Ratgeber Eltern und Familie Bücher zu diesem Thema kaufen

Ratgeber Scheidung - Recht + Kosten -

Wichtige Informationen zum Thema ' Cochemer Modell '



Cochemer Modell im Ratgeber Scheidung - Recht + Kosten:

Wenn sich ein Paar zu einer Trennung entschließt, ergeben sich für jeden Teil ganz neue Fragen an die eigene Lebensplanung, die Sie hier im Forum Scheidung und Trennung zur Diskussion stellen können. Bitte beachten Sie auch das Forum Sorgerecht + Unterhalt. Die in diesem Forum veröffentlichten Beiträge stellen keine kostenfreie Rechtsberatung dar, geben lediglich die Meinung der Mitglieder wieder und können eine Beratung bei einem Anwalt oder einem Notar nicht ersetzen. Individuelle, personalisierte und konkrete Rechts- und Steuerberatung, sowie eine Aufforderung dazu sind in diesem Forum verboten. Stichworte: Scheidung Unterhalt, Scheidung Beratung, Familienrecht, Scheidungsrecht, Kosten.





Sie sind hier: Ratgeber für Eltern - Forum Schwangerschaft, Babys und Kinder (Startseite) » Familie + Finanzen » Scheidung - Recht + Kosten » Cochemer Modell


» Hallo Gast [Anmelden|Registrieren]

Letzter Beitrag | Erster ungelesener Beitrag Schrift + | Schrift -
Startseite | Suche | Rezepte für Kinder | Ratgeber Diät + Abnehmen | Blog | Lexikon | Reproduktionsmedizin | Kinderwunschzentren | Ihre Seite eintragen
Forenbereiche: Schwangerschaft | Baby + Kleinkind | Kids + Teens | Familie + Beruf | Single + Partnerschaft | Besondere Themen | Freizeit + Hobby
Ratgeber und Info: Schwangerschaft, Geburt und Baby | Kinder + Erziehung | ADS + Hyperaktivität | Gesundheit + Schönheit | Familie | Freizeit + Geld
Herzlich willkommen im Forum für Eltern! Bitte klicken Sie hier, um sich kostenlos zu registrieren und alle Vorteile dieses Forums nutzen zu können!
Eröffnen Sie ein neues Thema zu Ihrer Frage und sehen Sie innerhalb von Minuten die Antworten anderer Mitglieder.

ADS und Hyperaktivität
   Kinder
Familie
      Familie
Gesundheit und Schönheit
   Gesundheit

Registrierung Fachinformationen Schwangerschaft Partner des Forum Schwangerschaft Kinderrezepte - Rezepte für Kinder im Forum Schwangerschaft Lexikon Schwangerschaft und Baby Teammitglieder Suche Häufig gestellte Fragen elternforen.com-Chat im Forum Schwangerschaft Blog im Forum Schwangerschaft, Babys und Kinder Folge elternforen.com

Antwort erstellen Dieses Thema empfehlen
Seiten (3): « vorherige 1 2 [3]

Der erste Beitrag des Themas Cochemer Modell von mafa lautete:

Zunehmend wir über das Cochemer Modell diskutiert und hoffentlich oft kopiert und eingesetzt. Zu Wohl des Kindes - bei einer Scheidung sind die Anwälte für die Auseinandersetzung der Eltern zuständig und der Richter nur für das Wohl des Kindes:

Auszug aus : Familienrechts-Forum des ISUV e.V.


Die Tätigkeit des Arbeitskreises „Trennung und Scheidung“ in Cochem (Rheinland-Pfalz) eine Vernetzung aller mit diesem Thema befassten Institutionen, wie Jugendamt, Rechtsanwälte, forensische Sachverständige, Beratungsstellen und Gericht im Kreis Cochem führte dazu, dass sich bis 1996 die Zahl der Sorgerechtsentscheidungen, die auch nach der Trennung und Scheidung der Eltern das gemeinsame Sorgerecht beinhalteten, auf 60 % aller Sorgerechtsentscheidungen anwuchs. Seit 1998 bewegt sich diese Zahl bei 100%!

