Forum Schwangerschaft, Geburt, Baby, Kindererziehung


4 Sprachen ein Chaos? - Mehrsprachige Erziehung



estrela
Hallo liebe Mituser,

bin neu hier in diesem Forum und aus einem speziellen Grund hier eingetreten: ich suche Leute, die sich in einen ähnlichen Situation wie ich befinden, oder wenigstens Ähnliches kennen.

Also: Ich bin 32 Jahre, verheitatet mit einem Uruguayer, wir leben in Brasilien und haben einen einjährigen Sohn.

Es wird viel über Zweisprachigkeit diskutiert, aber hier haben wir es leider mit 4 Sprachen zu tun:
Ich spreche Deutsch mit unserem Sohn, mein Mann Spanisch, das wären unsere Muttersprachen.

Dann sprechen mein Mann und ich Englisch miteinander und hier in Brasilien wird Portugiesisch gesprochen. das mein Sohn bald im Kindergarten lernen wird.

Ist das nicht irgendwie zuviel??? Hat jemand mal davon gehört, ob sowas funktioniert?

Sicher wäre es gut, die Sprachen zu reduzieren, aber im Moment weiß ich nicht wie. Unsere Muttersprachen wollen wir unbedingt weitergeben, Englisch brauchen wir zur Verständigung und Portugiesisch ist einfach da. Dazu kommt noch, dass wir hier in Brasilien etwa 4 Jahre bleiben und dann wissen wir noch nicht, wo's hingeht, also wie wichtig Portugiesisch bleibt....

Würde mich sehr über Tipps oder Erfahrungsaustausch freuen! Vielleicht kenn jemand einschlägige Fachliteratur, o.ä?

Schonmal vielen Dank!

Estrela
connylein
also ich hab ja ansich mal gar keine ahnung...
meine gedanken dazu:
spanisch und portugisisch wird ja, denke ich recht ähnlich sein.
bei deutsch, englisch und spanisch habt ihr ja mal 3 ganz unterschiedliche sprachen dabei...
ich denke mit spanisch und portugisisch wirds probleme mit der verwechslung geben. ich denke, man kann irgendwann nicht mehr asueinanderhalten, welches wort nun spanisch und welches portugisisch ist, aufgrund der ähnlichkeit. (meine mum zb hat italienisch und spanisch gelernt und vertut sich im urlaub immer wieder mal mit den vokabeln)

für die anderen sprachen hoffe ich einfach mal, dass euer kind sprachbegabt ist :)
was besseres als 3 sprachen, und dabei englisch und spanisch, zu können, kann einem ja kaum passieren... (ausser natürlich, man ist überfordert!)

aber fachlich kann ich dir leider nicht weiterhelfen...
sandra
Hallo,

also ich kann dir jetzt nur von meiner Erfahrung mit unseren Kindern im Kindergarten berichten:

Wir haben zb ein Kind, dessen Eltern beide Russisch als Muttersprache haben.
Die Mutter hat versucht mit ihren Kindern, ihr Kauderwelsch (sorry!! ist nicht bös gemeint) Deutsch zu sprechen. Das Kind hat das nun als "richtiges " Deutsch angesehen, und hat nun massive Probleme mit Satzbau, und überhaupt halt mit der deutschen Sprache.

Dann haben wir eine Familie da ist die Mutter Brasilianerin, sie spricht mit ihrem Kind auch
meist auf ihrer Muttersprache. Der Vater und die Großeltern sind deutsche, diese sprechen mit dem Kind deutsch. Das Kind hat keine Probleme mit der Sprache.

Was ich nur von der Praxis, und auch von unseren Fachleuten sagen kann ist, das man mit seinem Kind am besten mit seiner Muttersprache sprechen soll, es soll ja auch die Mimik, und das ganze "Gefühl" der Sprache lernen.
Sprich ihr sprecht jeweils in eurer Muttersprache mit dem Kind. Portugiesisch wird dein Kind am besten im Kindergarten oder seinem Umfeld lernen.
Und englisch wird er mit Sicherheit auch noch von euch beiden lernen, ich denke nicht, das dieses Sprachenwirrar dein Kind überfordert, er kennt es ja nicht anderster, und er lebt ja eigentlich alle 4 Sprachen.

