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In Richtung Montessori-Kindergarten
Nein, ernsthaft...
Was führen denn die diversen "Experten" als Begründung auf für ihre Einschätzungen?
Etwas haben all diese Diagnosen erstmal gemeinsam: Sie picken sich bestimmte Merkmale raus und interpretieren sie in eine Richtung. Deine Tochter wird in eine Schublade gesteckt.
Gehen wir mal davon aus, sie ist zumindest teilweise hochbegabt (das letztlich zu "bestimmen" ist noch zu früh, da es Teste für so kleine Kinder kaum zuverlässige gibt - der Rat lautet, den IQ nicht vor dem 6. Lebensjahr testen zu lassen). Dann würde ihr Gehirn auf vielen Gebieten etwas anders funktionieren als das anderer Kinder ihren Alters. Daraus können sich einige Verhaltensauffälligkeiten ergeben, die etwas damit zu tun haben, dass die Kleine einfach ihren Platz in der Gemeinschaft nicht so leicht findet - dass sie das MERKT und dagegen rebelliert durch augenscheinlich asoziales Verhalten auf der einen und Rückzug auf der anderen Seite.
Diesen Rückzug kann man dann - wieder gekoppelt mit so Beschäftigungen, die Hochbegabten nunmal einfallen: alles perfekt ordnen, Puzzle puzzeln, die für viel Ältere gedacht sind - als authistisch einschätzen. Denn es WIRKT durchaus authistisch, wenn sich Kinder in ihre eigene Welt zurückziehen - sie können dabei sehr extrem sein!
Verstehst Du?
Genauso könntest Du jetzt hingehen und die anderen "Störungen" als Grundlage für ihr Verhalten annehmen - oder es sein lassen und Dich um das kümmern, was wichtig ist: Darum, dass Dein Kind glücklich aufwächst, dass es seine Potentiale nutzt und sich auf Euch Eltern verlassen kann.
Also gilt es für Euch, darauf zu schauen, was schief läuft oder zu laufen scheint.
Ganz oben, so lese ich es heraus, steht da scheinbar der Umgang mit anderen Kindern. Da stelle ich erstmal noch weitere Fragen:
1. Ist sie in ihrem Kindergarten nur unter Gleichaltrigen oder sind die Gruppen altersgemischt? Wenn ersteres der Fall wäre, wäre ihr Verhalten absolut erklärbar: Sie kann mit den Gleichaltrigen schlicht nichts anfangen, sie nerven sie nur. Und mit 3 Jahren hat sie es sicherlich noch nicht drauf, da über ihren Schatten zu springen und beispielsweise die Rolle einer kleinen Mentorin zu übernehmen. Wenn geistig und sprachlich weit entwickelte Kinder die Wahl haben, dann suchen sie sich ältere Kinder zum Spielen aus! Oder sie haben das Glück, auf Kinder mit gleichen Ausprägungen zu treffen. Kinder orientieren sich tendenziell immer nach oben - sie wollen und müssen nämlich wachsen, und das wissen sie ganz genau.
2. Wie verhält sie sich Erwachsenen gegenüber, auch speziell den Erzieherinnen? Werden die von ihr als Spielgefährten akzeptiert?
Du sagst überdies, sie spielt mit ihrem Bruder. Dass es da mal oder auch oft Reibereien und Eifersucht gibt, finde ich bis zu einem gewissen Grad vernachlässigbar - das ist normal und würde Dir vielleicht gar nicht so auffallen, wenn sie ansonsten Kinderkontakte hätte.
Ich persönlich finde, es ist noch zu früh, sich Sorgen zu machen über ihr Sozialverhalten. Gerade wenn sie im Geist sehr rege und aktiv ist, hat die soziale Entwicklung vielleicht etwas gelitten. Du findest nicht selten für eine besonders ausgeprägte Eigenschaft einen anderen Bereich, der weniger stark ist. Im Laufe der Zeit kann sich das alles relativieren - und vieles wird sich auch einfach einspielen. Mit 3 Jahren fangen die Kinder doch grade erst an, sich wirklich im sozialen Raum zu bewegen und auch bewusst zu lernen, wie man so miteinander umgeht. Freundschaften schließen - das fängt jetzt erst an! Und manche Kinder sind da schneller, andere langsamer (bzw. finden auch einfach nicht den Richtigen - man ist doch nicht gleich freund miteinander, nur weil man im selben Sandkasten sitzt...).
Ihre Ausdauer halte ich übrigens auch nicht für besorgniserregend - freu Dich drüber! Und biete ihr weiter die Möglichkeit, sich so schön auszutoben! Du bringst hier gerade ein schönes Beispiel dafür, warum es manch ein Kind geben mag, das tagsüber kaum aus seiner Wohnung rauskommt und wo sich dann alle wundern, dass es irgendwie so zappelig und unausgeglichen wird. Ich habe mal eine Statistik gesehen, die besagte, dass ein durchschnittliches Kleinkind sich am Tag 12 Kilometer weit fortbewegt. Zwölf!
Gebt ihr Zeit und nehmt sie so an, wie sie ist! Damit helft Ihr ihr am meisten! Und sagt ihr, dass sie keine anderen Kinder kratzen darf.
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