Vorteile: keine Beauftragung von forensischen Sachverständigen, sondern Gutachten sind verfahrensbegleitende Maßnahme (Mediation) und nicht Vorgabe für richterliche Entscheidungen. Kostenersparnisse!

keine Inanspruchnahme mehr von weiteren gerichtlichen Instanzen – weniger Arbeit für Oberlandesgerichte, Kostenersparnis für Eltern.

Vereinbarung Richter und Anwalt: Kurzfristige Verfahrenstermine innerhalb von 14 Tagen!!!!

Rechtsanwälte haben sich verpflichtet, keine streitfördernde Strategie zu fahren. Mehrheit der RA des Kreises schloß sich nach heftigen innerrechts-anwaltlichen Diskussionen den Vorgaben an, die anderen zogen später nach, da sie die Vorteile sahen: Keine ellenlange Schriftsätze mit Beschuldigungen, Beschimpfungen und Verunglimpfungen seitens der Rechtsanwälte – nur ein einziger Antrag! Dies rechnet sich auch für Rechtsanwälte, die weniger Arbeit und zufriedene Mandanten haben, die sie weiter empfehlen. Keine Stellung-nahmen des JA, dafür aber kurzfristiger Haustermin bei den Betroffenen und Anwesenheit bei der Verhandlung. Richter macht Kindes-anhörung mit Jugendamt im kindlichen Umfeld – nämlich zu Hause.
Anwälte vertreten die Rechte der Eltern, der Richter die des Kindes.
Keine Verfahrenspfleger oder Betreutes Besuchsrecht mehr notwendig!!!
Auch Trennungen von den Großeltern werden vermieden. Ziel: Die Eltern müssen auf der Elternebene ins Gespräch kommen, Konsens ist oberste Pflicht - Eltern müssen dem Richter eine Vereinbarung vorlegen.

In hochstrittigen Fällen, in denen es keine Einigung in der Verhandlung gibt, unterbricht Richter die Verhandlung und sofortiger Beginn der Beratung in der Beratungsstelle. Das Damoklesschwert des Verfahrens schwebt. O-Ton: „Die professionellen Kräfte der Beratungsstellen nehmen SOFORT die Eltern „wie die kleinen Kinder an die Hand“ und begeben sich zur Beratung. Umgehend.

Die Eltern bekommen somit kostenlos eine hoch qualifizierte professionelle Beratung, bis Einigkeit erzielt ist, die die Anwälte dann dem Gericht signalisieren
Die Beratung ist selbstständig und unterliegt nicht der richterlichen Kontrolle
Von 1998 bis 2002 wurde in 96% aller Fälle aus der unfreiwilligen Kooperation eine freiwillige (konsensuale Regelungen). D.h. Verordnete „Therapie“ unter anderem Namen. (tausendfach von Psychologen bestritten - eine verordnete Mediation oder Therapie wäre aussichtslos. Die Ergebnisse von Cochem sprechen GEGEN diese Theorie!!!)

Richter Rudolph O-Ton, was er Eltern schon gesagt hat: „Konsens ist Pflicht! Ihr legt mir euer Kind auf den Richtertisch. Schämt ihr euch nicht?“

Arbeitsweise in Cochem:
Ziel ist, die Eltern zu befähigen, die elterliche Sorge gemeinsam auszuüben. Sie bieten nur Hilfe dafür, dass die Eltern ihr Problem selbst lösen (lernen), es wird für sie nicht gelöst.

Die Anwälte schicken die Eltern zur Beratung und machen ihnen klar, dass dies unumgänglich ist. Das JA hat sich verändert. Es will helfen. Es arbeitet jetzt so, dass die Beratung ankommt. Die kommt jetzt an und wird dadurch efriedigend und effektiv.

Öffentlichkeitsarbeit des Arbeitskreises „Trennung und Scheidung“ - Die gesamte Bevölkerung weiß, dass alle Anwälte eingebunden sind. Es gibt nur noch das Gemeinsame Sorgerecht.

