Frühe Erstgeburt als Problem, dem jedes Land seinem Wertesystem entsprechend begegnet
In den USA bekommen 52 von 1000 Mädchen im Alter von 15 bis 19 Jahren ein Kind und sind somit das Land mit den meisten Teenager-Geburten unter den Industrienationen. In Korea werden nicht einmal drei von 1000 Teenagern im selben Alter Mutter. Österreich liegt mit 14 Geburten unter 1000 Teenagern im Mittelfeld. Warum bekommt in einigen Ländern kaum ein Teenager ein Kind, während in anderen gleich zehn- oder fünfzehn mal so viele so jung Mutter werden? Dieser erhebliche Unterschied zwischen einzelnen Ländern ist Thema des UNICEF-Berichts, der 28 OECD (Organisation for Economic Co-operation and Development)- Länder umfasst.
In Ländern und in einer Zeit, in der die Familiengründung immer weiter nach hinten verschoben oder ganz der Karriere geopfert wird, stellt eine Teenager-Geburt ein Problem dar. Der Abbruch der Schule, in Folge fehlende Qualifikationen für einen Job, Arbeitslosigkeit oder eine schlecht bezahlte Arbeit und Abhängigkeit von Sozialleistungen sind oft die bitteren Wahrheiten, die einen langen Schatten auf das junge Mutterglück werfen.
Dass Mütter unter 20 Jahren tatsächlich wirtschaftlich benachteiligt sind, zeigt ein Teil der UNICEF-Erhebung in 13 europäischen Ländern. Österreich ist das einzige Land, in dem Teenager-Mütter verglichen mit Frauen, die in den 20-ern ihr erstes Kind bekamen, nicht wesentlich mehr von Armut, Arbeitslosigkeit und niedriger Schulbildung betroffen sind. In den Niederlanden und in Dänemark leben dreimal so viele Teenager-Mütter Jahre nach der Geburt in Armut (die ärmsten 20 % nach Haushaltseinkommen) als "spätere" Mütter.
In den letzten Jahren hat sich der Stellenwert der Sexualität in der Gesellschaft geändert. Zu den traditionellen Einstellungen ist die Vermarktung von Sex hinzugekommen. Und - Teenager haben heute früher Geschlechtsverkehr als die Generationen davor. Ob ein Land eine niedrigere Teenager-Geburtenrate hat als ein anderes, ist nicht nur an das Festhalten an alten Werten oder an die Veränderungen der sozio-sexuellen Revolution gebunden, sondern auch im Zusammenhang mit den wirtschaftlichen und sozialen Gegebenheiten zu sehen. In den USA etwa fallen 80 % der Teenager-Geburten und 60 % der Teenager-Abtreibungen auf jene 40 % der unter 20-Jährigen, die in Familien mit geringem Einkommen leben. Auch ein niedriges Bildungsniveau der Eltern und der Teenager selbst sind Faktoren, die eine frühe Erstgeburt begünstigen.
Was Korea von den USA unterscheidet und wie es die anderen halten
In Korea, dem OECD-Land mit den wenigsten Teenager-Geburten, werden traditionelle Werte hoch gehalten. Vorehelicher Geschlechtsverkehr wird verpönt und Mädchen im Teenageralter, die schwanger sind, sehen sich mit finanziellen und sozialen Problemen konfrontiert. In Italien mit weniger als sieben Geburten unter 1000 Teenagern wird der Einfluss "alter" Werte besonders im Süden sichtbar. Dort ist die Geburtenrate niedriger, als bei der vorherrschenden Armut zu erwarten wäre. Japan (4,6 von 1000 Teenagern) und Spanien (7,9 von 1000) sind ebenfalls "traditionsbestimmt".
In den Niederlanden, Schweden, Dänemark, Finnland und Frankreich liegen die Gründe für weniger Teenager-Geburten (6 bis 9 von 1000) in den Bestrebungen, Teenagern zu helfen, sich in einer sexualisierten Gesellschaft zurecht zu finden (z.B. Sexualerziehung). Frühes Kinderkriegen wird als Nachteil dargestellt.
