Stress bei Kindern

Stress hat jeder, so viel ist sicher. Jedoch fühlt sich nicht jede Situation, in der Stress erlebt wird, gleich an. Früher wurde zwischen dem sogenannten Dysstress und Eustress unterschieden. Ersterer stand für die negativ besetzte, potentiell krankmachende Art von Stress. Eustress, so die veraltete Vorstellung, ist die Sorte Stress, die uns zwar heraus-, jedoch nicht überfordert und eine Weiterentwicklung unserer Fähig- und Fertigkeiten zur Folge hat.

Mittlerweile sind sich Neurowissenschaftler weitgehend einig, dass es lediglich eine Art von Stress gibt, die allerdings hinsichtlich dessen, wie sie wahrgenommen wird, stark variieren kann.

Stressreaktionen des Körpers

Um überhaupt von einem Zustand zu sprechen, in dem ein Mensch gestresst ist, ist vor allem die Konzentration bestimmter Hormone ausschlaggebend. Im Nebennierenmark werden in Belastungssituationen vermehrt Adrenalin und Noradrenalin gebildet. Zudem steigt der Cortisolspiegel. Sollten sich diese Prozesse häufiger wiederholen, wirkt sich dieser Umstand negativ auf den Gesundheitszustand aus. Lang anhaltender oder häufig wiederkehrender Stress begünstigt beispielsweise die Anfälligkeit des Körpers für Infektionskrankheiten, da jedweder Stress die Funktion des Immunsystems einschränkt.

Diesen Umstand verdanken wir evolutionären Prozessen, in denen der Körper sein Überleben wiederholt dadurch sichern konnte, dass in akuten Gefahrensituationen nur bestimmte Bereiche des Körpers voll durchblutet wurden. Dabei handelt es sich um diejenigen Körperteile, die relevant waren, um der Stressursache zu entkommen, beispielsweise die Beinmuskulatur, im Falle eines Raubtierangriffs.

Das Immunsystem ist in einem solchen Moment eher nebensächlich, denn die potentielle Gefahr einer Grippe wird vom Körper (zurecht) als weniger wichtig eingestuft, als die Bedrohung durch eine akute Gefahr wie eben die durch das Raubtier. Der moderne Mensch findet sich in der Regel zwar nicht Auge in Auge mit einem Wolf oder Bären konfrontiert, der Körper reagiert aber noch sehr ähnlich auf Stressoren.

Ebenso wird die Funktion des Darms bei Stress nur noch auf das Notwendigste reduziert. Es kann zu Verstopfungen oder sogar schwerwiegenderen Darmerkrankungen kommen. Eine weitere Gefahr von Stress ist die dadurch begünstigte Möglichkeit einer Herz-Kreislauf-Erkrankung, beispielsweise einem Schlaganfall oder Herzinfarkt. Weitere Risiken sind Verspannungen, Tinnitus, Burn-Out oder Angsterkrankungen.

Stressoren

Stressoren können sehr unterschiedlich sein. Entscheidend ist die Wahrnehmung des jeweiligen Menschen. Während der extrovertierte Mensch sich vielleicht während einer Videokonferenz auf der Arbeit sehr wohl fühlt, bedeutet die gleiche Situation für einen leicht sozialphobischen Menschen bereits ein erhöhtes Stresslevel. Es gibt allerdings eine Reihe von Faktoren, die von einer Mehrheit der Gesellschaft, fast unabhängig von Ort und Zeit, in hohem Maße als stressfördernd empfunden werden.

Dazu gehören unter anderem Zeit- und Leistungsdruck, finanzielle Not, längerfristige Krankheit, Wohnortwechsel, Beziehungsprobleme oder die Konfrontation mit (weiteren) angstbehafteten Themen. Um einzuschätzen, in welchem Ausmaß sich diese negativ auswirken können, sind drei Merkmale relevant. Die Dauer des Stresses, die Stressintensität und das Kontrollgefühl des Betroffenen. Hat die betroffene Person nicht das Gefühl, die anfallenden Beanspruchungen bewältigen zu können, wirkt sich das negativ auf ihr individuelles Stressempfinden aus und verstärkt die entsprechenden Symptome.

Stress bei Kindern

Laut Forschungen der University of Washington haben bereits Babys ein sensibles Empfinden für Stress. Streitende Erwachsene werden genau beobachtet. Verhält sich eine der Personen aggressiv während sie mit einem bestimmten Spielzeug agiert, werden auch die Babys misstrauisch und wollen mit dem entsprechenden Gegenstand nicht mehr so gerne spielen.

Obgleich sich die erwachsene Person im weiteren Verlauf der Verhaltensbeobachtung wieder neutral dem Spielzeug gegenüber verhielt, blieb das Misstrauen seitens der Babys bestehen. Diese Reaktion stellt eine adaptive Methode dar, die den Babys dazu dient, sich vor potentiellen Gefahren durch unbekanntes zu schützen.

Die Beobachtungen belegen, dass sich stressfördernde Situationen bereits auf das Verhalten von sehr kleinen Kindern auswirken. Überträgt man diese Erkenntnisse auf Alltagssituationen, gilt es zu untersuchen wie lange und häufig diese dem Stress ihres Umfelds ausgesetzt sind. Genauso wie Erwachsene, können sie durch zu viel Stress erkranken.

Den Alltag entschleunigen

Es gibt ein paar einfache Regeln für den Alltag jeder Familie, die dazu beitragen können, Stress für Kinder zu reduzieren. Beispielsweise sollten immer ausreichend Zeitpuffer eingeplant werden, damit kein Zeitdruck entstehen. Eltern sollten sich, nach Möglichkeit, nicht vor ihrem Kind streiten und ganz allgemein auf ihren Tonfall in der Kommunikation mit ihren Angehörigen achten. Zudem ist es wichtig, nicht so starke Leistungsanforderungen an das Kind zu stellen.

Gute Förderung kommt auch ohne Druck aus und ist dadurch in der Regel sogar zielführender. Auch laute Geräusche können auf Dauer starken Stress hervorrufen. Es bietet sich daher an, auf eine möglichst ruhige Lage des Kinderzimmers zu achten und während großer Veranstaltungen gegebenenfalls auf geräuschdämpfende Ohrenschützer zurückzugreifen. Gleichzeitig sollte immer auf ausreichend erholsame Regenerationsphasen geachtet werde, zum Beispiel während des Schlafens. So kann das Kind erholt in den Tag starten und ist weniger anfällig für stressbedingte Unannehmlichkeiten.

Quellen:

  1. https://www.medmeister.de/stress/
  2. https://polizei.news/2016/03/30/frueh-uebt-sich-kleinkinder-erkennen-stress/

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