleicht reicht es den Ladys auch einfach, wenn sie ihre ganze Wut mal rausbrüllen können - egal aus welchem Anlass. Gemein finde ich allerdings auch, dass es IHNEN hinterher dann so geht: Sonnenschein

und UNS so: :sn7

Bye
Luna123
Hallöchen,

ja, einschliessen war total "doof", hatte auch ein schlechtes Gewissen, weil ch mir vorgestellt habe, wie es mir ginge, wenn ich ausgesperrt würde... traurig Aber ich konnte und wollte einfach nicht mehr. Heute ist sie total lieb u. verständig. Quasi wie so ein "Kater" noch einem grossen Streit. KEnn ich bei mir u. meinem Mann, nach einem Mega-Zoff sind wir dann eine kurze Zeit im Umgang sehr vorsichtig miteinander... tröst --aber das gibt sich dann wieder. HAbe Alina heute auch schon mehrfach gesagt, wie sehr ich mich freue, dass wir uns heute so gut verstehen. Habe ihr gesagt, wenn sie lieb zu mir ist, bin ich natürlich auch lieb zu ihr. Klar, es wird nicht ewig gutgehen, aber vielleicht hat sie für einige Zeit erstmal wieder ihre Grenzen abstecken müssen. Mal abwarten.

Ja, sie hat mich scheinbar echt sehr gut erzogen nudelholz Ist mir noch gar nicht so aufgefallen. Aber wie gesagt, wenn sie richtig mies drauf ist, und ich nicht "spure", dann gibt es Gebrüll ohne Ende. Aber ich werde mehr drauf achten ihr ruhig zu erklären, dass ich ihr gerne bei allem helfe was sie nicht kann, aber das was sie kann, soll sie bitte alleine machen.
Ach, ist gar nicht so einfach eine "gute" Mutter zu sein. Dachte eigentlich, es reicht schon, wenn man genug Liebe gibt, aber dem ist leider nicht ausschliesslich so.
Uff, aber heute habe ich wenigstens bis jetzt meine Ruhe vor irgendwelchen Kampfatacken ihrerseits Daumen drück
schnuppe
MAch Dir nicht zu viele Gedanken, weil Du Dich eingeschlossen hast. Mütter sind nämlich auch nur Menschen zuzwinker . Und schließlich immer noch besser, als wenn Du zugelassen hättest, daß sie Dich so nervt, daß Du selber ausrastest und ihr z.B. eine runterhaust.

Ich bin mir sicher, daß sie da keinen Schaden davonträgt. Und Du hast deutlich gemacht, wo die Grenze ist. Völlig ok IMHO.
Schneehase
Mit dem Kopf gegen die Wand… oh je ihr sprecht mir aus der seele...kämpfe,,,nicht aufstehen wollen...nicht ins bett gehen...nicht diese jacke....nichts machen wollen was man selber will..angebrülle...geweine..gehaue ...spucken..usw.#
ich bin auch öfter ratlos und verhalte mich von"ich halte die linke und die rechte wange hin" ´bis total autoritär.
wo ich das eben gelesen habe denke ich das man in einer phase ist, in der die kinder ihr "ich" besser kennenlernen. sie sind nicht mehr die schnuckeligen mäuse...na nicht mehr ganz.
als es ganz schlimm war , habe ich sie brüllend auf ihr zimmer getragen, tür zu, und bin schnell aus dem haus um den block laufen. so 8 minuten. um mich auszutoben.
aber eine patentlösung? gibts da eine?
kikra
Oh, das kenne ich auch zur Genüge. Whatever

Kein Tag vergeht, ohne dass am Morgen nicht mindestens einmal geheult wird. Den einen Tag früher, dann wieder - so ziemlich genau wenn ich zu hoffen beginne, dass es ausnahmsweise mal gut geht - später. Aber eben mit schöner Konsequenz.

In einigen Fällen kann ich es Jill noch nicht einmal verübeln. Ich muss sie um 6.30 Uhr wecken, denn bei uns ist zeitlich alles recht straff durchorganisiert, da ich auch noch fulltime arbeite. Dazu schmeiße ich alles die Woche über allein, da mein Mann in Süddeutschland arbeitet und nur am Wochenende nach Hause kommt. Wenn Jill am Wochenende dann wach werden kann, wann SIE es möchte, gibt es zumindest den Morgenaufstand nicht. Sie ist oft noch müde, erfahrungsgemäß friert man dann schneller.. und dann kommt so ne nervige Mutter, die möchte, dass man sich anzieht - möglichst schnell. Zwar gibt es bei uns ein Morgen-Ritual (immer noch eine Pulle Milch zum Wachwerden) - aber auch das sorgt nicht wirklich für ein entspanntes Aufwachen.

Manchmal gehe ich echt auf dem Zahnfleisch, zumal ich mit Jill auch noch einen absoluten Wirbelwind habe. Wenn sie erst einmal auf Touren ist, gibt es kein Halten mehr. Sie fetzt durch die Wohnung, hat eine unglaubliche Energie.. da wird es schon zur Herausforderung, wenn ich ihr nen Pferdeschwanz machen muss und das Gummi in die Haare frömmel. Ich sehne schon die Zeit herbei, zu der sie alt genug ist, in einen Sportverein gehen zu können, in dem sie sich richtig auspowern kann.

