Frostie... - mag's immer noch kitschig |
hitnak
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Frostie... - mag's immer noch kitschig von hitnak (25.12.2009 18:02) |
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Hallo,
einige erinnern sich vielleicht noch: Bis vor einigen Monaten habe ich hier von unserem Leben als Großfamilie erzählt. Für alle, die es nicht wissen, oder sich nicht erinnern: Wir, das sind ich (ja, ich weiß, der Esel nennt sich immer zuerst), 36, meine Frau, 33, und unsere sieben Söhne, die 17, 16, ca16, ca15, 14,1/2 und 1/2 Jahre alt sind. das es nur Söhne sind, haben wir nicht geplant. Eigentlich hatten wir gar keine Kinder geplant, als meine Frau und ich noch Freund und Freundin waren, und auch noch nicht, als wir schon Verlobter und Verlobte geworden war. Um genau zu sein, haben wir beide Kinder ziemlich gehasst: Zu viel Lärm im Restaurant, im Flugzeug, im Park. Wir waren beide selbstverliebte Hedonisten aus der oberen israelischen Mittelschicht mit scheinbar wenig Platz für andere Menschen außer uns selbst und einem Leben, in dem selbst der Kater am Morgen nach dem großen Besäufnis am Abend zuvor eingeplant war.
Das war, bevor eines Nachts im Januar 2008 mein bester Freund samt Polizei vor meiner Tür stand, und mir mitteilte, dass seine Frau (heute ex-Frau) wohl einen 15jährigen Sohn hat, von dem er keine Ahnung hatte, und das dieser Sohn von seinem, nun ja, Vater so extrem zusammengeschlagen worden war, dass der Junge ins Krankenhaus musste, weswegen er, also bester Freund, nun mein Sofa, ersatzweise das Gästezimmer oder gerne auch mein eigenes Bett, weil ja ich durchaus auch mal auf dem Sofa schlafen könne, beschlagnahmen werde.
Das war der Anfang. An der Haustür, in der Notaufnahme, kurz darauf, wo wir den Schmerz, die Verzweiflung, die Hoffnungslosigkeit nicht nur des Jungen, sondern der Ärzte, der Polizeibeamten sahen, von denen uns schon einer an der Tür kettenrauchend, wild fluchend seine Gewaltphantasien Aussprechend begegnete, und wo wir miterlebten, wie der Vater, ein gescheiterter Militär, für den das Leben als Israeli ein einziger Krieg zu sein hat, wild pöbelnd in die Notaufnahme stürmte, um dort fest genommen zu werden (ohne Gewalt), hat sich etwas verändert, innen drin, in mir, das wohl schon lange da war, aber niemals eingestanden worden war: Meine Einstellung zu Familie hat sich geändert, und mein Verhältnis zu meiner Freundin, zu meinem besten Freund auch.
Und es war damit der Startschuss zu einer der wohl eigenartigsten Familien, die die Welt je gesehen hat: Wir haben religiöse und säkulare Juden, einen Muslim, einen Homosexuellen, einen Christen, drei ex-Knackies, einen Polizeischüler und zwei Polizeibeamte in einer Familie, in der kaum jemand miteinander verwandt ist.
Nach jener Nacht haben meine Freundin und ich uns erst verlobt und dann irgendwann beschlossen, gar nichts mehr zu planen. Denn einige Monate später wurden wir damit konfrontiert, dass Y., den wir damals als gute Journalisten (ein Beruf, den ich seitdem an den Nagel gehängt habe) als "Frostie, den Sohn von Väterchen Frost, dem Prügelpappa" bezeichneten, einen weiteren Jugendlichen aufgabelte, der dringend ein Zuhause brauchte. Es folgten zwei Kids, die uns direkt vom Jugendamt geschickt wurden, bevor dann vor einigen Monaten der Bruder unseres zweiten Sohnes auftauchte, nachdem ihre Mutter gestorben war.