Wünsch euch schonmal alles gute..............

Hast schonmal über das thema gegooglet??

lg Sandra
Tanja
Ich habe eine Nachbarin, die kommt aus Columbien. Sie ist in den USA aufgewachsen und lebt jetzt mit ihrem deutschen Mann hier.
Das Kind ist dreisprachig aufgewachsen.
Anfangs war das echt ein Kauderwelsch, weil das Kind von Sprache zu Sprache gewechselt hat in einem Satz.
Aber inzwischen klappt das gut. Das Kind wird jetzt 6.
soph911
hallo estrela,

...vielleicht kommt mein kommentar etwas spät, aber vielleicht hilft es dir ...

mach dir keine sorgen!! ihr überfordert euer kind nicht, wenn ihr ein paar einfache grundregeln einhaltet...

zu unseren rahmenbedingungen; ich lebe mit frau und kind (jetzt 3) seit 2,5 jahren berufsbedingt in finnland. meine frau französin, berufstätig, ich deutscher, berüfstätig. tochter marie tagsüber in finnischer tagesstätte (seit 2 jahren). familiensprache deutsch

wir haben uns durch verschiedenste literatur gelesen und ein paar regeln daraus aufuns übertragen. da marie erst 3 jahre alt ist kann ich natürlich nur einen zwischenbericht abgeben und wie wir dorthin gekommen sind.

derzeit versteht marie alle 3 sprachen (finnisch, franz. und deutsch) das ist leicht zu beobachten, wenn sie von verschiedenen personen angesprochen wird.

sprechen tut sie am besten finnisch, da sie täglich von ca. 8.00 bis 16.30 in der tagesstätte ist. feedbackgespräch dort hat von der pädagoginn ergeben, dass sie überdeuchschnittlich finnisch spricht. also kein problem.

ob marie s finnisch gut ist konnten wir nicht überprüfen, deshalb suchten wir öfters den austausch mit den finn. pädagoginnen.

franz. wortschatz ist grösser als der deutsche, weill meine frau mehr zeit mit marie verbringt.

wenn sie mit uns redet, dann ist es derzeit ein mix aud den 3 sprachen. je nach häufigkeit des verwendeten worten in der jew. sprache- verwendet sie es. bsp. papa, katto (finnisch slang, schau mal) gros (=gross franz.) bagger....

unsere regeln:

1. jeder elternteil konsequent seine sprache mit marie
2. keine mixsprache von den eltern mit marie
3. kontakte mit kindern der schwächeren sprachen (fr./dt.) pflegen
4. viel sprechen und wiederholen in der jeweiligen elternsprache.
5. geduld bewahren
6. regelmässig feedback von pädagogen und ärzten einholen, ob status der entw. o.k. ist

ihr werdet sehen, dass es beeindruckend ist, was ein kind alles lernen kann.

gruß aus finnland
JuergenMei
Also ich selbst bin Zweisprachig aufgewachsen und habe dann eine dritte gelernt: Englisch in der Schule (und unterrichte es jetzt).

Ich habe einen Freund dessen Kinder Dreisprachigaufgewachsen sind: er hat mit ihnen Englisch gesprochen, sie Deutsch und in ihrem Umfeld wurde mit ihnen Rumaenisch gesprochen. Heute sind sie 16 und 13 und haben keine Probleme.

Kinder merken mit wem sie in welcher Sprache reden sollen. Sie verstehen auch zum Beispiel, wenn der Vater, der normal Sprache x mit ihnen redet, plotzlich Sprache Y redet weil noch jemand dabei ist.

