Traurig -  Vorbereitung auf den Tod

sidney-mom

Neues Mitglied
Hallo!!

Mein Sohn ist 6 Jahre alt und wird nächste Woche eingeschult. Nun ist es so, daß mein Vater seit über einem Jahr an Krebs erkrankt ist. Im letzten halben Jahr hat sich sein Zustand sehr verschlechtert. Mein Vater hat sich zum Ziel gesetzt die Einschulung noch zu erleben. Mein Sohn merkt, daß es seinem Opa sehr schlecht geht. Ich habe vor längerer Zeit schon mal ein Gespräch mit ihm geführt, daß der Opa auch an Krebs sterben kann. Mein Sohn weinte und sagt er will das nicht. Da hab ich ihm gesagt, das wollen wir alle nicht und hoffen, daß er wieder gesund wird. Nun ist es aber nicht so. Ich selbst bin Einzelkind und mein Sohn ist der einzige Enkel. Ich bin alleinerziehend und der Opa ist für meinen Sohn die männliche Bezugsperson.

Soll ich meinen Sohn darauf vorbereiten, daß Opa bald sterben wird? Oder soll ich es auf ihn drauf zukommen lassen?

Ich selbst habe sehr große Angst vor diesem Tag X und weiß noch nicht, wie ich reagieren werde, da es mir jetzt schon emotional sehr schlecht geht. Und dabei merke ich, daß ich Stimmungsschwankungen habe und manchmal ungerecht zu meinem Sohn bin.
Vielen Dank.
 

lilly7022

Ich wohne hier
Hallo!

In genau dieser Situation war ich vor einem Jahr. Meinem Vater ging es zusehends schlechter, er war 4 Wochen als Pflegefall im KH und ist dann ins Hospiz, da die Pflege zu Hause nicht möglich war. Wir haben den Opa damals so oft es ging besucht (je 350 km Fahrt).

Schon alleine dadurch, daß meine Kinder gesehen haben, daß es dem Opa immer schlechter ging, haben sie gemerkt, daß es zu Ende geht. Wir haben auch viel gesprochen und ihnen kindgerecht erklärt, daß der Opa bald stirbt. Ein Jahr zuvor war schon meine Schwägerin gstorben, das hat uns wie ein Schlag getroffen, weil wir alle damals nicht darauf vorbereitet waren, daß es so schnell geht.

Am schlimmsten war dann eigentlich die Beerdigung und die Zeit danach. Ein halbes Jahr später kam das alles bei meinem Sohn erst zum Bewußtsein. Wir haben jetzt gerade die schlimmste Zeit hinter uns gelassen. Hoffe ich jedenfalls. Er hat sich gefangen und ist nicht mehr so in sich gekehrt wie noch vor ein paar Wochen.

Geholfen hat ihm, daß er bis zum Schluß viel Zeit mit dem Opa hatte. Und auch z.B. letzte Woche zum Schulanfang noch ein Geschenk von ihm bekommen hat. Das ist für ihn sehr wichtig. So kann er sich gut erinnern. Außerdem haben wir schöne Bilder im Eßzimmer aufgehangen, wo der Opa immer dabei ist und wir reden auch noch viel von ihm. Wenn die Trauer schlimm ist, malen die Kinder ein Bild oder "telefonieren" mit ihm.

Ich finde, dieser offene Umgang mit dem Tod ist wichtig für die Kinder. Der Tod gehört zum Leben dazu, man kann ihn nicht verstecken. Das halte ich für falsche Rücksichtnahme.
 

lailamausi

selten da...
Ich weiß gar nicht, was ich schreiben soll, wenn ich das lese :heul2 Ich selbst habe auch schon jetzt Angst, wenn von meinen Eltern mal einer stirbt, nur ist es bei uns noch nicht ganz so absehbar. Trotzdem hab auch ich schon mit meinen Kindern darüber geredet und ich denke, ich würde diesen schweren Schritt noch mal machen, wenn wir kurz davor ständen.

Es tut mir von ganzem Herzen leid, was ihr da gerade durchmachen müßt. Du solltest Dir in dieser schweren Situation auf jeden Fall professionelle Hilfe suchen. Geh zu einem Arzt, vielleicht hilft Dir auch sowas wie eine Trauerbewältigung.

Ich wünsch Dir und Deinem sohn alle nötige Kraft, die Ihr jetzt braucht. :troest
 

hitnak

Namhaftes Mitglied
Hallo,

Du darfst Deinen Sohn keinesfalls unvorbereitet in dieses Ereignis hineingehen lassen, oder gar versuchen, Dinge von ihm fernzuhalten. Kinder bekommen sehr genau mit, wenn Erwachsene trauern, und sie legen sich in ihrer Phantasie Begründungen dafür zurecht, warum sie ausgeschlossen werden. Das erzeugt in der Regel Probleme, mit denen man sich keinesfalls auseinander setzen müssen will, wenn man gerade einen geliebten Angehörigen verloren hat.

