Online-Spielsucht erkennen und behandeln

Spielsucht – Wie ist die anerkannte Krankheit erkenn- und therapierbar? Als die Weltgesundheitsorganisation WHO im Juni 2018 die Neuauflage der Liste anerkannter Krankheiten veröffentlichte, war unter den Zugängen auch die Sucht nach Glücksspielen zu finden.

Im medizinischen Sprachgebrauch Pathologisches Glücksspiel genannt, wird diese psychologische Erkrankung in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen. Dabei sind die Symptome und Auswirkungen der Spielsucht gravierend.

Pathologisches Glücksspiel erkennen

Spielsüchtige sind wie Alkoholiker, Kleptomane oder Arzneimittelabhängige überaus erfindungsreich, geht es darum, ihre krankhafte Vorliebe zu vertuschen. Allerdings gibt es eine Reihe von unverwechselbaren Symptomen, an denen sich diejenigen Spieler erkennen lassen, die dem Glücksspiel auf pathologische Weise verfallen sind.

– Bei diesen Patienten dreht sich im Prinzip alles darum, wann sie wieder spielen können und dies möglichst schnell. In der Anfangsphase der Erkrankung organisieren sie ihren Tagesablauf so, dass möglichst viel Zeit zum Spielen verfügbar ist. Dabei werden berufliche Pflichten ebenso vernachlässigt, wie soziale Kontakte; sogar zu den Eltern, dem Partner oder den eigenen Kindern.

– Bei Spielsüchtigen steht das Beschaffen von Geld im Zentrum, denn nur so können sie ihre Sucht befriedigen. Diese Erkrankten scheuen nicht davor zurück, sich Geld zu leihen, das Sparschwein des Nachwuchses zu plündern, sich an der Kasse auf dem Arbeitsplatz zu vergreifen oder das letzte Bare vom Konto abzuheben, obwohl die Miete und die Stromrechnung davon bezahlt werden müssen.

– Wer im Teufelskreis der Glücksspielsucht gefangen ist, der erhöht permanent die Einsätze; oft auch das spielerische Risiko. Immer in der Hoffnung, mit dem großen Jackpot alles zurückzahlen zu können. Außerdem ist es dem Betroffenen nur auf diese Weise möglich, seine zwischenzeitlich abgestumpften Süchte erneut zu befriedigen.

– Spielsüchtige leben im Irrglauben, sie wären in der Lage das Spiel zu kontrollieren, vielleicht auch zu manipulieren. Jeder Versuch das Spielen zu begrenzen oder gar aufzugeben, scheitert. Immer wenn der Suchtspieler sich zeitweise oder ganz vom Blackjack, Roulette oder dem Automaten fernhalten will, wird er von einer inneren Unruhe befallen. Diese kann zu einer gereizten oder aggressiven Stimmung führen, was gelegentlich in Wutausbrüchen gipfelt.

– Hat der Spieler Geld verloren, wird er immer den Versuch unternehmen, dieses zurückzugewinnen.

– Eine realistische Selbsteinschätzung zur krankhaften Spielleidenschaft besteht bei pathologischen Glücksspielern nicht mehr. Diese sind gut daran zu erkennen, dass sie die Situation beschönigen und deren Brisanz herabspielen.

Therapie des Pathologischen Glücksspiels

Die Glücksspielsucht wurde inzwischen auch von den Krankenkassen und Rentenversicherungsträgern als Krankheit anerkannt. Daraus ergeben sich bedeutende Rechte für die Betroffenen. Zu diesen gehört der Anspruch auf eine kostenfreie stationäre oder ambulante Behandlung sowie Nachsorge.

Im Bereich der Rehabilitation von Spielsüchtigen sind Wiedereingliederungsmaßnahmen und sogar Umschulungen möglich. In besonderen Fällen können Patienten in stationärer Behandlung auch Übergangsgeld erhalten.

In der Therapie werden verschiedene Wege der psychologischen Behandlung beschritten, darunter auch solche mit medikamentöser Begleitung. Gruppen- und Einzelgespräche haben ebenso Erfolge gezeigt, wie die Selbsthilfegruppen, die meist in der Nachbehandlung auf den Plan gerufen werden.

Vorboten einer zukünftigen krankhaften Abhängigkeit von Glücksspielen

Eltern sollten bei ihrem Nachwuchs darauf achten, dass dieser nicht seine gesamte Freizeit vor dem Computerbildschirm oder mit dem Handy beim Spielen vergeudet. In der Tat sind zahlreiche Games mit lehrreichem Inhalt verfügbar.

Das große Geld verdient die Spieleindustrie aber mit Rollen-, Abenteuer- sowie den sogenannten Ballerspielen. Genau diese sind bei Kindern sowie Jugendlichen überaus beliebt. Zugleich stehen diese aber bei Medizinern in Verdacht, eine krankhafte Spielsucht zu begünstigen oder gar auszulösen.

Fazit

Beginnen Kinder damit, ihre Hausaufgaben für die Schule zu vernachlässigen und sinkt der Notenspiegel, ist Vorsicht geboten. Zieht sich der Sprössling zudem aus dem Familienleben zurück, um zu spielen, dann ist dies ein ernstzunehmendes Alarmzeichen. Erfahrungsgemäß ist der Weg sehr kurz, wenn Computer- und Automatenspiele zur Sucht werden.

Im Notfall kann es hilfreich sein, gewisse Internetseiten zu sperren oder nur einen limitierten Zugang zum Internet zu erlauben, damit man Automatenspiele Sucht bekämpfen kann. Immer sollte aber ein Psychologe oder ein auf das Thema spezialisierter Psychotherapeut hinzugezogen werden.

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