Info -  Söhne, Töchter, Kuckuckskinder

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Teil 2:

Söhne, Töchter, Kuckuckskinder​


Den Nachwuchs groß ziehen - ganz so leicht ist das nicht. Und wie viel Mühe Mensch sich damit gibt, hängt auch davon ab, wie viel er damit gewinnen kann. Jede Investition in die Verwandtschaft muss sich rechnen - vor allem was die Weitergabe der eigenen Gene betrifft. Daher sind bei der Kinderpflege auch meist die Frauen an vorderster Front - denn nur sie können sich sicher sein, dass es sich tatsächlich um ihr eigenes Kind handelt.

Treue Frauen - gute Väter

Bei den Schimpansen kümmern sich allein die Weibchen um ihre Kinder. Den Männchen kommt der Schutz der ganzen Gruppe zu. Kein Wunder, denn Schimpansen halten nichts von Treue. Wird ein Weibchen fruchtbar, paart es sich munter mit allen Männchen, so dass schließlich kein Mann wissen kann, ob ein Kind von ihm ist. Anders geht es bei den südamerikanischen Löwenäffchen zu: Hier kümmert sich das Männchen rührend um die Kleinen, während seine Frau gleich wieder schwanger wird. Was die Männer motiviert: Löwenäffinen haben wenig Möglichkeiten zum Fremdgehen.

Kuckuckskinder gibt es reichlich

Bei unseren nächsten Verwandten halten sich die Männer also eher zurück, wenn's um's "Wickeln" geht. Doch wie ist das bei uns Menschen? Unsere Paarungssysteme reichen von Haremskultur bis zur Einehe - in beiden Fällen könnte sich der Mann über seine Vaterschaft sicher sein. Doch Pustekuchen. Jedes System hat seine Lücken - vorsichtige Schätzungen gehen bei uns von zwei "Kuckuckskindern" pro Schulklasse aus

Vaterschaft macht Vaterliebe

Um ihren Partner in die Kinderaufzucht einzuspannen, muss sich die Frau schon etwas einfallen lassen. Das geht im Kreißsaal los: Hebammen erzählen gerne, dass Mütter und ihre Verwandten gleich nach der Geburt die Ähnlichkeit zwischen Baby und Vater betonen - egal wie zerquetscht das Kleine aus dem Bauch kommen mag.

Diese Frau gehört mir

Sind keine Ähnlichkeiten da, bleibt nur das Vertrauen in die Ehrlichkeit der Partnerin - für viele Männer ist das zu wenig. In manchen Kulturen ist es immer noch üblich, die Frau sexuell zu monopolisieren - sie durch Ächtung, Gewaltandrohung oder ganz pragmatische Maßnahmen wie den mittelalterlichen Keuschheitsgürtel vom lockenden Nachbarn fernzuhalten. Für den modernen westlichen Mann gibt es elegantere Methoden - den Vaterschaftstest. Allerdings streiten die Gerichte noch darüber, ob zweifelnde Väter auch ohne Zustimmung der Mutter den Test machen dürfen.

Großväter doppelt unsicher

Das zwiespältige Verhältnis, das manche Väter zu ihren Kindern haben, setzt sich bei den Großeltern fort. Während sich die Großmutter mütterlicherseits sicher sein kann, dass sie mit ihrem Enkel verwandt ist, ist die Unsicherheit des Großvaters väterlicherseits bereits verdoppelt. Er war vielleicht schon bei seinem eigenen Sohn über die Vaterschaft im Zweifel. So haben dann auch Befragungen an über 2.000 Personen unterschiedlichen Alters ergeben, dass sich die mütterlichen Großeltern im Schnitt mehr um die Person gekümmert haben als die väterlichen Großeltern. Inwieweit allerdings die Vertrautheit der Hauptbezugsperson, der Mutter, zu ihren eigenen Eltern und die Fremdheit zu den Schwiegereltern eine Rolle gespielt haben, ist damit natürlich nicht gesagt.

Liebste Oma ...

Wie wichtig der Einfluss der Großeltern sein kann, hat eine systematische Untersuchung alter Kirchenbücher aus der Krumhörn im Norden Deutschlands ergeben: Kinder, die eine Großmutter hatten, hatten bessere Überlebenschancen als Kinder ohne. Vor allem um die Zeit des Abstillens konnte die Erfahrung und Hilfe der Oma über die Überlebenschancen des Babys entscheiden.

