venuscassandra

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RE: Besser spät als Nie! Geburtsbericht vom 31.März 2007 |
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... der zweite Teil...
Aber aus Furcht vor noch einer Wehe draußen stieg ich kurzerhand ein und ließ mich in das angenehm warme Wasser gleiten.
Dort kam auch schon die nächste Wehe, die wieder anders war als sie anderen, ich merkte sie bevor sie überhaupt da war ein sehr komisches Gefühl was von ganz tief drinnen wirklich angerollt kam und mir ein bisschen von dem eröffnete, zu was mein Körper alles fähig ist!
Ines sagte direkt bei der ersten Wehe ich solle richtig stark mitpressen, was ich auch tat, allerdings war ich so überrascht darüber, dass nicht nur die Wehe weh tat sondern ich auch noch fühlte wie mein Baby in meinem Körper von mir nach unten gedrückt wurde, so dass ich nicht nur presste sondern auch schrie.
Ich erschrak mich ein wenig vor mir selbst und Ines wies mich sachte darauf hin, dass ich beim nächsten Mal diese Kraft, die ich für den Schrei geopfert hatte noch ins Pressen legen sollte.
Die schwierigste Hürde überhaupt war von der vorantreibenden Presswehe wieder in den Zustand der Ruhe in den Wehenpausen zu gelangen das kostete mich sehr viel Kraft und Überwindung. Ich gab auf der einen Seite Alles um dann stöhnend und jaulend innerhalb kürzester Zeit ganz tiefe Atemzüge machen zu können.
Die Anstrengung war nicht der Schmerz, der war nach der Wehe schlagartig weg, sondern diese ungeheure Kraft, die mein Körper entwickelte und die ich nicht richtig kontrollieren konnte zumindest nicht in diesen beiden extremen Intensivsituationen.
Vorstellen kann man sich das ungefähr wie wenn man einen Marathonlauf hinter sich hat und dann innerhalb von Sekunden in die Vorschlafphase wechseln muss, ich sollte ruhig werden und tief atmen weil mein Baby ja noch mehr arbeiten musste wie ich!
Zum Glück hatte ich relativ lange Pausen zwischen den Wehen.
Ines war ein wenig überrascht das ich, obwohl ca. 4 Minuten Zeit dazwischen lagen,
doch so produktive Wehen hatte!
Normalerweise hätten Frauen wohl nur 1-2 Minuten dazwischen.
Nach jeder Wehe meinte sie dass ich das wirklich prima machen würde und fragte doch ernsthaft Holger ob dies wirklich unser erstes Kind wäre, ich würde super gut mitarbeiten und so was hätte sie meistens nur bei Zweit/oder Mehrgebärenden.
Ich hielt mich bei den ersten Wehen nur halbherzig an dem in der Mitte der Gebärwanne herunterhängendem Seil fest, nach den nächsten Wehen musste ich dort doch wesentlich fester zupacken weil der letzte Rest mein Baby aus mir raus zu bekommen doch sehr anstrengend war, es ging nur Zentimeter für Zentimeter voran und jede Wehe forderte meinen Körper aufs Äußerste heraus!
Ich merkte wie es immer enger wurde und wie sich mein Körper dehnte um meinem Baby Platz zu machen auf dem Weg in diese Welt.
Ich bekam nicht mehr viel mit; war voll mit mir, den Wehen und dem Baby beschäftigt;
nur dass ich anfing mit jeder Presswehe tiefer in die Wanne zurutschen wo Holger mich immer wieder nach der Wehe „rausfischen“ musste.
Ines musste sich immer wieder mit ihrer Zeitangabe korrigieren weil ich presste was das Zeug hielt und das einzige was ich in lichten Moment dachte war:
´Lange mache ich das ganze hier nicht mehr mit´
Außerdem weiß ich, dass ich ab und zu Holger angeschaut habe, der mich meist mit Respekt und Neugierde angesehen hat und mich unterstützt hat, dass ich es bald geschafft habe.
Zwischendurch gab mir Ines Kraft indem sie mich wissen ließ, dass sie unser Baby schon am Kopf streicheln konnte, dies feuerte mich umso mehr an ALLES zu geben!
Richtig witzig (im Nachhinein) war, dass Ines so viel Vertrauen in uns hatte, dass sie uns zeitweise alleine gelassen hat. Immer mit dem Kommentar "Wenn eine Wehe kommt ruft!"
Kaum hatte sie den Kreissaal verlassen merkte ich, dass eine Wehe "anrollte" und sagte dies auch Holger.