Wenn du merkst dass Kinder Sprachen mischen, sei beruhigt, sie wissen welches Wort zu jeder Sprache gehort, aber sie benutzen einfach das erste das ihnen einfaellt. Bei mir war das so, aber nach einem alter (13-14) habe ich das nie mehr gemacht.
Heidi-Marijke
Hallo, bin auch neu hier.
Habe zweimal eigene Erfahrungen mit Mehrsprachigkeit, aber keine Probleme.
Ich selber bin Holländerin, mit deutscher Mutter, und mußte mit 4 Jahren deutsch lernen, dauerte 2 Jahre, hat alles geklappt. Ich schreibe heute beide Sprachen.

Mein Sohn hat einen deutschen Vater, eine holländische Mutter und lebt in Portugal. Ich weiß,dass jeder Elternteil, und am besten auch die Großeltern, durchgehend konsequent nur eine einzige Sprache mit dem Kind sprechen sollen. Das habe ich strikt eingehalten, auch wenn ich damit bei meinen (deutschen) Schwiegereltern unten durch war.
Mein Sohn hat dadurch ca. 1 Jahr später wie andere Kinder angefangen zu sprechen. Da sein Denke im Kopf somit schon weiter war, war es ihm voll bewusst, dass er sich nicht so ausdrücken konnte, wie er wollte, was ihm ab und zu Schwierigkeiten bereitet hat.
Mit 3 in den portugiesischen Kindergarten, und jetzt nach anderthalb Jahren die ersten längeren portugiesischen Sätze. Er ist stolz auf alle Sprachen, die er kann. Manchmal "verdeutscht" er etwas im Niederländischen, läßt sich aber gerne von mir korrigieren.
Ich muß dazu sagen, dass ich wohl auch deutsche und portugiesische Bücher vorlese, je nach dem wie mein Sohn möchte. Aber sprechen untereinander NUR holländisch. Sonst beschwert er sich auch sofort.

Ich finde ihr solltet nicht versuchen, eurem Kind auch noch englisch beizubringen. Ich glaube, er wird sowieso mit der Mutter die eine und mit dem Vater die andere Sprache sprechen. Und keine Angst, das vorläufige "Kauderwelsch", was es zwischendurch mal geben kann "verläuft" sich mit der Zeit. Ich habe noch ein paar kleine nette Reste hiervon in meinem Sprachgebrauch beiderseits, nicht schlimm, eher nett.
Also viel Glück, und nur Mut. Auf jeden Fall das Kind unterstützen und gegen widrige Meinungen stark machen. banane
Flix
Mir kam nur der Gedanke, dass in manchen Teilen Deutschlands der Dialekt so extrem ist, dass er nicht nur einen unverwandten Wortschatz und teilweise eine andere Grammatik hat.

Diese sprachliche Leistung des Gehirns wird aber gar nicht wahrgenommen. :)
Also vielleicht sind zwei "Sprachen" schon normal. - Und dann vier gar nicht mehr so extrem.

Englisch muss dein Kind ja gar nicht so arg gut können. Falls im Kindergarten oder in der Schule von Problemen berichtet wird, würd ich das als Erstes einschränken.
JuergenMei
Zitat:
Original von Flix
Mir kam nur der Gedanke, dass in manchen Teilen Deutschlands der Dialekt so extrem ist, dass er nicht nur einen unverwandten Wortschatz und teilweise eine andere Grammatik hat.

Diese sprachliche Leistung des Gehirns wird aber gar nicht wahrgenommen. :)
Also vielleicht sind zwei "Sprachen" schon normal. - Und dann vier gar nicht mehr so extrem.

Englisch muss dein Kind ja gar nicht so arg gut können. Falls im Kindergarten oder in der Schule von Problemen berichtet wird, würd ich das als Erstes einschränken.