Hier werde ich künftig wieder von unserem Leben erzählen, und der Grund dafür, warum ich mich heute dazu entschlossen habe, es zu tun, ist der, das gestern etwas passiert ist, das mich beschäftigt. Aber dazu später mehr.
Aber um Fragen vorzubeugen: Ich stamme aus Deutschland. Deshalb spreche ich Deutsch. Und wir leben einen Teil des Jahres in Deutschland. Der Grund, warum ich meine Herkunft überhaupt erwähne ist der, dass Religion, politische und sexuelle Orientierung in unserem Leben eine große Rolle spielt.
Viele Grüße,
Ariel
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25.12.2009 18:02 |
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Denise

z.Z.t.U.
 

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Re: Frostie... - mag's immer noch kitschig von Denise (25.12.2009 18:25) |
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Hallo Ariel
Schön das du wieder einen Blog machst .
Habe ja wie dir gegenüber schon erwähnt immer sehr gern in deinem alten gelesen.
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25.12.2009 18:25 |
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hitnak
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Re: Frostie... - mag's immer noch kitschig von hitnak (25.12.2009 19:01) |
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Bücher zu diesem Thema
Hallo,
in einer Ansammlung von Welten, die von emotionalen Wunden und Narben zerrissen sind, ist unser Zuhause eine Zuflucht, ein sicherer Hafen, wo man auf Trost, Verständnis, Liebe, Sicherheit bauen kann.
Diese Festung ist gestern abend gestürmt worden, ohne Vorwarnung.
Vorhin hatte ich kurz von dem gesprochen, was Y widerfahren war, bevor er zu uns kam: Er ist zusammengeschlagen worden, von dem, dessen Aufgabe es gewesen wäre, ihn vor Wunden und Narben zu beschützen, und das nicht einmal, sondern oft, bis es einmal zu oft, einmal zu heftig gewesen war, und Y zu uns und sein Vater ins Gefängnis kam, für acht Jahre und sechs Monate.
Dass der Mann nicht von seinem Sohn ablassen kann, dass er fest davon überzeugt ist, dass es sein Recht ist, mit aller Gewalt seine eigenen Vorstellung vom richtigen Lebensweg für seinen Sohn durchzusetzen, was in diesem Fall jene militärische Karriere gewesen wäre, die dem Vater aus Gründen, zu denen sich das Militär bis heute nicht äußert, versagt geblieben ist, das wussten wir. Er hat während des Adoptionsverfahrens noch aus dem Gefängnis heraus versucht, das Sorgerecht für den Jungen zurück zu bekommen, bevor er dann versucht hat, seinen Sohn zum Umgang mit ihm zu verpflichten, bevor er ihn dann kurzzeitig ins Gefängnis beförderte, in der Hoffnung, so an ihn ranzukommen, bevor er dann anfing, in einer Vielzahl von Briefen zu drohen, zu flehen und zu manipulieren. Vater und Sohn, das war immer eine Beziehung, die in der Hölle besiegelt war: Y wäre seinen Vater gerne los, würde ihn gerne vergessen, und das was er getan hat, aber er kann nicht, weil er nicht vergessen kann, was sein Vater ihm angetan hat, und noch viel mehr als das hat er nackte, kalte, panische Angst vor dem Mann. Y ist mit seinem Vater, wie Opfer das oft sind, auf eine perverse Art und Weise miteinander verbunden: Während der Täter schnell vergisst, falls er sich jemals dessen bewusst war oder geworden ist, was er angetan hat, lebt das Opfer oft lebenslang damit. Für einen Täter-Opfer-Ausgleich, oder eine Familientherapie, wie sie von manchen Psychologen befürwortet wird, die die persönliche Verwandtschaft für unersetzbar und damit das Optimum in allen Lebenslagen betrachten (mich schreckt vor allem der Absolutheitsanspruch dieser Herangehensweise ab), war nie Raum. Das Maximum waren ein Paar betreute Gespräche mit seiner leiblichen Mutter, die ihn direkt nach seiner Geburt seinem Vater überlassen und sich ansonsten nur ein paar mal im Jahr um ihn gekümmert hatte, die Y dann irgendwann mit der Begründung beendete, er verzeihe ihr, aber habe dieser für ihn fremden Frau ansonsten nichts zu sagen.
