Babys in aller Welt – verschiedene und doch verblüffend ähnlich

Was glauben Sie eigentlich – wächst ein Kind in Amerika anders auf als eines in Afrika? Gibt es entscheidende Unterschiede in der Entwicklung, und wie stark prägt die Umgebung? Verblüffende Antworten auf diese spannenden Fragen liefert eine faszinierende Dokumentation, die jetzt in den Kinos bundesweit anläuft. Der selbsterklärende Titel: „Babys“.

Regisseur Thomas Balmès war bisher eher für Aufsehen erregende Kriegsreportagen, für politisch und gesellschaftlich brisante Beiträge bekannt. Der Franzose ist selbst Vater von drei Kindern und schien sich eines Tages gedacht zu haben – wieso in die Ferne schweifen, wenn die spannendsten Themen mitunter in den eigenen vier Wänden liegen? Genau mit diesem Ansatz hat er es geschafft, eine brilliante und spannende Dokumentation zu schaffen – ohne Effekte, ohne Kriegsschauplätze, aber mit einer großartigen Beobachtungsgabe. Die „Hauptdarsteller“ seines rund anderthalbstündigen Films sind Babys – vier junge Weltenbewohner, wie sie unterschiedlicher kaum aufwachsen könnten. Da ist zum Einen Mari, Nesthäkchen einer modernen japanischen Familie. Ihr Leben in der rauschenden Metropole Tokio zwischen Bildungsspielen und Ausflügen wird ebenso aufgezeichnet wie das des kleinen Ponijao, welcher zusammen mit zahlreichen Verwandten und Dorfnachbarn in einer nambianischen Hütte aufwächst. Und ein weiterer Gegensatz tut sich auf: Die amerikanische Hattie, welche mit ihren gut situierten Eltern in der Nähe San Franciscos zu Hause ist – oder Bayar, wohnhaft mitten in der mongolischen Steppe. Sie alle schaffen es ganz ohne geschriebene Dialoge in die Köpfe und Herzen der Zuschauer – mit ihrer unbestechlich kindlichen Art, die Welt zu entdecken und die Kameras, die sie dabei beobachten, schlichtweg zu ignorieren. So schafft es der Regisseur, mit „Babys“ faszinierende Bilder vom Aufwachsen und Groß werden rund um den Erdball einzufangen – ganz kommentarlos, ganz unparteiisch. Denn ob die Erziehung durch Dorfälteste besser oder schlechter ist als das Leben in einer Ein-Kind-Familie, bleibt auch nach der Dokumentation offen. Vielmehr zeigt uns der Film vielleicht, dass es nicht die eine Lösung für Alles gibt – und dass Kinder ein spannendes, immer wieder unvorhersehbares Abenteuer bleiben. Allen Erziehungsstrategien zum Trotz…

Film „Babys“, Regisseur: Thomas Balmès, Verleih: arthaus. Filmstart in Deutschland: 19. August

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