Englisch ist aber sehr wichtig, das einfach so einschränken wäre keine so gute Idee, denke ich...
Heidi-Marijke
Sorry, ich halte englisch in dem Fall für absolut unwichtig, es ist "nur" die Sprache, die die Eltern untereinander benutzen. Nicht die Mutter- nicht die Vater- und nicht die Landessprache.
Tschuldigung, aber das Kind war wie alt? Es kann in der Schule noch alle Sprachen der Welt lernen. Wichtig ist wirklich, dass es konsequent mit einem Partner eine Sprache lernt. Das ist die allerbeste Basis für alle weiteren später im Leben.
Wer sollte denn auch englisch mit dem Kind reden? Dann müßte ja Mutter oder Vater eine eigene Sprache weglassen. Und eine "fremde" Sprache dem Kind beizubringen halte ich für noch verkehrter, falscher Akzent, das Kind lernt die Sprache dann von Anfang an unkorrekt, und das ist später nicht mehr so gut auszubügeln. Das ist ja gerade häufig das Problem von Kindern ausländischer Mitbürger in Deutschland, wenn ein Elternteil gebrochenes Deutsch mit dem Kind spricht.
Zuckerschneckle
also, ich denke, der kleine wird automatisch deutsch mit der mama, spanisch mit dem papa sprechen. das englisch wird automatisch dazukommen. er ist ja bei den gesprächen der eltern dabei. wichtig ist nur, dass die mama NUR deutsch mit ihm direkt spricht, der papa NUR spanisch direkt mit dem kleinen. das englsich, dass mama und papa miteinander sprechen, das wird er so "mitnehmen". und das portugisisch lernt er dann im KiGa eh.

ich hatte eine kollegin, deren 3 kinder waren auch 4 sprachig erzogen: deutsch, italienisch, französisch und russisch. die kinder haben alle bissel später angefangen mit sprechen. aber die beiden grossen sprechen alle 4 sprachen fliessend, dazu noch in der schule erlerntes englisch. beim kleinen, ein nachzügler, hat sie die sprache etwas schleifen lassen, er kann kein russisch, er versteht es grösstenteils, kann es aber nicht sprechen. wichtig war (sie war dolmetscherin, halb russin, halb italienerin, ihr mann hat französisch/deutsche wurzeln) allerdings ganz klar: die hat mir den kindern russisch oder italienisch gesprochen, der vater nur deutsch. beim essen wurde nur französisch gesprochen. ansonsten hat sie mir mal gesagt reden die kinder wie sie grad wollen, verstärkt aber in deutsch.

meine ist übrigens zweisprachig aufgewachsen. ich hab nur deutsch, mein ex-mann nur spanisch gesprochen. wir haben uns übrigens miteinander auch grösstenteils auf englisch unterhalten. zumindest am anfang. und da hat sie auch den ein oder anderen brocken aufgeschnappt. das englisch ist aber irgendwann weggefallen, als mein ex genug deutsch konnte.
Heidi-Marijke
Ja, stimmt, mein Sohn hat ungefähr ein ganzes Jahr später wie andere Kinder überhaupt mit sprechen angefangen. Bloß nicht von den Kinderärzten und anderen Leuten verrückt machen lassen, alles ok. Er erzählt mir jetzt alles, was er will, und übersetzt auch alles noch für anderssprachige! Kommt alles gut!
JuergenMei
Englisch ist wichtig weil es die Internationale Sprache ist. Beim Reisen, in Geschäften, im Internet and den Unis, überall ist Englisch. engel
Heidi-Marijke
hallo!
Der Jung ist gerade mal EIN Jahr alt. Im Moment spricht der noch gar nix!
Und wie gehabt, sollte deiner Meinung nach wirklich einer der Elternteile auf seine Muttersprache verzichten, um dem Jung die Weltsprache Englisch beizubringen? Eventuell wäre in dem Bereich, wo das Kind aufwächst sogar französisch gängiger.
Bitte nicht vergessen, in einigen einigen Jahren wird das Kind wohl in eine Schule kommen, in der es dann, in aller Ruhe, auch Englisch oder andere wichtige Sprachen lernen wird. Es geht hier doch erst mal um seine "Muttersprachen", und da kann es nur zwei von zugleich lernen, von den Eltern.