Idee/Tipp - Die Kinder sind tot

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Dieses Thema im Forum "Film- und Bücher-Forum" wurde erstellt von Lola, 24 Juli 2006.

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  1. Lola

    Lola EF-Team Mitarbeiter

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    NDR, Montag, heute, Magazin/Dokumentation 23:45 - 01:05 Uhr


    Im Sommer 1999 verdursteten in Frankfurt/Oder zwei kleine Jungen. Deren Mutter Daniela J. war damals 23 Jahre alt und hatte die beiden 14 Tage in ihrer Neubauwohnung allein zurückgelassen. Geboren und aufgewachsen ist Daniela J. in Neuberesinchen, einem Plattenbauviertel am Rande von Frankfurt/Oder. Hier ist die Arbeitslosigkeit extrem hoch, die Menschen haben kaum Geld und wenig Kraft, ihrem scheinbar vorgegebenen Schicksal zu entrinnen. Viele träumen davon, eines Tages weg zu gehen, aber nur wenige schaffen es. Auch Daniela J. gelingt die erträumte Flucht nicht. Innerhalb von sechs Jahren bringt sie vier Kinder von vier verschiedenen Männern zur Welt. Das erste Kind kommt zur Oma, die beiden Jungen bleiben bei ihr, das letztgeborene wird zur Adoption frei gegeben. Sie lernt einen neuen Mann kennen und glaubt an die große Liebe. Um bei ihm zu sein, lässt sie ihre beiden Kinder allein. Die zwei Jungen sterben einen qualvollen Tod und die Nachbarn bemerken scheinbar nichts.

    Der Prozess gegen Daniela J., in dem sie wegen zweifachen Mordes zu lebenslager Haft verurteilt wird, wird von Tumulten begleitet. Erregte, empörte Nachbarn drängen sich vor dem Gericht. Trägt die Mutter allein die Schuld am Tod ihrer beiden Kinder? Hat sie ihre Kinder bewusst sterben lassen? War es eine Verkettung unglücklicher Umstände oder der grausame Schlusspunkt einer Tragödie, die sich lange vorher angekündigt hatte? Der Film gibt darauf keine einfachen Antworten. Er zeigt eine Welt, die von der Gesellschaft abgeschrieben und sich selbst überlassen ist. Er beschreibt das Leben zerrissener Menschen, die versuchen, mit einer Schuld zu leben, der sie nicht entrinnen können. Und er setzt sich mit dem Verhältnis der Täterin zu ihrer eignen Mutter auseinander, eine Mutter-Tochter-Tragödie, die die intimen Hintergründe der Tat beschreibt.

    Aelrun Goette interessiert nicht das Spektakuläre an dem Fall, sondern die menschlichen Dramen. Behutsam nähert sie sich in ihrer Dokumentation den Menschen, ohne sie zu verurteilen. Ihr Film regt zum Nachdenken, zur Diskussion an, lässt aber auch Mitgefühl für die Täterin entdecken, das Kritik polarisiert. 'Die Kinder sind tot' wurde vielfach mit Preisen ausgezeichnet, zuletzt mit dem Deutschen Filmpreis 2004 und dem Baden-Württembergischen Dokumentarfilmpreis 2005.

    Quelle: TV-Info
     


  2. Mirsche

    Mirsche Guest

    schade, dass die Reportage erst so spät kommt
     


  3. Lola

    Lola EF-Team Mitarbeiter

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    Ich habe mir den Report gestern angeschaut - ehrlich gesagt weiss ich nicht, was ich denken soll. Ganz klar wurde, dass Mutter und Tochter (also Oma und Mutter der toten Kinder) einen sehr grossen Konflikt miteinander haben. Was mir in diesem Beitrag fehlte, waren Trauer um die Kinder und Reue. Stattdessen hat immer einer dem anderen unterschwellig die Schuld zugewiesen aber eigene Fehler wurden nicht eingestanden.

    Auch hat mich die Tatsache entsetzt, dass viele Nachbarn die Schreie der Kinder gehört und die Mutter seit Tagen nicht gesehen haben - und alle haben ausgesagt, dass es offensichtlich war, dass die Mutter vollkommen überfordert war. Aber niemand ist auf die Idee gekommen, Polizei oder Jugendamt zu rufen.

    Kann man in so einem schrecklichen Fall wirklich alles auf die eigene schlimme Kindheit bzw. das allgemein sozialschwache Umfeld schieben? Ich finde, da macht man es sich etwas zu einfach.

    Die Richter haben ein hartes - aber meiner Meinung nach faires - Urteil gesprochen. Lebenslang. Aber was ist mit all den "Mittätern"? "Die Kinder haben ja immer geschrien" war eine Aussage einer Nachbarin. Ein Nachbar wurde in einer Kneipe interviewt:"Was geht mich das an? Jeder ist sich selbst der Nächste!"

