B69P unregistriert
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Bei diesem Krankheitstyp zerstört das körpereigene Immunsystem selbst im Rahmen einer Entzündungsreaktion die insulinproduzierenden Betazellen in der Bauchspeicheldrüse. Diese Entzündungsreaktion setzt wahrscheinlich bereits in frühester Kindheit ein. Die daraus folgende Zerstörung der insulinproduzierenden Betazellen führt nach und nach zu einem zunehmenden Insulinmangel. Erst wenn ca. 80-90 Prozent der Beta-Zellen zerstört sind, manifestiert sich ein Typ-1-Diabetes. In der Anfangsphase der Erkrankung ist also durchaus noch eine kleine Insulinrestproduktion vorhanden.
Ganz typisch für den Typ-1-Diabetes ist die ausgeprägte Gewichtsabnahme innerhalb kürzester Zeit, verbunden mit Austrocknung (Exsikkose), ständigem Durstgefühl, häufigem Wasserlassen und gelegentlich auch Bauchschmerzen. Allgemeine Symptome wie Müdigkeit und Kraftlosigkeit, Sehstörungen und Konzentrationsstörungen kommen hinzu. Kopfschmerzen sind auch nicht ungewöhnlich.
Beim Typ-1-Diabetes muss das fehlende Hormon Insulin künstlich in Form von Insulinpräparaten zugeführt werden…
Bei mir hat dies im alter von 5 Jahren angefangen. Ich habe sehr viel getrunken und bin ebenso häufig auf Toilette gerannt. Zum Schluss sogar mehrmals in der Nacht. Bei einem Test beim Arzt (Glukose-Toleranztest), wurde dann die Zuckerkrankheit festgestellt und ich bin umgehend in die Kinderklinik überwiesen worden, um dort die Einstellung vorzunehmen zu lassen…
Es war für mich nicht einfach, als kleiner Junge, ohne Familie, dort eine lange Zeit zu verbringen. Auch wenn die Eltern mich jeden Tag besuchen kamen, so war die Zeit für mich sehr schlimm. Unter anderem waren in dieser Klinik schwerstkranke Kinder untergebracht und in der Zeit die ich dort war sind einige an den Folgen ihrer Krankheit gestorben…
Ich wurde nach dem damalig üblichen Konventionellen Insulintherapie (CT) behandelt. Bei dieser Therapieform wird zu festgesetzten Zeiten eine bestimmte Menge Mischinsulin gespritzt. Diese CT gilt bei Typ-1-Diabetikern als obsolet, wird aber immer noch von einigen Ärzten verordnet. Dies bereitete mir große Probleme, weil die Einschränkungen sehr schwer waren. Gerade als junger Mensch, der die Welt entdecken wollte und dies so nicht konnte, weil immer zu bestimmten Zeiten das Essen oder Insulin eingenommen werden musste…
Irgendwann kam dann die Zeit, wo ich es nicht akzeptieren konnte so ein strenges Leben zu führen. Zwar haben meine Eltern versuchet mir im Wechsel für mich und meine Entwicklung wichtig Lebensmittel zu geben, doch ich musste immer meinen Teller aufessen. Mitunter habe ich 1 1/2 Stunden am Mittagstisch verbracht. Das Essen wurde dann auch einer Warmhalteplatte serviert…
Ich konnte einfach nicht akzeptieren so weiter zu Leben. Die Krankheit wurde mir zu Last und die Kinder in meinem Alter konnten machen was sie wollten. Die Lebensqualität nahm ab und ich achtete nicht mehr auf mich und meine Verantwortung die mir durch die Krankheit auferlegt wurde. Ich war jung und wollte leben, da war es egal ob die Schokolade oder das Eis nicht für Diabetiker bestimmt gewesen ist. Der Essensplan wurde nur noch zu Hause eingehalten und wenn ich ein Mal im Monat zur Blutzuckerkontrolle musste, wurden die Werte von mir durch vorheriges Laufen im Wald manipuliert. Der Arzt sagte dann immer "Bernd, mach weiter so es ist alles in Ordnung". Ich habe mich zu dieser Zeit selber belogen und bin ziemlich heftig mit meinem Körper umgegangen…
Dann kam die Zeit wo ich regelmäßig mit dem Notarzt in die Klinik gefahren wurde oder der Notarzt mich zu Hause aus der Unterzuckerung geholt hat. Dieses Gefühl wieder in die reale Welt geholt zu werden ist nicht beschreibbar und ich wünsche jedem Diabetiker diese Erfahrung niemals erleben zu müssen. Es wurde Zeit für eine Kur, die ich dann auch machen wollte um mein Leben wieder in den Griff zu bekommen…