..weitersagen...


Zum Ende der Seite Cochemer Modell
Autor
Beitrag « Vorheriges Thema | Nächstes Thema »
vernetz
unregistriert

Re: Cochemer Modell von vernetz (12.02.2004 22:30)

Diesen Beitrag empfehlen       Zum Anfang der Seite


Hi Mafa,

wäre wirklich toll wenn sich dieses Modell auch in anderen Regionen Deutschlands verbreiten würden.

gruss
vernetzen
12.02.2004 22:30

Nicht das Thema, das Sie suchen? Ähnliche Themen: Datum letzter Beitrag Antworten Hits
Neues Modellabel für Kinder Outdoorkleidung (Forum: Babyartikel, Babykleidung und Babyausstattung)   11.06.2010 12:31 von tobi40     02.02.2011 10:45 von theohappymami   6 2.172
Eilt! Modellklasse für besonders begabte Schüler (Forum: Schule + Grundschule)   10.02.2009 16:00 von sonne157     08.01.2010 18:07 von hitnak   4 3.006
News Einheitliche Behördenrufnummer in Modellregionen gestartet (Forum: AKTUELLES: Stories, News, Gesellschaft)   24.03.2009 14:06 von Ilona     24.03.2009 14:40 von Ilona   2 1.009
Brauche Rat Wechselmodell - einer spielt falsch (Forum: Sorgerecht + Unterhalt für Kinder bei Scheidung)   28.10.2008 12:32 von madpaul     30.10.2008 18:01 von Hextina   7 2.737
Cochemer Modell wird Gesetz ?! (Forum: Sorgerecht + Unterhalt für Kinder bei Scheidung)   15.02.2006 15:41 von Mafa     26.02.2006 12:57 von Mafa   3 4.882
1 Dateianhänge enthalten Ranzen welches Modell ist gut und welches nicht zu empfehlen (Forum: Schule + Grundschule)   05.10.2004 15:36 von Judy     14.10.2004 22:20 von LeeAnn   17 4.841
Welche Schulmodelle habt ihr? (Forum: Schule + Grundschule)   04.10.2003 18:05 von Kathy     06.10.2003 09:41 von maro   6 2.716
baby modell (Forum: Small Talk)   12.08.2003 14:35 von steffi28     12.08.2003 16:22 von steffi28   2 787

mafa
unregistriert

Cochemer Model Rolle des Sachverständigen von mafa (13.02.2004 16:41)

Diesen Beitrag empfehlen       Zum Anfang der Seite


Prof. Dr. Traudl Füchsle-Voigt Die Rolle der Sachverständigen

Änderung der Aufgaben eines Sachverständigen


Auch für die Profession der psychologischen Sachverständigen im Familienkonflikt, die ich in dem Arbeitskreis "Trennung und Scheidung" in Cochem vertrete, sehe ich das vordringliche Ziel der Sachverständigentätigkeit in Zukunft nicht mehr darin, wie das bisher üblich war und vielerorts auch nach wie vor üblich ist, Entscheidungsvorlagen für das Gericht mit entsprechenden Urteilen über die Erziehungsfähigkeit bzw. Unfähigkeit der Kindeseltern abzugeben.

Diese rein diagnostische Aufgabe entspricht zwar dem klassischen Selbstverständnis des Gutachters und wird auch nach wie vor von vielen Sachverständigen auf Wunsch der Familienrichter in dieser Weise gehandhabt.

Für die Betroffenen selbst, d.h. für die Kinder und die Eltern, erweist sich diese Vorgehensweise in der Regel nicht nur wenig hilfreich, sondern sie erzeugt vielmehr Ängste davor, welche Defizite man wohl durch den Gutachter bescheinigt bekommt. Zusätzlich führt dies dazu, dass sich die Kindeseltern während des Begutachtungsprozesses intensiv darum bemühen, ihre Probleme und Schwächen zu verdecken, um einen möglichst positiven Eindruck zu vermitteln und letztlich bei der Gerichtsverhandlung als Sieger hervorzugehen.