Am Besten ist es, wenn man dem Kind die Möglichkeit gibt, Abschied zu nehmen, auch wenn es die Endgültigkeit des Todes in diesem Alter noch nicht wirklich versteht. Dein Sohn wird dabei viele Fragen haben, die für Erwachsene absurd erscheinen, die aber vor allem abbilden, dass der Tod für dieses Kind etwas Neues, etwas Unverständliches ist. Man sollte diese Fragen zulassen, und sie nach bestem Gewissen beantworten. Und man sollte sich nicht scheuen, auch mal zu sagen, dass man etwas nicht weiß.

Gerade wenn man, wie Du, emotional sehr stark belastet ist, macht es auch immer Sinn, jemanden, der nicht so nah am Geschehen ist, darum zu bitten, bei Besuchen in Krankenhaus aus Pflegeheim, aber auch und vor allem bei Trauerfeier und Beerdigung dabei zu sein, um dem Kind Halt zu geben.

Bei der Vorbereitung können auch Kinderbücher helfen, die speziell für die Beschäftigung mit dieser Thematik geschrieben worden ist.

Zudem halten mittlerweile viele Krankenhäuser und Pflegeheime speziell geschultes Personal vor, dass ebenfalls in dieser schwierigen Phase hilft.

Viele Grüße,

Ariel
 

Ilona

Moderator
Teammitglied
Ich kann mich Hitnak nur anschliessen auf keinen fall ein Kind unvorbereitet in die Situation laufen lassen.
Versuche so lange wie es geht dein kind mit zu den besuchen zu nehmen. Das Kind wird sehen, das es dem Opa immer schlechter geht und wird da schon Fragen stellen mit dessen hilfe du ihn ganz vorsichtig an das Thema hinführst.
 

lilly7022

Ich wohne hier
Weil Hitnak da schreibt, daß Kinder merkwürdige Fragen stellen: Das ist absolut richtig. Das makabere daran sind aber nicht die Fragen, die das Kind stellt, sondern, daß man dadurch einerseits eine andere Sicht auf die Dinge bekommt und sich andererseits durch die Beantwortung selbst auch wieder tröstet. Man muß für das Kind "schöne" Erklärungen finden für das, was da vor sich geht und findet in diesen Erklärungen gleichzeitig Trost. Das war für mich eine wunderbare Erfahrung und hat mir sehr geholfen.

Schön ist, wenn man z.B. bei der Frage des Kides anfängt mit heulen und während man antwortet schon wieder unter Tränen lächeln kann, weil man eine gute Antwort finden konnte und das Kind zufrieden oder beruhigt ist. Das sind bei aller Schwere der Situation schöne Momente.
 

sidney-mom

Neues Mitglied
Hallo Ihr Lieben! Vielen, vielen Dank für die Ratschläge. Ich habe das Gespräch mit meinem Sohn geführt, es war ein schwerer tränenreicher Schritt, aber ich fühle mich erleichtert. Mein Sohn hat sich jetzt ein Foto von seinem Opa neben sein Bett gestellt, damit er ihn vor dem Einschlafen sehen kann und ich merke auch, daß es ihn zwischendurch immer mal wieder beschäftigt.

Vielen Dank nochmal an alle.
 

feivelmaus

Aktives Mitglied
Hallo,

damit beschäftige ich mich auch gerade, auch wenn es noch nicht akut ist. Bisher ist nur der Opa mütterlicherseits vor 5 Jahren verstorben. Die Kinder hatten aber nicht viel Kontakt zu ihm. Beide Omas leben aber gottseidank noch.
Mein Vater starb als ich 10 war, plötzlich und unerwartet und ich kann sagen, dass ich eher meiner Mutter Halt gab als sie mir.
Mich beschäftigt und belastet das heute noch, nach mehr als 30 Jahren.
Für Kinder ist es schlimm, wenn plötzlich jemamd stirbt und sie den Grund nicht verstehen. Sie brauchen unbedingt jemanden, der nicht selbst betroffen ist, um mit der Trauer umzugehen.
Aber ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass schon der Weggang eines lieben Menschen schlimm für ein Kind sein kann und vielfältige Schwierigkeiten auslöst, wenn man damit nicht richtig umgeht,
 

optimisto

Mitglied
Hallo, Ihr Lieben
ich wollte zu dem sicher schwierigen Thema Trauer/Tod ein gutes KinderBuch vorstellen.....es erzählt in ergreifenden Worten von der Trauer über den Verlust der geliebten Oma . und ich denke, es ist SEHR wichtig, über dieses Thema rechtzeitig mit den Kindern zu reden, denn damit nimmt man ihnen auch ein Stück ihrer oder der verbreiteten Angst vor dem Tod und dem ganzen Thema.
ich hoffe , dieses Buch kann speziell bei dem Gespräch bzw.
der Bewältigung der Trauer ein wenig helfen .
das Buch heisst „Grossmutter“ und ist meiner meinung nach sehr zu empfehlen.
mit lieben grüssen
:hae?
 
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