... oder böse Schwiegermutter

Doch die Kirchenbücher ergaben auch: Oma ist nicht gleich Oma. Schwiegermütter hatten oft einen negativen Einfluss auf die Chancen der Enkel. Viele Neugeborene überlebten die ersten Lebensmonate nicht, wenn eine Schwiegermutter in der Nähe war. Die Wissenschaftler spekulieren, dass die Schwiegermütter mit zu viel Druck die Unterodnung der jungen Frauen und die Kontrolle der ehelichen Treue einforderten.


Jungen bevorzugt - oder doch nicht?



Neben der unsicheren Vaterschaft gibt es andere Faktoren, die das Verhalten der Eltern gegenüber ihrem Nachwuchs beeinflussen. So entscheidet häufig das Geschlecht der Kinder über die Mühen, die sich die Eltern mit ihnen machen. Nicht nur in Indien und China werden Mädchen oft schlechter genährt und behandelt als Jungen - oder sogar von ihren Eltern getötet. Der Grund: Weiblicher Nachwuchs kommt die Eltern in diesen Kulturen teuer zu stehen.

Nur einer kann erben

Hof und Land konnte nicht alle Kinder ernähren.
Manchmal kann es aber auch von Nachteil sein, als Junge geboren zu werden. So hatten im bereits zitierten Krumhörn die jüngeren Söhne reicher Großgrundbesitzer schlechtere Überlebenschancen als ihre ältesten Brüder. Sie waren eine Art Ballast, denn erben konnte den Hof nur einer - der älteste Sohn - sonst wäre die Wirtschaftskraft über kurz oder lang zerstört worden. Für die Jüngeren blieb daher nur der Weg in die Stadt, an die Universität oder in die Geistlichkeit - wenn sie nicht durch die schlechtere Fürsorge der Eltern sowieso frühzeitig gestorben sind.
 
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Gut genährt ist reich vermehrt


Wann und wie viele Kinder Primaten haben, hängt ganz von der Lebenssituation ab, in der sich die Eltern befinden. Auch beim Menschen ist das nicht anders: Noch immer setzen Mütter ihr Kind aus oder töten es sogar, wenn sie sich außer Stande sehen, das Kleine groß zu ziehen. In manchen Städten gibt es für unerwünschte Kinder eigens Babyklappen - eine Möglichkeit, sein Kind anonym zur Adoption frei zu geben.
Ein wesentlicher Faktor für die Bereitschaft zur Kinderaufzucht ist der Ernährungszustand der Mutter. In Jodhpur bekommen Languren, eine Affenart, vermehrt Zwillinge, denn in diesem Teil Indiens gelten diese Tiere als heilig und werden reichlich gefüttert. Da kann es sich "Frau" schon leisten, zwei Kinder gleichzeitig zu säugen.

Teilen gern - aber später

Auch bei uns Menschen gilt die alte Faustregel, dass eine stillende Frau nicht schwanger werden kann, in gut genährtem Zustand nicht. Nicht einmal der Säugling selbst kann die Mutter durch vermehrtes Trinken während der Nacht - Brustkontakt verhindert hormonphysiologisch den Eisprung - und andere mutterplagende Strategien von einem frühen Eisprung abhalten. Dabei hätte das Kleine großes Interesse daran, einige Jahre alleine versorgt zu werden. In der Regel ist es für die Mutter bereits sinnvoll, in das nächste Kind zu investieren, wenn das Kind noch nicht davon profitiert, die Aufmerksamkeit der Mutter mit dem - verwandten - Geschwister zu teilen.

Wenig Kinder haben ist "in" ...

Aber was das Teilen angeht, haben es Menschenkinder ohnehin sehr gut. Während andere Säuger sechs oder acht Milchdrüsen haben, gibt es bei Menschen und Menschenaffen nur noch zwei. Ein Anzeichen dafür, dass Primaten nach weniger Kindern streben als viele andere Säugetiere. In den westlichen Industrieländern macht sich das auch in der Geburtenrate bemerkbar. Während eine Schimpansendame in ihrem Leben noch vier bis fünf Kinder zur Welt bringt, beschränkt sich die durchschnittliche Mitteleuropäerin statistisch auf 1,2 Nachkommen.

... aber eine Sackgasse der Evolution

Zwar hat sich das Alter, in dem Mädchen ihre erste Periode bekommen, durch den guten Ernährungszustand in den letzten Jahrzehnten von 14 auf 11 Jahre verringert, doch das Alter der Erstgebärenden liegt oft jenseits der Dreißig. Eine Entwicklung, die man beim besten Willen nicht mehr evolutionsbiologisch erklären kann - und die langfristig zum Aussterben verurteilt ist. Der Hang zur Kinderlosigkeit kann nun mal nicht stabil vererbt werden - so ohne Nachkommen.
 
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