In welcher Weise soll dies dem Kind helfen oder Kinder- und Elternrechte stärken??? Die Antwort kann hier nur ganz klar lauten: In keiner Weise.

Sachverständige sollten mit ihrer fachlichen Kompetenz konfliktschlichtend wirken können

Psychologische Sachverständige sollten vielmehr ihr Fachwissen unterstützend und konfliktschlichtend einsetzen, um auf diese Weise mit den Betroffenen eine Vertrauensbasis für gemeinsam zu erarbeitende Lösungen in Trennungs- und Scheidungssituationen zu erreichen. Nur hierdurch können für Kinder eine konstruktive Verarbeitung und Bewältigung des Trennungs- und Scheidungsgeschehens angestrebt und Schädigungen in der kindlichen Entwicklung abgewendet werden.

Ich folge nun schon länger als ein Jahrzehnt dieser Vorgehensweise bei meiner Sachverständigentätigkeit in dem Wissen, dass sie durch den Arbeitskreis "Trennung und Scheidung" in Cochem und die darin vernetzten Professionen (Gericht, Jugendamt, Rechtsanwälte, Beratungsstelle) mit getragen wird:

Das bedeutet vor allem, dass das Familiengericht als Auftraggeber für den Sachverständigen Raum für Konfliktschlichtung bereitstellt und nicht auf der klassischen diagnostischen Tätigkeit mit dem Resultat eines entsprechend ausführlichen schriftlichen Gutachtens beharrt. Dies bedeutet allerdings nicht, dass auch in angezeigten Einzelfällen eine solche Begutachtung notwendig werden kann und erfolgen muss.

Erfolge gerade auch bei hochstrittigen Fällen

In der Regel jedoch - und dies kann ich aus nunmehr langjähriger Erfahrung belegen - zeigt diese Bemühung um Vertrauen und Streitschlichtung auch bei oft anfänglich scheinbar "aussichtslosen" und in hohem Maße zerstrittenen Fällen, die schon die Beratungskompetenzen der anderen Professionen "verschlissen" haben, oft erstaunliche und überraschende Erfolge. Die fachliche Autorität des psychologischen Sachverständigen sowie die Erfahrung und Einsicht hoch zerstrittener Elternpaare, auch noch in der Sachverständigeninstanz bestätigt zu bekommen, dass das Gewinner-Verlierer-Spiel nicht zum "erhofften Sieg" führt, sind sicherlich wichtige Faktoren, mit der ein Sachverständiger zur Konfliktschlichtung beitragen kann

Gerade die Tatsache, dass sich alle zusammenarbeitenden Professionen dem Ziel "Konfliktschlichtung" verschrieben haben, stellt die Voraussetzung für eine vertrauensvolle Kooperation dar und schafft letztlich die Basis für die seit zehn Jahren erfolgreichen Praxis.

Konfliktschlichtung in Ausbildung zukünftiger Sozialarbeiter integrieren

Das Gedankengut und die Handlungsweise der berufsübergreifenden Vernetzung, die hier praktiziert wird sowie die inzwischen vorliegenden Ergebnisse werden von mir - und dies ist eine weitere Säule meiner Tätigkeit - an der Fachhochschule Koblenz in die Ausbildung künftiger Sozialarbeiter und Sozialarbeiterinnen integriert.

Viele dieser Studenten und Studentinnen werden später selbst Beratungsfunktionen für Trennungs- und Scheidungsbetroffene im Jugendamt oder in Beratungsstellen ausüben. Somit wird eine Multiplikatorenwirkung erreicht, die den Leitgedanken dieses Arbeitskreises weitertragen wird.

