knöllchen
Wieviel Erziehung braucht mein Kind?
Das ist vermutlich die entlastendste Nachricht, die Eltern je gehört haben: "Im Grunde hat Erziehung keinen Zweck. Das Thema ist total überbewertet", erklärt der dänische Familienberater Jesper Juul. Mehr noch: "Bis Kinder drei Jahre alt sind, brauchen sie sowieso keine Erziehung, sondern nur liebevolle Begleitung." Sagt Juul.
Ein prima Vorsatz - bis zu dem Moment, in dem ein tobender Zweijähriger mir nichts, dir nichts ein ganzes Lokal aufmischt. Jetzt nicht eingreifen? Unmöglich! Auch in anderen Situationen fällt Nichttun ziemlich schwer: Dann zum Beispiel, wenn man endlich , endlich mal fünf Minuten Ruhe hat, um die Zeitung zu lesen. Aber leider zupft einem das Töchterlein penetrant am Ärmel: "Will spielen." ... ...
...
Ein Trend folgt auf den anderen: Nach der streng autoritären Erziehung unserer Großeltern folgte das ultraliberale Laissez-faire der 68er-Generation. Und nun?
"In den vergangenen 15 Jahren wurde die Erziehungsdebatte dermaßen vom Setzen der Grenzen dominiert, dass man den Eindruck gewinnen könnte, dies sei der Dreh- und Angelpunkt im Verhältnis zwischen Eltern und Kindern" erklärt Juul. Und das ist es für ihn nicht: "Die scheinbare Notwendigkeit, Kindern Grenzen zu setzen, hat inzwischen einen nahezu religiösen Status erreicht." Kein Grenzen, keine Maßregelungen, keinen antiautoritären Habitus:
Was ist Erziehung dann? "Nichts anderes als Beziehung",
sagt die Rosenheimer Erziehungswissenschaftlerin Dr. Christine Kaniak-Urban. "Beziehung schaffe ich nur, wenn sich das Kind verstanden fühlt." Wenn das Kind spürt, dass es angenommen wird, wie es ist, "dann können Eltern sich jede Menge Fehler erlauben".
...
Die Regeln klingen einfach: mehr und authentisch Nein sagen, Kinder als gleichwürdige Partner betrachten - "und nicht als ein erwachsenes Projekt", so Juul. Aber lässt sich dies auf alle Altersklassen, auf jedes Kind anwenden? Baby, da sind sich die Forscher einig, brauchen zunächst einmal ein klares Ja. In den ersten zwölf Monaten geht es darum, einfühlsam die Bedürfnisse der Kinder zu erfüllen und ihre Grenzen zu respektieren - dann zum Beispiel, wenn die Kleinen den Kopf wegdrehen, weil sie für heute genug Reize empfangen haben. Oder eben im Moment nicht kuscheln möchten.
"Erziehung findet zwischen den Zeilen statt" (Jesper Juul)
"Danach wollen Kinder", davon ist Jesper Juul überzeugt, "eine Führerschaft".
Das bedeutet nicht, dass die Eltern Chefs sind, deren Willen sich das Kind unterzuordnen hat. Vielmehr sollen die Keinen die Chance haben, zu lernen was den Eltern an ihrem Verhalten gefällt und was nicht. "Der Lernprozess erfordert vor allem Deutlichkeit uns ständige Wiederholungen", sagt Jesper Juul. Das wird besonders ab drei, vier Jahren wichtig. Je älter die Kinder werden, umso mehr Erklärungen werden sievielleicht einfordern. Doch wenn es gelingt, als Eltern eigene Werte und Wünsche zu vertreten und dabei die Persönlichkeit des Kindes zu respektieren, "dann lässt sich sogar die Pubertät gut überleben", glaubt Juul.
Zum Schluss die vielleicht wichtigste Nachricht für Eltern: "20 Fehler am Tag zu machen ist total in Ordnung" sagt Juul. Wenn die Beziehung stimmt, wenn das Verhältnis von Liebe und Respekt geprägt ist, kann im Grunde nichts schiefgehen.
"Die Natur" schreibt der renommierte Schweizer Pädiater Prof. Dr. Remo Largo, "rechnet nicht mit perfekten Eltern."