Bei seinem Vater war nicht einmal ein solcher betreuter Kontakt möglich: Er bekommt schon Albträume (und ich meine richtige, heftige Albträume) wenn man seinen Vater nur in seiner Gegenwart erwähnt - ganz zu schweigen von den Auswirkungen von den Briefen. Als die anfingen, anzukommen, haben wir ein umfassendes Kontaktverbot erwirkt: Sein Vater, und alle, die mit ihm in einer Beziehung stehen, dürfen weder den Jungen, noch alle die mit ihm in einer Beziehung stehen, in allen "heute und in der Zukunft bekannten Formen" (so steht es in der Anordnung) kontaktieren. Gleichzeitig haben wir gemeinsam eine Familie, ein Zuhause, einen sicheren Hafen aufgebaut, in der Wunden heilen können.
Und wir haben uns sicher gefühlt. Bis gestern, als unsere Festung gestürmt wurde, denn wir haben bei alledem nicht berücksichtigt, dass sein Vater sich an keine Anordnung hält, zu deren Einhaltung man ihn nicht zwingt, und dass Israel im Strafvollzug eine Besondernheit hat - nämlich die, dass man selbst verurteilten Gewalttätern nach einer gewissen Haftzeit Freigang gewährt.
Und so stand gestern Prügelpappa vor der Tür und forderte ein persönliches Gespräch mit seinem Sohn. Er hat meine Frau einfach bei Seite geschoben und ist in die Wohnung marschiert. Wir waren gerade beim Essen, und ich werde das Gesicht meines Sohnes niemals vergessen, als er seine Stimme hörte, als er vor ihm stand. Sich frech auf einen freien Platz setzte und begann, auf den völlig geschockten Jungen einzureden, ihn zu beschuldigen, ihn dafür verantwortlich zu machen, dass er im Gefängnis, und uns dafür verantwortlich zu machen, ihn durch die anderen Jungs schlechtem Einfluss auszusetzen, ihn zu verweichlichen, bis Y aus der Wohnung stürmte, die Polizei eintraf und ihn abführte.
Seitdem bin ich völlig ratlos.
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25.12.2009 19:01 |
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Liliki

Mensch
 

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Re: Frostie... - mag's immer noch kitschig von Liliki (25.12.2009 20:42) |
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Hallo Ariel,
Ich gehöre auch zu den "alten" Leserinnen Deines Blogs - und wäre ebenso sprachlos nach den Ereignissen von gestern abend.
Der Auftritt war sicher eine Re-Traumatisierung für Euren Sohn - habt Ihr dafür (therapeutische) Hilfe? Irgend ein Ritual, das nach besonders anstrengenden oder schrecklichen Momenten die ganze Familie miteinander machen kann?
(Geisteraustreibung in früheren Jahrhinderten war nicht nur eine doofe Idee ...)
Die Grundbotschaft "es gibt leider keine absolute Sicherheit im Leben" ist natürlich das Allerletzte, was Eure Jungs in ihrem Leben brauchen können. Trotzdem wird die wichtigste Botschaft in diesem Moment sein "Meine Eltern haben zu mir gestanden. Jemand hat die Polizei gerufen und sie ist gekommen. Wir werden nach der Situation das Beste daraus machen"
Niemand von uns kann seine Kinder in jeder lebenden Sekunde vor allem bewahren, vor dem wir sie gerne bewahren würden. Das ist eine harte Lektion ... aber ohne die funktioniert "Elternsein" vermutlich irgendwie nicht; denn ohne dieses Wissen beherrscht Angst das Leben einer Familie. Und das wiederum hilft auch niemandem weiter ...