Gleichzeitig wird dadurch auch das Interesse der Studierenden geweckt, sich intensiver mit solchen Fragestellungen zu beschäftigen und innovative Ideen zu entwickeln: Hier möchte ich u.a. auf eine Diplomarbeit verweisen, in der Möglichkeiten der Aufklärung von Kindern und Jugendlichen im Trennungs- und Scheidungsgeschehen wissenschaftlich fundiert entwickelt und in ein entsprechendes Medium umgesetzt wurden. Diese Arbeit und eine entsprechende Veröffentlichung in einer Fachzeitschrift flossen schließlich in Gestaltung und Inhalt der inzwischen vorliegenden, vom zuständigen rheinland-pfälzischen Ministerium für Arbeit, Soziales, Familie und Gesundheit finanzierten Info-Broschüre für Kinder mit ein, die z.B. präventiv im Schulunterricht eingesetzt werden kann.

Auch diese letztgenannten Bausteine der Ausbildungs- und Öffentlichkeitsarbeit sowie präventiver Maßnahmen ergänzen das Mosaik der fachübergreifenden Kooperation im Trennungs- und Scheidungskonflikt mit dem Ziel, eine breit angelegte Bewusstseinsänderung entsprechend des im Kindschaftsrecht verankerten mediativen Grundgedankens herbeizuführen.

Traudl Füchsle-Voigt
13.02.2004 16:41
mafa
unregistriert

Rolle des Anwalts beim Cochemer Modell von mafa (15.02.2004 19:38)

Diesen Beitrag empfehlen       Zum Anfang der Seite

Bücher zu diesem Thema

Die Rolle der Rechtsanwälte / Bernhard Theisen, Rechtsanwalt, Cochem

Vorurteile gegen Rechtsanwälte in Trennungs- und Scheidungsverfahren

Wo immer über die Rolle der am Trennungs- und Scheidungsprozess beteiligten Professionen gesprochen wird, gibt es Einigkeit nur in der Beurteilung der Anwälte: Sie sind die "Scharfmacher" und "Kriegstreiber", die in erster Linie daran interessiert sind, sich zu profilieren, möglichst viel Honorar zu vereinnahmen und die Parteien aus diesem Grunde in möglichst viele und langwierige Prozesse zu treiben. Vorurteile dieser Art wurden auch von den Vertretern der Übrigen am Scheidungsprozess beteiligten Professionen gepflegt, insbesondere den Mitarbeitern der Sozialämter und der Beratungsstellen. Und in der Tat ist nicht zu bestreiten, dass auch und gerade in Familiensachen durch beteiligte Anwälte häufig unnötige Schärfen in das Verfahren getragen werden, ohne dass für Außenstehende Grund und Anlass hierfür erkennbar ist.

Die Ursache für konfliktintensives Verhalten von Rechtsanwälten liegt vielmehr einerseits in der Struktur des Rechtsstreites, andererseits in der außergewöhnlichen Erwartungshaltung der Mandanten:

Das Strukturproblem besteht darin, dass es sich beim Scheidungs- und Kindschaftsprozess um einen Zivilprozess handelt, der - auch soweit es Verfahren der freiwilligen Gerichtsbarkeit betrifft - grundsätzlich nach zivilprozessualen Regeln abläuft. Diese sind vor allem dadurch gekennzeichnet, dass eine Entscheidung grundsätzlich nur darauf gegründet werden kann, was eine Partei im Prozess schriftsätzlich vorgetragen hat. Der seiner Partei verpflichtete Rechtsanwalt ist daher zur Vermeidung von Rechtsnachteilen für seinen Mandanten gezwungen, auf jeden für die Entscheidung möglicherweise relevanten Gesichtspunkt einzugehen und/oder Aspekte vorzutragen, die für die Entscheidung von Bedeutung sein könnten. Verletzt der Anwalt diese Pflicht und erleidet sein Mandant Rechtsnachteile daraus. haftet der Rechtsanwalt seinem Mandanten auf Ersatz des dadurch verursachten Schadens. Schon diese Situation führt häufig zur Ausuferung des Sachvortrages, der ursprünglich nicht beabsichtigt war und wird von der Gegenseite als gezielte und bewusste Kränkung aufgefasst, die nunmehr mit der Erwiderung in gleicher Art zurückgezahlt wird. Auch andere verfahrens-rechtlich zulässige und aus anwaltlicher Sorgfalt gebotene Prozessverhaltens-weisen - wie etwa das Bestreiten mit Nichtwissen - werden häufig als unlautere und schikanöse Verhaltensweisen missverstanden und vertiefen den Streit der am Prozess beteiligten Partner, obwohl dies von den beteiligten Anwälten weder beabsichtigt war, noch zur Vermeidung eigener Regressansprüche vermeidbar gewesen ist.