In der Klinik wurde ich dann auf die Funktionelle Insulintherapie (FIT) eingestellt. Diese Therapieform ist eine gute, dem Diabetiker auf größtmögliche Selbstständigkeit stützende Therapie-Variante nach Kinga Howorka (Österreich). Zwar gibt es dort Unterschiede im Vergleich zu in Deutschland angewandten Erkenntnissen (z. B. fehlten im Oktober 2002 noch die tageszeitabhängigen BE-Faktoren), sie ist aber die konsequenteste und einfachste Methode, um Diabetes zumindest tendenziell berechnen zu können, um daraus wirksame Schlüsse für den nächsten Tag ziehen zu können. Dies entspricht der heutzutage angewendeten Intensivierte konventionelle Insulintherapie (ICT) Die intensivierte Insulintherapie (Basis-Bolus-Therapie) wird grundsätzlich bei Typ-1-Diabetikern angewandt. Sie besteht aus einer Zwei-Spritzen-Therapie, d. h. einerseits wird schnell wirksames Insulin zu den Mahlzeiten gespritzt (Bolus); andererseits braucht der Körper, unabhängig von den zugeführten Kohlenhydraten, eine Grundversorgung mit Insulin, die mit Verzögerungsinsulin gewährleistet wird (Basis). Dieses Basis-Bolus-Prinzip adaptiert die Insulinsekretion des gesunden Pankreas. Das Basisinsulin wird je nach Art ein- bis dreimal am Tag gespritzt; das Bolusinsulin zu den Mahlzeiten…
Durch die neuen Erfahrungen in der Klinik habe ich dann auch gemerkt, dass die Krankheit mit mir leben muss und nicht ich mit ihr. Ich bestimme wann ich was esse, was ich esse und wie viel ich essen möchte. Ich habe gelernt, dass ich das alles nur für mich mache und mein Arzt nur Hilfestellung geben kann. Sind die Werte schlecht, so schade ich nur mir. Lebe ich nicht in der Verantwortung für meinen Körper, so geht es mir nur schlecht und nicht dem Arzt oder meiner Familie. Der Gedanke, nur weil man jung ist wird mir schon nichts passieren wurde sehr schnell und ganz weit weg von mir geschoben…
Die Forschung geht immer weiter und wenn ich nun die über 30ig Jahre zurückdenke, so ist sehr viel für uns Diabetiker gemacht worden. Die Blutzuckertestgeräte sind so kein wie ein Handy geworden und die so genannten Insulin-Pen's sind so groß wie ein Kugelschreiber. Ich bin dadurch sehr flexibel und ungebundener geworden Die Lebensqualität hat deutlich zugenommen und ich kann im Grunde ganz normal leben. Der regelmäßige Gang zum Arzt wird aber dennoch gemacht um mit ihm die Werte und weitere Behandlung zu besprechen…
In dem Zusammenhang ist es sehr wichtig einen Facharzt, in so genannten Schwerpunkpraxen aufzusuchen. Er ist geschulter und hat viel mehr Möglichkeiten als der Allgemeinarzt, der Patienten mit Typ-1-Diabetes nur nebenbei mitbehandelt. Auf alle Fälle sind Schulungen sehr wichtig, die sollten regelmäßig besucht werden weil sich in 2 Jahren sehr viel verändert…
Ich habe seit Jahren die Testgeräte einer namhaften Firma, aus Mannheim. Der Kundenservice ist sehr freundlich und in der Regel bekommt man ein Testgerät kostenlos zur Verfügung gestellt und darf es behalten, wenn man sich die Zeit nimmt einen Fragebogen auszufüllen. Die Firmen, die diese Testgeräte herstellen, verdienen im Grunde nichts an den Testgeräten. Der Hauptumsatz wird durch den Verkauf der Teststreifen gemacht…
Auch bei den Insulinen gibt es viele verschiedene Hersteller und man sollte versuchen, sich vorher zu erkundigen welche Insuline für einen persönlich am besten sind. Der Diabetiker sollte aber immer das letzte Wort haben, ein bestimmtes Insulin nutzen zu können. Es gibt aber leider auch Ärzte, die Kopfprämien von den Firmen bekommen, wenn sie nur von denen hergestellte Insuline verschreiben. In den meisten Fällen wird, bei der Ersteinstellung im Krankenhaus, für den Patienten, das richtige Insulin gefunden…
Zum Schluss möchte ich noch sagen, dass man als junger Mensch nicht groß an die Zukunft denkt und sich keinerlei Gedanken um Folgeerkrankungen wie zum Beispiel, die Schädigung der kleinen Blutgefäße (Mikroangiopathie), Periphere Nervenschädigung (Neuritis diabetica, Polyneuropathie), Diabetisches Fußsyndrom, die Schädigung der Netzhaut (Retinopathie), Nierenschädigung (Nephropathie), ein zu hohen Blutdruck (Hypertonie), die Schädigung der großen Blutgefäße (Makroangiopathie) und Mund- und Zahnfleischprobleme macht. Dies muss aber nicht zwangsläufig so sein, wenn man sich an die Spielregeln hält. Jeder Diabetiker ist für sich selber verantwortlich und auch wenn man, wie in meinem Fall, schon über 30ig Jahre diese Stoffwechselkrankheit hat, wurde bei mir noch keine Folgeerkrankung festgestellt…
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29.03.2007 12:52 |
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