Viel Licht wünsch ich Euch
Lili
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25.12.2009 20:42 |
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hitnak
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Re: Frostie... - mag's immer noch kitschig von hitnak (25.12.2009 22:01) |
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Hallo,
und ganz lieben Dank Euch Beiden. Er hat jetzt einen mächtigen Schock weg. Seine Therapeutin ist noch am Abend vorbei gekommen. Sie sagt, er wird sich bald erholen.
Meine Frau und ich haben dann auch noch lange mit ihm gesprochen und uns daran erinnert, was wir schon alles miteinander erlebt haben. Das hat ihn etwas aufgemuntert. Das er in der Seele wieder ein Kind, statt fast 18 Jahre alt ist, das er Unterstützung braucht, das merkt man immer daran, dass er in solchen Situation meine Frau und mich mit den relativ antiquierten Formen "Imi" (meine Mutter) und "Abi" (mein Vater bezeichnet - wenn er etwas von mir hat, dann ist das meine gnadenlose Liebe für pilcherhaften Kitsch.
Viele Grüße.
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25.12.2009 22:01 |
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hitnak
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Re: Frostie... - mag's immer noch kitschig von hitnak (26.12.2009 00:49) |
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Hallo,
ich nochmal zu später Stunde. Es ist ja gut möglich, dass ich mitterweile völlig durchknalle, aber ich glaube, unsere zwei sechs Monate alten Zwillinge veralbern uns ganz gewaltig. Ich meine - wir haben ja eine wirklich große Auswahl an Leuten hier, die die notwendigen Wartungsarbeiten erledigen können - wir Männer haben sogar im Zuge der Geburtsvorbereitung einen Babykurs belegt (die Hebamme war ziemlich von den Socken, als wir da zu sechs [unser Zweitältester, R., war damals noch nicht bei uns] auftauchten). Will heißen: Normalerweise ist so ein Boxenstopp keine Sache - einfach mal kurz ins Babyphon knatschen und jemand kommt in Nullzeit vorbei und wechselt die Windeln und/oder lässt ein paar Streicheleinheiten da. Gerne auch mal ein paar mehr.
Nur heute war das anders: Es fing mitten in der Nacht an, dass die beiden aufwachten sich gegenseitig anglucksten, und dann plötzlich mit einer Riesenschreierei anfinden, als würden sie Modern Talking Konkurrenz machen wollen.Als bin zu erstmal ich hin, weil ich sowieso wach war, und habe mal kurz den Ölstand gemessen. Was die beiiden nicht beruhigt hat. Dann kam meine Frau hinzu. Die den Unmut der Herren auch durch mütterliche Reize nicht zu stillen vermochte. Und auch nicht das brüderliche Locken von einigen der Jungs. Die beiden wurden richtig zornig. Bis Y einen der beiden hoch nahm, einmal fragte: "Was ist denn los?" - und plötzlich Ruhe herrschte. Vergleichbares haben wir heute drei Mal mitgemacht. Jeder wird angemosert - bis auf Y, der angelacht und angegluckst wird.
Normalerweise würde ich sagen: Die beiden sind durch die Ereignisse aufgebracht. Aber es ist nicht das erste Mal, dass das passiert. Mir ist aufgefallen, dass die beiden bei R die gesamte Macht des Kindchen-Schemas ausspielen, und das vor allem dann, wenn er gerade in einer seiner harten Phasen ist - sie tauen ihn regelrecht auf, und seit heute glaube ich, dass sie das mit Absicht machen.
Ich gebe übrigens offen zu, dass ich eifersüchtig auf Y bin, weil ich heute keinen Vater-Sohn-Moment mit den beiden haben durfte.
Viele Grüße
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26.12.2009 00:49 |
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Celeste

Vernarrte Jungmami + Alienstiefmutter

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Re: Frostie... - mag's immer noch kitschig von Celeste (26.12.2009 12:53) |
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Zu sehen wie deine Söhne deinem Beispiel folgen und füreinander da sind, sich sorgen und einsetzen, nicht einfach weggehen sondern fragen „Was ist denn los?“ sich in den Arm nehmen und anlächeln wenn einer traurig ist.. gibt es großartigere Vater-Sohn Momente?