Rechtsanwälte haben selbstverständlich ein hohes Interesse daran, ihre Mandanten durch ein im Sinne ihrer Auftraggeber gutes Prozessergebnis zufrieden zu stellen, um so die Mandanten an sich zu binden, sie von der eigenen Leistungsfähigkeit zu überzeugen und gleichzeitig die eigene berufliche Reputation immer weiter zu verbessern. Aus diesem Grunde werden Anwälte stets geneigt sein, sich für die Ziele Ihrer Mandanten in besonderer Weise einzusetzen. Das liegt besonders nahe in Verfahren, die von ihrer Thematik her bei den Mandanten einen außergewöhnlich hohen Stellenwert einnehmen. Das gilt für Verfahren im Zusammenhang mit Trennung und Scheidung, insbesondere jedoch für Kindschaftssachen in ganz besonderem Maße. Es kommt hinzu, dass sehr häufig die Mandanten den Anwälten gegenüber zum Ausdruck bringen, dass sie unter allen Umständen in dieser Sache obsiegen und ihren Partner als Verlierer sehen wollen. Nicht selten kündigen Eheleute sich gegenseitig an, dass der von ihnen zu beauftragende Anwalt "es dem anderen schon zeigen werde". Will der beauftragte Anwalt solchen Erwartungen gerecht werden, ist ein den Konflikt zwischen den Partnern nachhaltig vertiefender Prozess unvermeidbar.

Ziel des Arbeitskreises Trennung-Scheidung bei dem Amtsgericht Cochem ist es, diese konfliktsteigernden Mechanismen, die aus der prozessualen Struktur des Rechtsstreites erwachsen und durch die Erwartungshaltung der Mandnaten verstärkt werden, zu durchbrechen und zu einer Verfahrensweise zu gelangen, welche eine Deeskalation des Konfliktes ermöglicht.

Zum Einen soll der schriftsätzliche Vortrag an Bedeutung verlieren und der Schwerpunkt des Verfahrens auf die mündliche Verhandlung verlagert werden. Schriftsätze sollen danach nur noch die wesentlichsten Aspekte des Parteivorbringens enthalten, um das Verfahren überhaupt in Gang zu bringen. Für den Gegner soll es nicht notwendig sein, sofort und vollständig auf das jeweilige Antragsvorbringen zu erwidern. Auf diese Weise soll erreicht werden, dass keine der Parteien gezwungen ist, zur Wahrung ihrer (vermeintlichen) Rechtsposition jeden auch nur möglicherweise relevanten Sachverhalt vorzutragen. Dadurch wird es insbesondere nicht notwendig, schriftsätzlich vorsorglich Sachverhalte anzusprechen, die von vornherein geeignet sind, den jeweiligen Gegner zu verletzen, in seiner Persönlichkeit anzugreifen und damit ein sich jeweils steigerndes gegenseitiges Vorbringen zu provozieren. Eine solche Verfahrensweise ist nur möglich, wenn der jeweilige Prozessgegner darauf vertrauen darf, dass ihm durch diese Verfahrensweise kein Rechtsnachteil entsteht. Aus diesem Grunde ist die Mitwirkung des Gerichtes und der auf beiden Seiten beteiligten Anwälte erforderlich.


