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Hallo Petra,
ich habe auf der Jugenddorf-Christophorusschule Braunschweig mein Abi gemacht und auch den Bericht gesehen. Meine Schulzeit ist allerdings schon zehn Jahre her, und seitdem scheint sich auf der Schule doch so einiges geändert zu haben. Ich dachte eigentlich, die "B-Klassen" (Hochbegabten-Klassen) gäbe es in ihrer alten Form nicht mehr, da mal von einer integrativen Stufe die Rede war, aber in der Dokumentation kam es mir so vor, als ob die Trennung noch existierte.
Die "Nachprüfung" kam mir auch komisch vor - als ich dort im Internat war, gab es so etwas nicht, und es gab auch nur eine Schulpsychologin. Jetzt sind es ja einige mehr. Damals haben wir in der "Kontaktwoche" die Tests gemacht und hatten Probeeunterricht - am Ende gab es die Ergebnisse und die Empfehlung; das war alles. Keine weiteren Tests mehr; den Sinn habe ich auch nicht verstanden.
Ich hatte allerdings während meiner Christophorus-Zeit auch oft den Eindruck, daß die Trennung zwischen dem "normalen" und dem "B"-Zweig durchaus vorhanden war; man war halt überwiegend mit den Leuten aus dem Internat oder aus der eigenen Klasse zusammen... und viele hatten Vorurteile den anderen gegenüber. Auf der anderen Seite gab es in der Oberstufe aber auch einige wenige gemischte Kurse (Sport, aber auch Latein, Japanisch), wo die Schüler prima miteinander auskamen. Den B-Schülern wurde nie eingeredet, daß sie etwas Besseres oder Überlegenes seien; nach außen hin wurden sie aber oft als Vorzeige-Schüler hingestellt.
In meiner Stufe gab es übrigens eine Schüler, die freiwillig wieder gegangen sind, z. B. wegen Heimweh oder weil ihre Noten sich so sehr verschlechtert hatten (das waren aber in der Regel die, die auf ihrer alten Schule nie Probleme hatten, weder sozial noch mit Zensuren, und eigentlich auch keinen Grund zum Wechseln gehabt hätten). Man wurde auch nicht verspottet, wenn man mal etwas Falsches im Unterricht sagte.
Zum Bericht: Ich fand ihn teilweise reißerisch, aber das war natürlich vom Sender bewußt so inszeniert. Durch den jungen Pianisten wurde zudem - wie so oft - suggeriert, daß jeder Hochbegabte ein Spezialtalent haben müsse. Oder zu Ausrastern oder Kriminalität neige (so wie der kleine Junge oder "Dagobert"). Die Christophorusschule wurde als Rettungsanker dargestellt, obwohl tatsächlich viele hochbegabte Kinder in ihrer jetzigen Schule prima zurechtkommen.
Wie gesagt, als ich dort war, war es eine andere Zeit; die staatlichen Schulen haben damals fast gar nicht gefördert und das Thema weitgehend ignoriert. Ich war froh, daß ich (als hochbegabter Underachiever) die Möglichkeit hatte, und meine Tochter würde ich auch jederzeit nach Braunschweig schicken, wenn sie es möchte (nein, nicht als Werbung gedacht
).
So, das ist jetzt lang geworden... Wenn Du noch Fragen hast, her damit.
Mermaid
__________________ Evas Weblog
Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert, zum letzten Mal von Mermaid: 02.04.2005 18:37.
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