    Diese armen, armen Kinder. 2 und 3 Jahre waren sie alt. Und die Mutter ist öfter am Stück einfach weggeblieben (sie hat detailiert beschrieben, wie die Kinder, wenn sie gerade mal kurz Zuhause war um Sachen zu holen um dann gleich wieder abzuhauen, an ihr geklammert haben und sie nicht mehr gehen lassen wollten - ich habe dabei geweint, geweint und geweint!!! Mutter Reue? Fehlanzeige!).

    Ich kann dazu nur sagen - schockierend!

    LG
    Eine traurige Lola
     
  4. Lola

    Lola EF-Team Mitarbeiter

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    Hat sonst niemand die Doku gesehen? Mich würde interessieren, was Ihr dazu denkt....

    LG
    Lola
     
  5. Liliki

    Liliki Mensch

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    Hallo


    Ich schau um diese Zeit kein TV mehr 8) und überhaupt sehr wenig davon, aber ich kann Dir wahrscheinlich genau nachfühlen, wie es Dir mit dem Bericht ergangen sein wird. Mir ginge es genauso, ich würde heulend vorm Bildschirm sitzen und müsste mich mit der Einsicht 'retten', dass manche Kinder leider 'ohne Chancen' geboren werden und dafür muss ich leider nicht bis in die Sahel-Zone schauen ... das passiert auch hier an vielen Stellen jeden Tag!


    Eine Lösung weiß ich dafür nicht. Hier 'darf' jeder Mensch Kinder in die Welt setzen und dieses 'Grundrecht' steht außer Diskussion ... aber sehr viele Menschen sind gar nicht in der Lage, die Verpflichtung, die Kinder auf jeden Fall auch bedeuten, anzunehmen und umzusetzen.

    In diesem Fall müssten 'wir alle' also helfen ... nur: wie sollen Menschen helfen, die sich selbst kaum helfen können (wie vermutlich der größere Teil des Umfeldes der Mutter) ??? Oder die nicht helfen wollen, weil sie irgendwann dicht gemacht haben?

    Ich kann die dann leider ebenso wenig heran ziehen, wie die Mutter, die Oma, den neuen Freund oder die Väter der Kinder, die alle ganz unmittelbar verantwortlich gewesen wären ... das Problem ist sehr viel grundlegender und übergeordneter als das.

    Unsere Rechtssprechung kann dem sicher auch kaum Herr werden ... und wer Kindern nur trinken gäbe, weil er Angst vor der Polizei hätte, hätte eben auch gar nichts verstanden ...


    Meine persönliche Schlussfolgerung ist es, meine Energien für die Menschen einzusetzen, die ich direkt erreichen kann und meine Kommunikation zu nutzen, Menschen zu informieren, 'aufzuklären' oder auch mal dort abzuholen, wo sie stehen, wo ich auch nur eine kleine Chance sehe, etwas zu bewirken (im weitesten Sinne auch einer der Gründe, weshalb ich hier aktiv bin) ... die Bezirke, die ich dabei nicht erreichen kann, seh ich mir nicht zu genau an! Hut ab vor allen Menschen, die so etwas hauptberuflich machen. Es dürfte kaum einen Beruf geben, in dem man schneller ausbrennt als in diesem ....



    Ebenso etwas hilflose Grüße, Lili
     
  6. Lola

    Lola EF-Team Mitarbeiter

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    Normalerweise bin ich um diese Zeit schon lange im Bett - aber der Bericht hat mich sehr interessiert sodass ich doch tatsächlich solange "durchgehalten" habe.


    Ja, leider :traene

    Ich glaube auch kaum, dass es dafür eine Lösung gibt. Und wahrscheinlich wird kaum jemand in der Lage sein, einzuschätzen, dass eine Geschichte einen so dramatischen, schrecklichen Lauf nimmt. Man kann höchstens eine Überforderung erkennen und evtl. Hilfestellung leisten.

    Tja, das ist allerdings eine sehr gute Frage!


    Da hast Du sicher Recht.

    Auch dem kann ich nur zustimmen.

    Das sehe ich auchso.

    Eigentlich ging es mir auch eher darum, zu erfahren, was andere beim Schauen des Films gedacht haben (ausser eben nur "schockierend"). Ich beschäftige mich auch schon eine Weile mit der Frage, was die Mutter der Kinder dazu getrieben hat, ihren Kopf völlig auszuschalten, die Kinder alleine zu lassen und keine Sekunde an sie zu denken. Verdursten - das ist, glaube ich, mit eines der schlimmsten Tode.
    Auch beschäftigt mich die Frage, ob sie überhaupt realisiert hat, was da passiert ist. Für mich als Mutter ist das alles nicht nachzuvollziehen.

    Ansich wirkte die Mutter der Kinder auf mich nicht unsymphatisch (klingt jetzt vielleicht blöd) - die ersten Male, als sie eingeblendet wurde, kam mir nur ein verwundertes "so sieht eine Mutter aus, die ihre Kinder hat verdursten lassen?" in den Sinn.

    Als der Film zuende war, habe ich mich nur gefragt, wo die Trauer und die Reue in diesem Film zu erkennen sind. Vielleicht habe ich es einfach übersehen und jemand, der den Film ebenso gesehen hat, hat das vielleicht ganz anders aufgefasst als ich.