Von mindestens ebensolcher Bedeutung ist die Vorbereitung des Verfahrens im Mandantengespräch. Dabei ist es erforderlich, mit dem Mandanten die von ihm geäußerten Wünsche kritisch zu erörtern und Verfahrensziele zu vereinbaren, die am Kindeswohl orientiert sind. Den Mandanten muss schon im Vorbereitungsgespräch klargemacht werden, mit welch erheblichen Nachteilen die Verfolgung von Konfliktstrategien verbunden ist. Insbesondere ist den Mandanten zu verdeutlichen, dass derartige Strategien in aller Regel mit dem Kindeswohl unvereinbar sind. Insbesondere muss von den beteiligten Anwälten erwartet werden, dass sie die Fragen des Kindeswohls im konkreten Fall mit den Mandanten inhaltlich erörtern und erforderlichenfalls die Verfolgung von Zielen, die mit dem Kindeswohl schlechterdings unvereinbar sind, auch zurückweisen.


Rechtsanwälte im Konflikt zwischen Mandanteninteresse und Kinderrechten?

Diese Prozessvorbereitung, die entsprechende Auswirkungen auch im Verhalten der Anwaltschaft während des Prozesses hat, beruht auf einem Rollenverständnis der Anwaltschaft, das durch die Bestimmungen der Bundesrechtsanwaltsordnung (BRAO) vorgezeichnet ist. Danach ist der Rechtsanwalt "ein unabhängiges Organ der Rechtspflege" (§ 1 BRAO). Jeder Rechtsanwalt hat in einer öffentlichen Sitzung des Gerichtes, bei dem er zugelassen ist, folgenden Eid zu leisten:


"Ich schwöre bei Gott, dem Allmächtigen und Allwissenden, die verfassungsmäßige Ordnung zu wahren und die Pflichten eines Rechtsanwaltes gewissenhaft zu erfüllen, so wahr mir Gott helfe." (§ 26 Abs. 1 BRAO)
Damit ist jeder Rechtsanwalt auf die verfassungsmäßige Ordnung vereidigt, was insbesondere im Kindschaftsprozess von vornherein ausschließt, die Rechte des Kindes, um das die Eltern streiten, außer Acht zu lassen. Es ist das Verdienst des Bundesverfassungsgerichtes, den am Kindschaftsprozess Beteiligten - zunächst den damit befassten Fachgerichten - in zahlreichen Entscheidungen verdeutlicht zu haben, dass Gegenstand des Kindschaftsprozesses nicht nur die Rechte der streitenden Beteiligten (Eltern oder sonstige Bezugspersonen) sind, sondern in gleicher Weise von Rechts wegen die Rechte des beteiligten Kindes zu beachten sind. Der als Parteivertreter auftretende Rechtsanwalt hat daher im Prozess diese Rechte des Kindes in gleicher Weise zu beachten wie das Gericht, weil auch der Rechtsanwalt wie das Gericht Organ der Rechtspflege ist. Damit verbietet sich jede rechtsanwaltliche Tätigkeit für eine der Prozessparteien, die sich letztlich gegen das Kindeswohl richtet.


Vorteile für Verfahren und Rechtsanwälte

Die Vorteile aus diesem Rollenverständnis und dem daraus resultierenden Verhalten der Anwälte vor allem im Kindschaftsprozess liegen auf der Hand und können durch inzwischen mehr als 10-jährige Erfahrung belegt werden:

Durch die Bedeutung der mündlichen Verhandlung und die Zurückdrängung des schriftlichen Verfahrens haben die Parteien die Möglichkeit, ihre Position vor Gericht sowohl mit dem Gericht wie auch mit der Gegenseite, dem beteiligten Jugendamt und ggf. auch der Beratungsstelle an Ort und Stelle zu erörtern und den Sachverhalt von allen Seiten zu beleuchten und zu besprechen. Das hat vor allem den entscheidenden Vorteil, dass jede Partei die Gewissheit und das Gefühl hat, mit ihren Argumenten gehört und im Idealfall auch verstanden zu werden. Die Verfahrensweise verhindert ausufernden Sachvortrag, der nicht das anstehende Problem löst, sondern ausschließlich neuen Streit provoziert. Andererseits wird es möglich, auch die Hintergründe zu erörtern, die zu dem prozessualen Konflikt geführt haben. Die Erfahrung zeigt, dass auf diese Weise in aller Regel einvernehmliche Lösungen gefunden werden, die zum Einen eine gerichtliche Entscheidung überflüssig machen, zum Anderen aufwendige Folgeverfahren vermeiden, weil die Parteien im Verlaufe des Verfahrens in die Lage versetzt worden sind, künftige Meinungsverschiedenheiten entweder selbst auszutragen oder sich dazu entsprechender Hilfe zu bedienen, jedenfalls nicht ihre eigene Entscheidung durch die des Gerichtes ersetzen zu lassen.