Der meinte nur zu mir ich solle so pressen wie ich es schon vorher gemacht habe und schrie im Anschluss sofort nach Ines!
Die kam, untersuchte mich und meinte, dass wir das wirklich so prima machen würden, sie geht dann nochmal in den anderen Kreissaal wir wüssten ja was zu tun sei!
Ich hätte gerne Holgers Gesicht gesehen als ihm bewusst wurde, dass sie ihn nun noch ein paar Mal mit seiner in den Presswehen liegenden Frau alleine lassen würde...
Dann kam auf einmal die Stelle wo Ines mir eindringlich sagte ich solle nun nicht mehr pressen sondern nur sanft schieben, leichter gesagt als getan, hatte ich doch trotzdem die Wehe und das Bedürfnis noch mal Alles zu geben aber es war mir klar wenn ich das machen würde, würde ich wahrscheinlich bis zum Anschlag reißen und das wollte ich ja tunlichst vermeiden!!!
Also nahm ich mich körperlich sehr zurück und schob absolut auf Sparflamme musste aber gleichzeitig meine überflüssige Energie loswerden und schrie diesmal aus vollem Halse.
Nicht weil es mir wehtat, im Gegenteil ich wusste nur nicht wohin mit meiner Kraft, denn in das Schieben durfte ich es nicht packen aber raus musste es trotzdem!!!
In dem Moment habe ich alle Frauen bemitleidet die ihre Geburt noch vor sich hatten und mich wahrscheinlich über Flur und Wiesen haben Schreien hören, ich wäre an deren Stelle wahrscheinlich weggelaufen… J
Aber es war wirklich nicht wegen den Schmerzen ich habe sie mir in dem Moment echt wieder gewünscht weil ich diese Energie nicht dahin packen konnte wo es mich gejuckt hat!!!
Ich merkte, wie ich mich dehnte und Ines meinen Damm unterstützte bevor sie meinte, dass ich nun noch mal mitpressen sollte.
Dann passierte es, ich fühlte wie das Köpfchen unseres Babys geboren wurde, ich sah sie zwischen meinen Beinen und bekam eine Gänsehaut trotz des warmen Wassers.
Als sich die nächste Wehe ankündigte sagte Ines ich solle ein letztes Mal richtig pressen, was ich auch tat und keinen Moment später legte sie mir mein komplettes Baby auf die Brust und ich dachte:
´Das war es, davor haben so viele Frauen Angst und es ist so schön wenn man es aus eigener Kraft schafft sein Baby zur Welt bringen zu können´
Mit einem Blick auf Holger der mich auf Wange, Stirn und Mund küsste betrachtete ich mir dieses kleine Ding welches auf mir lag und nur Momente vorher eins mit mir war.
Ich traute mich zuerst gar nicht dieses kleine Wesen anzufassen welches ich gerade geboren hatte vorsichtig fing ich an sie leicht zu streicheln, dann war der Bann gebrochen und ich genoss es mein Baby bei mir zu haben.
Ines sog ihr das Fruchtwasser ab und legte ein Handtuch auf die Kleine damit sie nicht auskühlte.
Dr. Neuerburg schaffte es natürlich nicht zur Geburt er kam einen Augenblick später herein und meinte nur dass es ja doch schneller gegangen wäre und das wir gewonnen hätten…?!???
Es wurde zwischen zwei Kreissälen gewettet welche Frau zuerst ihr Baby bekäme und ich war 3 Minuten eher Mama geworden als die andere Frau (die ich übrigens aus dem Geburtsvorbereitungskurs kannte und mit der ich dank Christiane auch auf einem Zimmer landete)
Nach einer Weile wurde mir Lea vom Bauch genommen und Ines machte die U1 zu der ich auch Holger schickte der mich mit flehenden Augen anschaute und ich ihm zu verstehen gab, dass er ruhig schauen könnte was mit unserer Tochter gemacht wurde.
Diesen kurzen Moment, den ich dann alleine hatte atmete ich tief durch und realisierte zum ersten Mal, dass ich es nun geschafft hatte, ich hatte eine Tochter geboren.
Ohne irgendein Schmerzmittel (was ich so auch zu keinem Zeitpunkt gebraucht hätte) und in der Geburtsweise wie ich sie mir immer gewünscht hatte nämlich in der Wanne!
