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Ich kann den Fall natürlich gar nicht beurteilen, man kennt diese Leute ja nicht.
Ich könnte mir aus dem, was Du beschreibst, höchstens vorstellen, dass sich das Problem hier tatsächlich rund ums Über-Behüten dreht.
Vielleicht fehlen hier einfach nur Eltern, die in dieser Situation ganz klar sagen "So, mein lieber Junge. Wir haben uns das jetzt eine Weile angeschaut. Und wir haben folgende Entscheidung getroffen" ...
Möglicherweise braucht der Junge in seiner Situation einen starken Partner (seine Eltern), die ihm ganz klare Richtlinien vorgeben und ihm somit einen Weg aus seinem Dilemma zeigen - das ihn ja sicherlich auch nicht gerade glücklich macht.
Also: nicht (mehr) "erpressen" lassen. Die Selbstverletzung ist schlimm, aber sicherlich nicht Kern des Problems. Das liegt vermutlich woanders.
Sondern: Klartext sprechen. Nicht mehr rumwurschteln a la "Also, wenn Du willst, mein Schatz, dann kannst du ruhig auf eine andere Schule gehen, wir wären dir da nicht böse"
sondern: "Hör mal zu. Ohne Lernen funktioniert Schule nicht. Also lernst du!"
Das, was der Junge momentan vermittelt bekommt ist (so hört es sich an): Du bist ein Weichling und ein Versager - aber wir lieben dich trotzdem. Das ist ja schön, der zweite Teil - aber der erste, der muss ganz dringend verschwinden!
Vielleicht war das für die Eltern sehr schlimm, als ihr SOHN als Kleinkind anfing zu kotzen statt zu toben. Weichlich halt, schwach. Die Rettung war der Kinderarzt: Der macht das absichtlich!
Möglicherweise ist damals die Weiche gestellt worden für das Problem, das der Junge heute hat: Er ist sensibel, er reagiert sehr feinfühlig auf Streit (Das ist erstmal NICHTS Ungewöhnliches! Es gibt Kinder mit einer ausgeprägten sozialen Sensibilität, die regt Streit ganz furchtbar auf! Das KANN soweit gehen, dass sie diese Streitereien körperlich mitleiden, auch wenn es gar nicht um sie geht.). Die Entleerung des Magens - überhaupt Magenleiden - sind ein deutlicher Zeiger für psychische Probleme, für Sorgen, die sich eine Seele macht, für Nöte, die sie empfindet.
Nunja - Kotzen "durfte" er ja nicht mehr. Das hat er sich nach dem Gespräch mit dem Kinderarzt selber verboten. Er wollte ja nicht als jemand gelten, der seine Umwelt absichtlich ärgert oder was auch immer - er will doch ein gutes Kind sein!
Die Eltern: möglicherweise gefangen in einer Ambivalenz. Sie lieben ihren Sohn, fühlen sich aber gleichzeitig abgestoßen durch seine Sensibilität. Das versuchen sie dadurch zu kompensieren, dass sie ihn behüten, ihm alle Steine aus dem Weg räumen: Wir lieben ihn doch und er kann sich doch selber nicht so gut helfen.
Ein Teufelskreis.
Ganz deutlich scheint mir aber auch zu sein, dass hier jemand um Hilfe ruft! Und dass es in erster Linie die Eltern sind, die jetzt stark sein müssen! Die vielleicht auch mal eine Entscheidung abnehmen, und wenn der Sohn sie auch zunächst vielleicht nur murrend akzeptieren wird. Es kann einfach sein, dass er das jetzt BRAUCHT!
Und eine psychologische Beratung ist sicherlich auch gut - aber bitte eine, die sich auch ganz genau das Eltern/Kind-Verhältnis anguckt und nicht nur am Jungen rumdoktert.
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