Eine niedrige Rate hat die Kombination beider Faktoren - traditionelle Werte und eine umfassende Sexualerziehung - in der Schweiz (5,5 von 1000) und in Teilen der Niederlande bewirkt. Traditionell werden in Tschechien, Polen, Portugal, Ungarn und in der Slowakei mehr Kinder von Teenagern zur Welt gebracht (16 bis 21 von 1000 bei den ersten drei Ländern, etwa 27 von 1000 in Ungarn und in der Slowakei). Viele davon sind bei diesem Ereignis bereits verheiratet.
Eine hohe Teenager-Geburtenrate liegt in Neuseeland und Großbritannien (knapp 30 von 1000) vor, überboten noch von den USA (52 von 1000). Angesichts einer wenig integrativen Gesellschaft, höherer Einkommensunterschiede und des geringen Prozentsatzes älterer Teenager in Bildungseinrichtungen scheint die Motivation zu fehlen, das Kinderkriegen hinauszuzögern. Der sozio-sexuellen Revolution wird hier nicht angemessen begegnet, Empfängnisverhütung und Beratung finden nur unter der Decke von Verschwiegenheit und Scham statt.
Vorbild Niederlande
Die Niederlande sind ein Beispiel für eine der niedrigsten Teenager-Geburtenraten und gleichzeitig für eine der niedrigsten Abtreibungsraten unter Jugendlichen unter 20 in den Industrieländern. In den letzten 30 Jahren wurde die holländische Geburtenrate bei den Teenagern um 72 % reduziert. Schweden und Dänemark können bei dieser Zahl auch mithalten, haben dafür aber vier mal so viele Abtreibungen. Das "Erfolgsrezept" der Holländer ist eine Kombination aus einer relativ integrativen Gesellschaft und einem offenen Zugang zur Sexualität und Sexualerziehung, die bereits im jungen Alter beginnt. Verlegenheit und Scham kommen so gar nicht erst auf und Empfängnisverhütung ist eine Selbstverständlichkeit. Die Teenager in den Niederlanden haben auch relativ spät das erste Mal Geschlechtsverkehr, verhüten öfter und effektiver, reden mehr über Sex und machen diesbezüglich Pläne mit ihren PartnerInnen.
Abgesehen davon, dass auch die USA mit ihren in den 1990er-Jahren begonnenen Kampagnen für sexuelle Enthaltsamkeit vor der Ehe einen Rückgang an Teenager-Geburten verzeichnen konnten, ist die Empfängnisverhütung eine der wichtigsten Schlüsselfaktoren zur Senkung der Geburtenrate. Der Zugang zu Verhütungsmitteln und die Sexualerziehung zu aufgeklärten, selbstbestimmten, jungen Menschen sind wichtige Maßnahmen zur Unterstützung dieses Zieles. Aber auch die Motivation, sich dieser Mittel zu bedienen und nicht zu früh Kinder zu bekommen, darf nicht fehlen. Diese verlangt nach einer Einbettung in eine vom wirtschaftlichen Fortschritt geprägten Gesellschaft und der Hoffnung auf eine gute, sichere Zukunft.
Teenager-Geburten: Fakten
Jedes Jahr werden 1, 25 Millionen Teenager in den untersuchten 28 OECD-Ländern schwanger. Eine halbe Million der Schwangerschaften endet mit Abtreibung, eine dreiviertel Million endet in Mutterschaft.
Die wenigsten Teenager-Geburten verzeichnen Korea, Japan, die Schweiz, die Niederlande und Schweden mit weniger als 7 unter 1000 Teenagern.
Die USA haben mit 52 von 1000 Teenagern, die ein Kind bekommen, die höchste Geburtenrate bei den 15- bis 19-Jährigen in den Industrienationen. Europaweit liegt Großbritannien mit einer Rate von knapp 31 pro 1000 Teenager an der Spitze.
[B]Die Smilies sind nicht beabsichtigt!Text ist kopiert[/B]
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