Celeste, auch ein heimlicher Fan ;)
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26.12.2009 12:53 |
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hitnak
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Re: Frostie... - mag's immer noch kitschig von hitnak (26.12.2009 15:34) |
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Oah,
Du kannst aber auch echt ganz schön kitschig... Aber ja, ich mag es kaum aussprechen: Auch in solchen Katastrophen wohnen schöne Momente, auch wenn es schwer fällt, sie in der Not zu erkennen - Menschen, die da sind, die zeigen, was man sonst kaum zu sehen bekommt, in der Normalität, nämlich dass man wichtig ist. Und es wohnen Chancen in der Katastrophe: Da ist zum Beispiel R., der, ich erzähle dazu später in einem gesonderten Post mehr, selbst eine schwere Körperverletzung begangen hat, und dafür im Gefängnis war. Er macht zwar seit Monaten schon ein Anti-Aggressionstraining, aber das ist ein langer Prozess, und es bestand die reale Möglichkeit, dass er Ys Humanproduzenten kräftig einen überzieht, was, wie ich gestehen muss, eine Möglichkeit ist, die mich in dem Moment, der nur ein paar Minuten dauerte, nicht besonders gestört hatte. Interessant ist, dass er es nicht getan hat, und stattdessen versucht hat, den Mann in Richtung Haustür zu bugsieren. Das ist ein weiter Weg weg von dem Früchtchen, dass mir vor ein paar Monaten noch zugelangt hat, wenn man ihn nur einen Hurensohn genannt hat.
Heute war erstmal großes Aufräumen: Die Gefängnisverwaltung hat die beiden Beamten, die den Häftling begleitet haben, fristlos gefeuert, gegen den Direktor des Gefängnisses wird ermittelt, weil er die Bannorder nicht an seine Mitarbeiter weiter geleitet hat. Der Mann selbst wurde in ein Hochsicherheitsgefängnis im Süden verlegt, und wird sobald wohl niemanden mehr schreiben oder anrufen. Die Staatsanwaltschaft wird wohl Anklage wegen Hausfriedensbruch, Geiselnahme und Körperverletzung erheben: Der Mann hat Y mit einem kräftigen Griff am Unterarm daran gehindert, vom Tisch aufzustehen, wobei blaue Flecke entstanden sind. Es werden also wohl zu den acht Jahren und sechs Monaten ein paar Jahre dazu kommen; Y dürfte um die 30 sein, wenn der Mann wieder in Freiheit sein wird - und das ist das einzige was zählen darf: Nicht die Rache, nicht die Sühne, und all' die Gefühle gegen den Täter, die ein Opfer verspürt, sondern die Tatsache, dass der Täter keinen Schaden mehr zufügen kann - ich möchte nicht, dass sich meine Söhne, und ich schreibe "meine Söhne" ganz bewusst, denn gefühlsmäßig macht es für mich, und ich habe mir diese Frage wirklich oft gestellt, nicht den kleinsten Unterschied, ob diese sieben meine eigenen Söhne sind, oder von einem anderen gezeugt wurden, ich möchte also nicht, dass meine Söhne Hass oder Rachegedanken verspüren, und damit ihr Leben aufhalten.
Neben dem Schock schämt sich Y auch dafür, dass er von diesem Mann (und wir sprechen momentan wirklich nur von "diesem Mann") abstammt, und dass wir miterlebt haben, wie er ausrastet. Es ist kein rationales Gefühl, denn fast alle seiner Brüder stammen von Leuten ab, die aussichtsreiche Anwärter auf die Darwin Awards sind.
Gleichzeitig erkennt er die Bedeutung unserer gemeinsamen Familiengeschichte, unserer Symbole neu - er hatte sich damals (was ja erst im vergangenen Jahr war) die gleiche Tätowierung wie ich machen lassen, hat den Einheitshaarschnitt kopiert, den mein Bruder (dazu später mehr) und ich seit Jahren haben, und er hat sogar eine Brith Mila, eine Beschneidungsfeier, bekommen. Mit alledem hat er uns als Eltern gewählt, und diesen Mann hinter sich gelassen. Heute bin ich froh, dass wir das mitgemacht haben: Die Symbole helfen ihm dabei, wieder bei uns anzukommen.
