Plötzlich nicht mehr alleinerziehend: Tipps für (neue) Patchwork-Familien

In Deutschland gibt es immer mehr Patchwork-Familien – auf Deutsch auch Stieffamilien genannt. Es handelt sich dabei um eine Lebensgemeinschaft, in welcher mindestens ein Partner wiederum mindestens ein Kind aus einer früheren Beziehung mitbringt und wo dieses Kind zumindest zeitweise auch im gleichen Haushalt wohnt. Manchmal bringen sogar beide Partner Kinder mit in die Familie, die vielleicht wiederum von mehreren früheren Partnern stammen. Die Patchwork-Familie hat also viele Gesichter, jedoch bringt sie in den meisten Fällen eine Gemeinsamkeit mit sich: Ein Elternteil war zuvor, zumindest eine Zeit lang, alleinerziehend und lebt nun mit dem neuen Partner in einem gemeinsamen Haushalt. Viele Eltern, Stiefeltern und auch Kinder wissen dann erst einmal nicht, wie sie am besten mit der veränderten Lebenssituation umgehen sollen.

Jede zehnte Familie in Deutschland ist „Patchwork“

Je nachdem, was als eine Patchwork-Familie betrachtet wird und was (noch) nicht, liegen die Werte bei sieben bis 13 Prozent der Familien in Deutschland. Somit ist durchschnittlich jede zehnte deutsche Familie eine solche Stieffamilie. Dabei handelt es sich zu 47 Prozent um Stiefvaterfamilien, sprich eine alleinerziehende Mutter lebt mit einem oder mehreren Kindern und einem Mann, welcher nicht deren biologischer Vater ist, in einem gemeinsamen Haushalt. Dass ein solches Zusammenleben allerhand Konflikte sowie Missverständnisse mit sich bringen kann, liegt auf der Hand.

Nicht nur, dass sich das Paar erst einmal finden und einen gemeinsamen Alltag entwickeln muss. Durch die Kinder wird diese Herausforderung noch deutlich größer, denn diese müssen plötzlich die Aufmerksamkeit ihrer Mutter oder ihres Vaters, ihr Zimmer oder ihren Lebensraum im Allgemeinen mit weiteren Personen teilen, seien es eben der Stiefvater, die Stiefmutter oder die Stiefgeschwister. Das Zusammenziehen ist für ein Paar also ein noch größerer Schritt, wenn Kinder mit im Spiel sind. Ein Schritt, der gut überlegt sein will und nur in stabilen Beziehungen Sinn macht, denn folgt auf den Einzug schon kurze Zeit später wieder der Auszug, ist das für die Kinder eine enorme Belastung. Sie sollten sich also dauerhaft auf die neue Lebenssituation einstellen können.

Kinder brauchen Stabilität – auch in Umbruchsituationen

Auf das Kind kommen durch das Zusammenziehen der Stieffamilie eine Menge Veränderungen zu. Bekanntlich brauchen Kinder aber vor allem Stabilität und Sicherheit. Wie gut sie mit diesen Änderungen umgehen können, hängt von verschiedenen Faktoren wie dem Alter des Kindes, seiner Persönlichkeit sowie auch der Beziehung zum neuen Partner beziehungsweise der neuen Partnerin des Elternteils ab. Einen großen Anteil trägt zudem das Verhalten der Erwachsenen gegenüber dem Kind bei. Für dieses herrscht nun nämlich in erster Linie Unsicherheit – eine Beziehungsunsicherheit gegenüber der oder den neuen Personen im Haushalt, gegenüber der Mutter oder dem Vater, gegenüber einem neuen Alltag, gegenüber der Zukunft im Allgemeinen. Damit das Zusammenziehen möglichst reibungslos funktioniert und sich alle Parteien schnellstmöglich aneinander gewöhnen, ist es deshalb wichtig Sicherheit, Klarheit und Stabilität für das Kind herzustellen. Was bedeutet das?

Es geht darum, möglichst frühzeitig sowie klar dem Kind die eigenen Pläne zu kommunizieren. Je nach Alter, sollte es zudem ein Mitspracherecht besitzen, beispielsweise hinsichtlich der Zimmeraufteilung. Das Kind sollte sich keineswegs von den Entscheidungen überrannt beziehungsweise übergangen fühlen, sondern sich in Ruhe auf die neue Lebenssituation einstellen können und eben unter Umständen auch eine eigene Stimme haben, wenn es um essentielle Fragen geht. Zudem ist es wichtig, alte Regeln bestmöglich beizubehalten und, wenn notwendig, neue Regeln festzulegen sowie ebenfalls allen Personen im Haushalt gegenüber deutlich zu machen. Das Kind sollte also genau wissen, was auf es zukommt, was von ihm erwartet wird, was es darf, und, und, und…

Inwiefern sollte sich der neue Partner in die Erziehung einmischen?

Wie bereits erwähnt, stellt die Beziehungsunsicherheit oft einen wichtigen Faktor für die Kinder dar. Sie wissen einerseits nicht, inwiefern sich die Beziehung zu ihrer Mutter beziehungsweise ihrem Vater fortan ändern wird und andererseits wie sie zum neuen Familienmitglied stehen (sollen). Viele Kinder wünschen sich noch die Rückkehr zur „alten“ Familie mit ihren biologischen Eltern und lehnen den Stiefvater oder die Stiefmutter ab. In solchen Fällen ist es am besten, wenn sich die betreffende Person gänzlich aus der Erziehung raushält und dem Kind einfach Zeit lässt, um sich an die neue Situation zu gewöhnen und Vertrauen zu fassen.

Akzeptiert das Kind das Stiefelternteil hingegen als neuen Vater oder neue Mutter, weil es beispielsweise schon lange Zeit den Wunsch nach einer „richtigen“ Familie gehegt hat oder sie schon eine enge Bindung aufgebaut haben, ist es durchaus auch möglich, dass derjenige ein Teil der Erziehung wird. In diesem Fall müssen sich die Erwachsenen aber unbedingt abstimmen, wie sie diese Erziehung handhaben werden. Ausgangspunkt sind dabei natürlich jene Regeln, die bislang auch galten.

Fazit: Patchwork-Familien müssen mutig sein – aber vernünftig!

Schlussendlich gibt es keinen richtigen oder falschen Zeitpunkt, um vom alleinerziehenden Haushalt zur Patchwork-Familie zu werden. Jedes Paar muss selbst entscheiden, ob und wann es so weit ist. Wichtig ist, die Kinder dabei nicht außer Acht zu lassen und strategisch sinnvoll vorzugehen. Angst ist hingegen fehl am Platz, denn wer Zweifel an seiner Entscheidung hat, überträgt diese auch auf die Kinder. Wer sich also überfordert oder unsicher fühlt, sollte sich Rat bei anderen Erfahrenen mit Stieffamilien holen – sei es persönlich oder über spezielle Ratgeber für Eltern. Wenn aber alle an einem Strang ziehen, die Kinder mitreden dürfen und ausreichend Zeit bekommen, um sich an die neue Lebenssituation zu gewöhnen, steht dem Familienglück in den meisten Fällen nichts mehr im Weg!

Kommentarfunktion ist deaktiviert