Das ist vermutlich die entlastendste Nachricht, die Eltern je gehört haben: "Im Grunde hat Erziehung keinen Zweck. Das Thema ist total überbewertet", erklärt der dänische Familienberater Jesper Juul. Mehr noch: "Bis Kinder drei Jahre alt sind, brauchen sie sowieso keine Erziehung, sondern nur liebevolle Begleitung." Sagt Juul.
Ein prima Vorsatz - bis zu dem Moment, in dem ein tobender Zweijähriger mir nichts, dir nichts ein ganzes Lokal aufmischt. Jetzt nicht eingreifen? Unmöglich! Auch in anderen Situationen fällt Nichttun ziemlich schwer: Dann zum Beispiel, wenn man endlich , endlich mal fünf Minuten Ruhe hat, um die Zeitung zu lesen. Aber leider zupft einem das Töchterlein penetrant am Ärmel: "Will spielen." ... ...
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Ein Trend folgt auf den anderen: Nach der streng autoritären Erziehung unserer Großeltern folgte das ultraliberale Laissez-faire der 68er-Generation. Und nun?
"In den vergangenen 15 Jahren wurde die Erziehungsdebatte dermaßen vom Setzen der Grenzen dominiert, dass man den Eindruck gewinnen könnte, dies sei der Dreh- und Angelpunkt im Verhältnis zwischen Eltern und Kindern" erklärt Juul. Und das ist es für ihn nicht: "Die scheinbare Notwendigkeit, Kindern Grenzen zu setzen, hat inzwischen einen nahezu religiösen Status erreicht." Kein Grenzen, keine Maßregelungen, keinen antiautoritären Habitus:
Was ist Erziehung dann? "Nichts anderes als Beziehung",
sagt die Rosenheimer Erziehungswissenschaftlerin Dr. Christine Kaniak-Urban. "Beziehung schaffe ich nur, wenn sich das Kind verstanden fühlt." Wenn das Kind spürt, dass es angenommen wird, wie es ist, "dann können Eltern sich jede Menge Fehler erlauben".
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Die Regeln klingen einfach: mehr und authentisch Nein sagen, Kinder als gleichwürdige Partner betrachten - "und nicht als ein erwachsenes Projekt", so Juul. Aber lässt sich dies auf alle Altersklassen, auf jedes Kind anwenden? Baby, da sind sich die Forscher einig, brauchen zunächst einmal ein klares Ja. In den ersten zwölf Monaten geht es darum, einfühlsam die Bedürfnisse der Kinder zu erfüllen und ihre Grenzen zu respektieren - dann zum Beispiel, wenn die Kleinen den Kopf wegdrehen, weil sie für heute genug Reize empfangen haben. Oder eben im Moment nicht kuscheln möchten.
"Erziehung findet zwischen den Zeilen statt" (Jesper Juul)
"Danach wollen Kinder", davon ist Jesper Juul überzeugt, "eine Führerschaft".
Das bedeutet nicht, dass die Eltern Chefs sind, deren Willen sich das Kind unterzuordnen hat. Vielmehr sollen die Keinen die Chance haben, zu lernen was den Eltern an ihrem Verhalten gefällt und was nicht. "Der Lernprozess erfordert vor allem Deutlichkeit uns ständige Wiederholungen", sagt Jesper Juul. Das wird besonders ab drei, vier Jahren wichtig. Je älter die Kinder werden, umso mehr Erklärungen werden sievielleicht einfordern. Doch wenn es gelingt, als Eltern eigene Werte und Wünsche zu vertreten und dabei die Persönlichkeit des Kindes zu respektieren, "dann lässt sich sogar die Pubertät gut überleben", glaubt Juul.
Zum Schluss die vielleicht wichtigste Nachricht für Eltern: "20 Fehler am Tag zu machen ist total in Ordnung" sagt Juul. Wenn die Beziehung stimmt, wenn das Verhältnis von Liebe und Respekt geprägt ist, kann im Grunde nichts schiefgehen.
"Die Natur" schreibt der renommierte Schweizer Pädiater Prof. Dr. Remo Largo, "rechnet nicht mit perfekten Eltern."
(quelle: Baby und Familie 04/2008 )
Liebe Kaethe,
ich musste an dich denken, als ich den Artikel gelesen habe.
Ich habe sehrwohl verstanden, dass du deine Kinder liebst und dass auch du nicht aus deiner Haut kannst. Weil du nunmal so bist, wie du bist.
Aber es ist nie zu spät, seinen Horizont zu erweitern.

) eigentlich recht nachvollziehbar.
Cordu