Mache dann 10 Kreuze, wenn ich sie in der Kita habe und meinen Weg gen Arbeit einschlagen kann.

Allerdings sehe ich diese Widrigkeiten als absolut natürlich in der Erziehung und somit auch als Herausforderung an mich als Mutter an, eben damit vernünftig und so gut wie möglich umzugehen. Vielleicht hilft es mir sogar noch zu sehen, dass Jill genau so ist wie ich es in meiner Kindheit war. Meine Eltern hatten für mich und meine Art nie Verständnis; bei Jill möchte ich es anders machen.

Sie ist eigentlich ein ganz süßes und liebes Mädchen, aber auch sie will eben ihre Grenzen ausloten. Und da kann es dann durchaus passieren, dass sie bei 15 Grad nach Schal, Mütze und Handschuhen verlangt. Die bekommt sie auch - allerdings gebe ich nicht nach, wenn ihr nach kurzer Zeit (zum Kindergarten geht es bergauf zuzwinker ) pullewarm wird und ich das Zeug tragen soll. Nix da - da muss sie dann durch, und beim nächsten Mal hat sich die Diskussion erledigt. Grien

Wutanfälle kenne ich auch zur Genüge bei denen ich dann merke, dass sie sich praktisch spiralförmig in sich aufdreht, dass sie da ohne Gesichtsverlust kaum noch hinauskommt. Also biete ich ihr ein Hintertürchen - irgendetwas findet sich eigentlich immer. Und wenn ich ihr dann meine Arme entgegenstrecke, nachdem sie vorher getobt und getrotzt und doch nicht ihren Willen bekommen hat, nimmt sie auch gerne die ihr gebotene Hand, kuschelt sich an mich, drückt mich, japst noch schluchzend nach Luft.. aber es ist durch.

Ich habe mit der Zeit gelernt, das so zu nehmen, wie es wohl ist: Einfach eine Phase in ihrer Entwicklung - nicht mehr und nicht weniger.

Natürlich ist man auch selber an den verschiedenen Tagen unterschiedlich gut drauf. Mal schafft man es, das gut wegzustecken, dann wieder schlechter. Aber das gestehe ich mir einfach zu. Duschen gehen musste ich deshalb zwar noch nicht Augenzwinkern , aber ich finde diese Reaktion nachvollziehbar.

Und wisst ihr was? Ich bin fest überzeugt, dass diese willensstarken kleinen Persönchen später gut durch ihr Leben gehen, wenn man selbst diesen Aussetzern gebührend begegnet und nicht versucht, diese Durchsetzungsversuche z. B. durch Sanktionen niederzudrücken.

Bei uns in der Kita hängen die "12 Forderungen eines Kindes an seine Eltern" - sicherlich kennt der ein oder andere sie. Allesamt sind es Gebote, nach denen ich zu handeln versuchen, denn ich finde sie nachvollziehbar. Ich poste sie hier nochmal.. habe sie rasch ergoogelt; sie scheinen recht populär zu sein, obwohl ich sie vorher so niedergeschrieben nicht kannte.

1. Verwöhne mich nicht!
Ich weiß genau, dass ich nicht alles bekommen kann-
ich will dich nur auf die Probe stellen!

2. Sei nicht ängstlich, im Umgang mit mir standhaft zu bleiben!
Mir ist Haltung wichtig, weil ich mich dann sicherer fühle.

3. Weise mich nicht im Beisein anderer zurecht, wenn es sich vermeiden lässt!
Ich werde deinen Worten mehr Bedeutung schenken, wenn du zu mir leise und unter vier Augen sprichst.

4. Sei nicht fassungslos, wenn ich zu dir sage: " Ich hasse dich!"
Ich hasse nicht dich, sondern deine Macht, meine Pläne zu durchkreuzen.

5. Bewahre mich nicht immer vor den Folgen meines Tun!
Ich muss auch peinliche und schmerzhafte Erfahrungen machen, um innerlich zu reifen.

6. Meckere nicht ständig!
Ansonsten schütze ich mich dadurch, dass ich mich taub stelle.

7. Mache keine vorschnellen Versprechungen!
Wenn du dich nicht an deine Versprechen hältst, fühle ich mich im Stich gelassen!

8. Sei nicht inkonsequent!
Das macht mich unsicher und ich verliere mein Vertrauen zu dir.

9. Unterbrich mich nicht und höre mir zu, wenn ich Fragen stelle!
Sonst wende ich mich an andere, um dort meine Informationen zu bekommen.

10. Lache nicht über meine Ängste!
Sie sind erschreckend echt, aber du kannst mir helfen, wenn du versuchst, mich ernst zu nehmen.

11. Denke nicht, dass es unter deiner Würde sei, dich bei mir zu entschuldigen!
Ehrliche Entschuldigungen erwecken bei mir ein Gefühl von Zuneigung und Verständnis.

12. Versuche nicht so zu tun, als seiest du perfekt oder unfehlbar!
Der Schock ist groß, wenn ich herausfinde, dass du es doch nicht bist.

Ich wachse so schnell auf und es ist sicher schwer für dich, mit mir Schritt zu halten. Aber jeder Tag ist wertvoll, an dem du es versuchst!
(Lucia Felder)