    LG
    Lola
     
  7. Carmen

    Carmen Namhaftes Mitglied

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    Kann es sein, dass der Film vor einigen MOnaten schon mal gezeigt wurde? Auch ziemlich spät am Abend?

    Ich hab das damals auch ähnlich empfunden, fand es aber total interessant, die eigentlichen Umstände/Zustände der Familie kennenzulernen...
    Die Hintergründe zu erfahren, WARUM sowas passieren konnte...

    Ich hab das so verstanden, dass die Mutter ja dann weg war und geglaubt hatte, dass die Oma nach den Kindern geschaut hat... die Oma aber dachte Ihre Tochter sei nun wieder zu Hause (ich glaub die älteste Tochter hatte sie damals gesehen als sie ein paar Sachen geholt hatte), aber dem war dann doch nicht so...

    Sprich, dass es eigentlich ein Mißverständnis zwischen den beiden war! Wobei die Tatsache, die Kinder tagelang unbeaufsichtig allein zu lassen sicherlich bis aufs Äußerste verurteilt werden muss!

    Wenn es der Film war, den ich gesehen hab, ging es doch zw. Mutter + Tochter auch darum, dass die Tochter behauptet hatte, ihr Vater hätte sie als Kind missbraucht, oder nicht?

    Ich fand das jedenfalls alles megakompliziert und es lag wohl in der Familie einiges im Argen...
     
  8. Lola

    Lola EF-Team Mitarbeiter

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    @ Carmen

    So wie sich das anhört, ist das der Film, von dem ich schreibe....

    Ja, in dieser Familie scheint einiges im Argen zu liegen...
     
  9. Seegirl

    Seegirl Guest

    @Lola_pennt

    Ich habs auch gesehen und muss sagen, das ich einfach sprachlos war. Wie kann eine Mutter ihre noch so kleinen Kinder einfach alleine lassen, ohne irgendwelche Ängste oder Probleme damit zu haben. Und wie du schon sagtes, keinerlei Reue oder Eingestehen, etwas falsch gemacht zu haben, nicht mal im Ansatz. :hae?
    Auch hat mich die Nachbarschaft schokiert, es ist einfach erschreckend, das sich eigentlich niemand mehr um den anderen schert. Nach diesem Beitrag hab ich mich einfach nur gefragt, wie weit muss eine Gesellschaft noch sinken und was muss noch alles passieren, bevor Kinder wieder so behandelt und geliebt werden, wie sie es eigentlich verdient hätten. Wie lange dauert es, bevor man endlich wieder kapiert, das Kinder unsere Zukunft sind und Kinder unsere uneingeschränkte Aufmerksamkeit und Liebe brauchen. :hilfe:
    Und Trauer konnte ich auch nicht finden, oder die Mutter hat es gut verborgen.
    ber mich beschäftigt noch eine andere Frage: Welches soll nun eine gerechte Strafe für diese Mutter sein und welche Mitschuld trifft diejenigen, die die Kinder haben schreien hören und nichts unternommen haben oder auch die Behörden, die nicht nachgeschaut haben. Es gibt so viele Fälle, wo Kinder einfach ihren Eltern weggenommen werden ohne vielleicht wirklichen Grund und hier hat man einfach weggeschaut :shake :crying
     
  10. Liliki

    Liliki Mensch

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    Hallo,


    Das ist natürlich eine 'gute' Frage, aber: alle Strafe dieser Welt macht dieses grauenhafte Schicksal der beiden Jungen nicht ungeschehen! Im Grunde ist diese Frau gestraft genug, wobei fraglich ist, ob sie die Tragweite ihres Handels jemals wird ermessen können? Wer so kleine Kinder ohne eine gut organisierte Betreuung überhaupt alleine lässt, ist ja letztlich 'krank' im Sinne normalen Sozialverhaltens.


    Wer will denn bestimmen, welche der ganzen direkten und indirekt Betroffenen welche 'Schuld' haben? Das enspricht ja mehr unserer eigenen Abwehr und Abgrenzung ... ich mag da nicht richten, sondern bin traurig darüber, was unter Menschen alles vorkommen kann.


    Ich wär als Mutter meiner damals Zweijährigen allenfalls im Mittagsschlaf bis zum Briefkasten gegangen, aber sicher niemals länger / weiter weg und kann mir daher nur vorstellen, dass die Mutter in ihrer heftigen Suche 'nach Liebe' alles ausgeblendet hat, was die Versorgung der Kinder angeht.


    Inwieweit allerdings das Medium 'Fernsehbericht' überhaupt so in die Tiefe gehen kann beim Beleuchten einer so furchtbaren Situation, mag ich noch mal in Frage stellen ... Berichterstattung bleibt letztlich immer 'oberflächlich' und 'meinungsbildend', selbst wenn sie sensibel und gut gemacht ist, weil sie 'für die breite Masse verständlich' gemacht werden muss.

    Ich glaube kaum, dass wir von außen die Frage nach 'Reue' oder 'Schuldempfinden' der Mutter beurteilen können ... da ist jede Menge Raum für Phantasie und Projektion offen ...



    LG Lili
     

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