Viele Grüße.
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26.12.2009 15:34 |
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Liliki

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Re: Frostie... - mag's immer noch kitschig von Liliki (26.12.2009 17:22) |
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Hallo Ariel,
Bei den Zwillis denk ich mir, die "wissen" genau, wer's jetzt am meisten braucht ... so kleine Kinder können ja noch mit ganz anderen Sinnen hantieren als wir Großen
!
Wie gut, dass Ihr so schnell Hilfe bekommt und die Behörden scheinbar konsequent und effizient (nach-) arbeiten.
Ich denke, man darf sich mit gutem Recht von Eltern lossagen, die diesen Job so wenig mit Liebe und Verstand füllen können und sich dann andere bessere Eltern suchen. Was für ein Glück, dass das alles so gekommen ist für die Jungs! Ab wieviel neuen Jungs wird die Wohnung zu knapp?
Viele Grüße, Lili
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26.12.2009 17:22 |
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hitnak
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Re: Frostie... - mag's immer noch kitschig von hitnak (26.12.2009 18:04) |
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Hallo,
was nach dem Zwischenfall in der Gefängnisverwaltung los brach kann man problemlos als nackte Panik mit kaltem Angstschweiß bezeichnen, was etwas mit der Vorbelastung der Behörde zu tun hat, und damit, dass meine Frau Journalistin ist, und ich (ex-Journalist) grob gesagt im sozialen Bereich arbeite. Da ist zum einen der Jugendstrafvollzug (in dem ich ein Wörtchen mitzureden habe), der von ständigen, Jahre langen Skandalen erschüttert wird (im Moment ist da zum Beispiel ein ziemlich arger Missbrauchsfall an einem 16jährigen). Und noch viel mehr so war da der Fall Beni Sela. Sela wurde wegen 32facher Vergewaltigung zu 35 Jahren Haft verurteilt. 2006 fuhren ihn Mitarbeiter der Gefängnisverwaltung zu einem Gerichtstermin - an einem Freitag, an dem Gerichte, immer, aber absolut immer, ohne Ausnahme, bis auf einen Notdienst geschlossen sind, Während sich die Beamten darüber wunderten, warum das Gericht zu hat, kletterte Sela, der nur Handschellen trug, über eine Mauer und verschwand für eine knappe Woche, in der ihn im wahrsten Sinne das gesamte Land suchte - mehr oder weniger, denn die Gefängnisbehörde musste auch feststellen, dass man kein aktuellen Foto von ihm hatte. Oh, und arg peinlich war auch die Sache mit Yigal Amir. Das ist der Mann, der 1995 unseren Premierminister Yitzhak Rabin erschossen hat, und der zu lebenslanger Haft verurteilt ist. Nun war dieser Mann immer besessen von dem Wunsch, sich fortzupflanzen, was ihm aber lange Zeit nicht möglich war, weil ihm körperliche Kontakte verboten waren. Also kam der mann auf die Idee einen Wärter zu bestechen, damit der eine Tüte mit seinem Samen (kein Scherz) an seine Freundin und heutige Ehefrau überbringt - die Sache flog nur auf, weil sich ein anderer Wärter darüber wunderte, was das für eine komische Tüte im Kühlschrank war.
Es ist also durchaus verständlich, dass die Behörde jetzt gerade etwas traumatisiert ist.
Was die Familiengröße betrifft, so denken wir nicht in Platz und Geld - irgendwie klappt's immer. Im Moment ist der Bedarf an Familien bei uns aber gut gedeckt. Was fehlt, sind Kinder-, Jugend- und Familientherapeuten, die diese Familien auf ihrem schwierigen Weg begleiten. Aber das Problem gibt es bei Euch ja auch.
Viele Grüße.
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26.12.2009 18:04 |
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