Sadhana unregistriert
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Hallo Hobome
Ich kenne diese Wut sehr genau. Ich war als meine Mutter starb gerade mal 18 Jahre geworden und sie erlitt einen tödlichen Herzinfarkt mit jungen 38 Lebensjahren. Die Wut bezog sich auf "Gott" und die Welt, aber auch auf meine Mutter selbst. Sie hätte nach einer Totaloperation an der Gebärmutter nicht so schnell wieder arbeiten dürfen wegen Thrombosegefahr. Sie hatte jedoch wenig Respekt vor ihrer Gesundheit und ist relativ schnell in ihren Beruf zurück, obwohl sie es als Krankenpflegerin besser hätte wissen müssen. Ich habe mich von ihr verlassen gefühlt.
Das mag vielleicht nicht ganz die gleiche Wut sein, die Du empfindest, aber ich habe zu zweifeln angefangen, wie "Gott" das zulassen konnte, wo sie doch noch so viel hätte erleben können.
Mittlerweile, auch durch andere Menschen, die in meinem Umfeld gestorben sind und die Auseinandersetzung damit, habe ich diese Wut nicht mehr. In mir entstand erst die Idee und dann der Glaube darin, dass der Tod nicht das Ende ist sondern ein Übergang. Es geht hier nicht um einen bestimmten Glauben, dem ich nachgehe, sondern eine innere Überzeugung, dass eine Seele mehr als eine Lebensstation hat. Ich habe so viele unterschiedliche Menschen kennengelernt, die so unterschiedlich Reife zeigen, dass ich glaube, dass Menschen alte, wissende Seelen haben können, oder eben junge, unbelastete, neue Seelen. Mir sind Menschen begegnet, die soviel Weisheit in sich tragen, dass dafür ein Leben kaum an Erfahrungswerten reicht.
Ebenso bin ich für mich überzeugt, dass Menschen mit unterschiedlichen Aufgaben im Leben konfrontiert werden, die sie mehr oder weniger erfüllen, bevor sie sterben. Selbst ein Kind das direkt nach der Geburt wieder gehen, haben eine Aufgabe gehabt. Das mag sich uns nicht so deutlich zeigen, trotzdem ist es meine innere Überzeugung. Klar kann ich das nur so leicht schreiben, weil mir das zum Glück nie passiert ist.
Mit dieser Wut, die in Dir ist, ist auch die Trauer nicht wirklich abgeschlossen. Wut ist ein Teil der Trauer, denn den Verlust der geliebten Menschen kannst Du damit ja nicht wirklich annehmen. Gerade bei offensichtlichem oder verstecktem Suizid, ist das besonders schwierig mit der Wut umzugehen. So ist es auch, wenn Menschen durch eine Krankheit oder Behinderung, ein Leben verlieren.
Ich sehe uns als Teil eines großen Organismus, der nicht nur durch Fleisch und Blut besteht. Alles entsteht, vergeht und entsteht wieder, bis zu dem Zeitpunkt, wo dieser Kreislauf nicht mehr erforderlich ist, weil er überwunden ist. Das ist es was meine Wut geheilt hat.
Hallo Shopgirl
Ja diese Trauer kenne ich auch. Ich habe zwei Unterschenkel verloren. Ich habe es nicht bewusst wahrgenommen, weil ich recht klein war, aber es kam dann später in mein Bewusstsein. Dieser Verlust hat ebenso geschmerzt, wie der Tod eines geliebten Menschen und lange Zeit habe ich deutlich gespürt, dass ich die Liebe zu mir selbst nicht mehr empfunden habe. Nur noch halb sein, nicht mehr ganz und vollwertig sein. Irgendwann konnte ich akzeptieren, aber das reichte nicht. Ich wollte und habe es auch annehmen können. Ich habe mich annehmen können und gemerkt, dass ich doch vollständig bin, weil ich ganz viel erfahren habe, das anderen teilweise verwehrt wird. Meine Werte sind durch die "Behinderung" beeinflusst worden und es hat mich stark gemacht.
Auch Deine Erleichterung, glaube ich nachvollziehen zu können, wenn mein Gefühl mich nicht täuscht, dass Du sehr viel an Fürsorge geben musstest, durch die Pflegebedürftigkeit Deiner Mutter. Im gegenzug dazu scheint es mir, hast Du selbst nur sehr wenig von dieser Fürsorglichkeit von Ihr erfahren. Ist das so?
Dann ist es nämlich nicht der Tod, der Schmerz und Verzweiflung verursacht, sondern es sind die Lebenden. Das kann ebenso intensiv sein und auch länger anhalten, als die Trauer um einen Verstorbenen.
Falls ich nicht ganz daneben liege, hoffe ich Du konntest mit Dir da Frieden schließen.
Liebe Grüße
Sadhana
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23.11.2003 11:01 |
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