Ich war stolz auf mich, auf das was ich geleistet habe und vor allem wie ich es geleistet habe. In dem Moment habe ich mich als was ganz besonderes gefühlt, dass ich diesem kleinen Wesen das Leben schenken konnte, habe den Sinn des Lebens entdeckt der mit meinem Mann zusammen das Wichtigste ist, was ich besitze!!! Ich begann Mutter zu werden…
Eigentlich wollte ich die Nachgeburt auch im Wasser bekommen, als sich allerdings nach 15 Minuten immer noch nichts tat sollte ich auf Anweisung Dr. Neuerburgs aus der Wanne steigen was sich als etwas schwierig erwies weil ich doch etwas wackliger auf den Beinen war wie ich gedacht hatte!!
Ines legte mir den Weg mit Handtüchern aus damit ich nicht ausrutsche und ich legte mich auf das Kreisbett.
Ines und Dr. Neuerburg versuchten ALLES um meine Nachgeburt auf natürlichem Wege rauszubekommen mir wurden zwei verschiedene Medikamente gespritzt, ein Zugang wurde gelegt um mir noch mal Wehen zu bescheren, aber alles vergebens…
Nach 20 Minuten wurde der Doc ein bisschen unruhig und telefonierte hektisch mit dem Anästhesieteam, die flugs in den Kreissaal kommen sollten ich müsste in Kurznarkose gelegt werden! L
Wenn ich ehrlich sein soll hat mich das Ganze nicht so wirklich interessiert, ich hatte gerade ein Kind bekommen und wenn sie mir gesagt hätten ich solle den Mount Everest besteigen hätte ich wahrscheinlich gefragt wo die Kletterausrüstung liegt…
Außerdem wurde ich schon zweimal operiert und fand beide Male nicht so schlimm!
Was mich allerdings beunruhigte war der folgende Satz Dr. Neuerburgs:
“Es besteht die Möglichkeit, dass wenn die Nachgeburt zu fest sitzt, ich Ihnen die komplette Gebärmutter entfernen muss!“
Rums, dass saß! Ich musste etwas unterschreiben und Holger bekam klein Lea auf den Arm und musste raus gehen.
Die Anästhesistin kam mit der Kurznarkose in der Spritze auf mich zu und meinte, dass sie mir schöne Träume wünscht, und dann wurde es schon Nacht.
Als ich wieder wach wurde war ich wie auf Drogen, mal ging ein Auge auf, dann fiel es wieder zu…
Ich fragte ein paar Mal wie lange es gedauert hat und erkannte, dass Holger mir antwortete, ein schönes Gefühl zu wissen, dass mein Mann bei mir war… Mann, Kind, KIND??!!
Da war doch noch was wie geht es meiner Kleinen?
Wieder Holgers Stimme die mir sagte, dass es ihr gut gehe…
Augen wieder zu, Mund so trocken und Hunger hatte ich, sagte dies auch Holger und fragte ob ich wohl gleich eine Pizza essen könnte…
Hihihi war wirklich noch nicht ganz auf der Höhe!
Holger befahl mir langsam wach zu werden weil ich mich darüber lustig gemacht habe, dass ich alles doppelt sähe! War aber auch witzig, wie wenn man übertrieben schielt nur noch extremer!!!
Dann fing die Kleine an zu weinen und Holger lief wippend mit ihr im Raum hin und her, bis das er auf die Idee kam sie könnte ja auch Hunger haben, also ging er ins „Krabbelzimmer“ um Lea Essen zu organisieren.
Ines war in der Zwischenzeit auch noch da und fragte wie es mir ginge, mittlerweile war ich auch fast komplett wach, nach einer Narkose ist man ja meistens noch eine Weile beduselt aber der Kopf war wieder relativ klar!
Ich wurde ins Zimmer geschoben wo meine Kreissaalnachbarin schon auf mich wartete…
Kurze Zeit später kam Holger mit einer satten und angezogenen Lea wieder und ich konnte sie endlich in meine Arme schließen, an ihr riechen und mich nicht an ihr satt sehen!!
Meine Tochter, mein Leben, unsere wahr gewordene Liebe die so vollkommen ist, dass ich jedes Mal wenn ich sie länger ansehe in Tränen ausbrechen könnte!
Sie schlief die kompletten Nächte mit in meinem Bett bis wir am Dienstag dem 03. April entlassen wurden!
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Meine Alben
http://www.repage8.de/member/sandraundholger/index.htm
http://www.repage8.de/member/leacassandra/index.htm
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Privatverk.-keine Garantie, Rücknahme oder Gewährleistung.
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