- gekürzt -

Gruß
15.02.2004 19:38
Pusher2
Mega-User Level II


Dabei seit: 20.04.2009
Letzte Aktivität: 15.06.2009 17:01
Beiträge: 436



Re: Cochemer Modell von Pusher2 (08.05.2009 06:04)

Diesen Beitrag empfehlen       Zum Anfang der Seite


Dies ist das Thema: Cochemer Modell
08.05.2009 06:04 Pusher2 ist offline Registrieren Sie sich jetzt kostenlos -> Registrieren Sie sich jetzt kostenlos!
mafa mafa ist männlich
Mega-User


Dabei seit: 04.02.2007
Letzte Aktivität: 12.10.2011 19:40
Beiträge: 352
Herkunft: Berlin
Kinder: Tochter 15
Familienstand: verheiratet



Re: Cochemer Modell von mafa (04.06.2009 22:30)

Diesen Beitrag empfehlen       Zum Anfang der Seite


comp ja
04.06.2009 22:30 mafa ist offline Registrieren Sie sich jetzt kostenlos -> Registrieren Sie sich jetzt kostenlos!
  Seiten (3): « vorherige 1 2 [3]
Antwort erstellen Dieses Thema empfehlen
Gehe zu:
» Kostenlos bei elternforen.com:
Kostenlos bei elternforen.com: Für Frauen vor und nach der Schwangerschaft: Jetzt unsere aktuellen Gratis-Informationen zu allen Schönheits-Behandlungen per Formular anfordern.

Suchbegriffe, unter denen andere Personen dieses Thema fanden:
cochemer modell berlin, cochemer modell erfahrungen, cochemer modell scheidung, cochemer praxis. cochemer praxis berlin.

Beiträge Forum letzter Beitrag Antworten Hits
 Die letzten Beiträge deaktivieren Die letzten 5 Beiträge ausgewählter Foren
Dummer Modetrend? Small Talk Heute, 16:54 von darksaga 11 465
Online-Befragung von Eltern eines Kindes mit ... Handicap Heute, 14:07 von KristinMaletz 1 279
Alarm! Kindsmutter aggresiv gegenüber Baby Alltags-Sorgen-Forum Heute, 13:07 von Gerhard S. 5 184
Lehrer, die sich bei Facebook mit Schülern be ... Medien und Kinder Gestern, 22:33 von Maju 5 380
Achtung Fragen von Eltern zum Thema Kindergarten Kinder Kinder Gestern, 20:50 von Sabrinam 0 136

Sie sind hier: Ratgeber für Eltern - Forum Schwangerschaft, Babys und Kinder (Startseite) » Familie + Finanzen » Scheidung - Recht + Kosten » Cochemer Modell

Werde ein Fan von uns auf facebook | Folge uns auf twitter

Bücher zu diesem Thema

Impressum | Datenschutz | Nutzungsbedingungen | Wir über uns | elternfragen.net

Forensoftware: Burning Board, entwickelt von WoltLab GmbH

Gerade über Google gesucht: ausschlag am hals bei kindern, , gelber ausfluss in der schwangerschaft

Fotos © drubig-photo, Ramona Heim, pete pahham, Svetlana Fedoseeva, Valua Vitaly, Piotr Marcinski - fotolia.com