kikra

Giga-User
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Hallo Kati,
ich denke, sie wollte dich einfach provozieren, hatte vielleicht einen schlechten Tag oder ist sie gar immer so? Arbeitest du denn überhaupt für sie, dass sie sich ein Urteil über deine Leistung erlaubt? Wie kommt es denn, dass sie dich beurteilt und nicht deine direkte Vorgesetzte?
Wie auch immer: Wichtig ist in solchen Situationen, sich nicht aus der Reserve locken zu lassen. Oft eskalieren diese Gespräche und der Mitarbeiter fängt sogar an zu heulen. Für Verhaltensratschläge ist es an dieser Stelle aber bereits zu spät; ich habe den Eindruck, du hast dich ganz schön in die Erklärungs- und Rechtfertigungsecke von ihr drängen lassen.
Dass du dich jetzt ärgerst, ist absolut normal. Wahrscheinlich hat sie genau das erhofft.
Ärgerlich ist, dass die Vorgesetzten einem in puncto Gesprächsführung so einiges voraus haben. Sie haben Kurse zu Mitarbeiterführung belegt, meist noch welche zu Rhetorik und wissen genau, wie sie den Mitarbeiter in die von ihnen gewünschte Richtung manipulieren können.
Unfair ist das, was sie hier gemacht hat, vor allem aber unprofessionell: Sie hat ihren Job sehr schlecht gemacht, denn du bist mit einem miesen Gefühl aus dem Gespräch rausgekommen. Erreichen müssen hätte sie aber etwas anderes, wie auch immer sie deine Arbeitsleistung bewertet. In der Fachsprache nennt man das Win-Win-Situation - beide Gesprächspartner hätten das Gefühl bekommen müssen, dass sie okay sind, auch wenn vielleicht nicht alles optimal ist. Nur so bewirkt man konstruktiv eine Verhaltensänderung.
So aber hat sie dich nur klein gemacht und für sich selber gar nichts gewonnen - am allerwenigstens eine motivierte Mitarbeiterin.
Den Betriebsrat würde ich übrigens nur einschalten, wenn die Situation eskaliert. An deiner Stelle würde ich erst einmal die schriftliche Dokumentation des Gespräches abwarten. Bei uns ist es üblich, dass der Beurteilte sie dann auch unterschreibt. Sollte sie in deinen Augen ungerechte Bewertungen enthalten, unterschreib einfach nicht. Bitte sie um Belege. Du bist nicht dazu da, ihr zu beweisen, dass du fehlerfreier arbeitest als sie meint. Sie soll dir dokumentieren, wo du Fehler gemacht hast.
Hab das Rückgrat, ihr zu sagen, dass du zwar eine Nacht brauchtest, um über die Ergebnisse des Gesprächs zu schlafen, du aber - wie auch schon am Tag des Gesprächs - der Meinung seist, dass du deine Arbeit gut verrichtest.
Außerdem - und das kannst du wirklich höflich vermitteln - würde ich sie bei dieser Gelegenheit bitten, dein Privatleben aus diesen Gesprächen herauszuhalten. Wenn du mit dir im Reinen bist, dass du nicht mehr Fehler machst, als für einen Menschen üblich, hast du hierzu alles Recht dieser Welt. Du musst dich vor niemandem rechtfertigen, dass du alleinerziehend bist oder viele Kinder hast. Was geht die Dame an, wie dein Tag aussieht, wann du ins Bett fällst und erst recht, durch wen und wo du deine Kids betreuen lässt..
Im Gespräch selber hätte ich - als es um deine intellektuellen Fähigkeiten ging - ihr die rote Karte gezeigt und sie gebeten, sachlich zu bleiben. Professionell hättest du ihr den Ball wieder zurückgespielt und ihr zudem den Wind aus den Segeln genommen. In diesem Moment hättest du ihr signalisiert, dass sie ein ebenbürtiges Gegenüber hat. M. E. hast du dich unnötig klein gemacht.
Im Gespräch ist sie in einigen Punkten eindeutig zu weit gegangen - sie konnte es aber nur, weil du es zugelassen hast.
Was den Betriebsrat angeht, frage ich mich, welche Erwartung du an diese Kollegen zum jetzigen Zeitpunkt hast...
Viele Grüße
Kirstin
__________________ *seit 03.08.2004 mit Jill Viktoria *
Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert, zum letzten Mal von kikra: 08.05.2008 20:56.
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