Zeugnis-Phase: Wie Eltern ihre Kinder richtig unterstützen

Schulzeugnisse sind nicht immer Grund zu freudiger Erwartung. Gab es in den ersten beiden Klassen meist noch eine wohlwollende, schriftliche Beurteilung, weicht die sanfte Gangart ab der dritten Klasse dem klassischen Notensystem. Für Kinder und Jugendliche, die sich in der Schule etwas schwer tun, kann die bevorstehende Zeugnisausgabe großen Druck bedeuten. Wege zur Entlastung und Unterstützung sollten Eltern daher schon vor dem „großen Tag“ suchen. 

Vor und nach den Zeugnissen: Wieder in die Spur kommen

Geht es in der Schule leistungstechnisch bergab, gibt es hierfür meist mehr als nur einen Grund. Eltern sollten bei Schwierigkeiten stets wissen, dass nicht ihr Kind alleine verantwortlich für dürftige Zensuren ist, sondern intensiver nach Ursachen und möglichen Hilfen suchen. Das ist besonders wichtig, um den Selbstwert eines Kindes nicht zu beschädigen. Glaubt ein Schüler nämlich, seine Eltern geben ihm die Schuld für seine schlechten Noten, führt das meist zu

  • Selbstvorwürfen,
  • noch stärkerem Druck,
  • Ängsten
  • und Stresssymptomen.

In der Regel sind es nicht alle Fächer, in denen sich ein Trend zu schlechten Zensuren abzeichnet. Klassenarbeiten sind meist ein guter Indikator für die allgemeine Entwicklung und können Hinweise darauf liefern, in welchen Schulfächern Handlungsbedarf besteht. Ist ein Kind beispielsweise in Deutsch stark und schreibt es hier gute Noten, muss an dieser Stelle selbstverständlich nichts getan werden. Zeichnen sich zeitgleich in Mathematik sinkende Leistungen ab, kann rechtzeitiges Eingreifen sinnvoll sein. Mit rechtzeitig gemeint ist hier: In jedem Fall noch vor den Zeugnissen.

Die Leistungen des eigenen Kindes sollten Eltern am besten schon während des Schuljahres verfolgen. (Quelle: anaterate (CC0-Lizenz)/ pixabay.com)

Die Leistungen des eigenen Kindes sollten Eltern am besten schon während des Schuljahres verfolgen. (Quelle: anaterate (CC0-Lizenz)/ pixabay.com)

Aus diesem Grund sollten Eltern die Klassenarbeiten ihrer Kinder stets im Blick behalten und aktiv das Gespräch suchen. Die meisten Kinder fühlen sich besser, wenn Mama und Papa dabei behilflich sind, die schulischen Leistungen wieder auf Vordermann zu bringen. Eine erste Maßnahme in diesem Zusammenhang kann selbstverständlich gemeinsames Lernen sein. Nicht nur in Eigenregie, sondern auch mit Lernsoftware und professionell gestalteten Online-Inhalten lassen sich Inhalte üben, die dem aktuellen Lehrplan entsprechen. Was das Lernen selbst betrifft, gibt kapiert.de einige Tipps für mehr Effizienz und Erfolg.

Haben Eltern nicht genügend Zeit, mit ihren Kindern zu lernen, sollten sie nach alternativen Lösungen suchen. Insbesondere, wenn der eigene Vollzeitjob eine intensive Auseinandersetzung mit dem Schulstoff verhindert, kann die Inanspruchnahme zusätzlicher Nachhilfe sehr sinnvoll sein. In vielen Städten gibt es nicht nur private Nachhilfelehrer, sondern auch Institutionen, die sich mit der Unterstützung hilfebedürftiger Schüler auskennen.

In jedem Fall sind gemeinsames Lernen, die Bereitstellung zusätzlicher Lernmaterialien und Nachhilfe auch nach dem Zeugnis gute und sinnvolle Ideen. Immerhin zeigt sich Handlungsbedarf nirgends so deutlich wie in den festgelegten Noten am Schluss des Halbjahres oder des Schuljahres.  Hier wiederum gelten die gleichen Grundsätze: Zusätzliche Hilfe ist vor allem dort angebracht, wo sich Defizite zeigen. Fächer, in denen alles „rund“ läuft, sollten nicht noch zusätzlich zum Thema gemacht werden. Das nämlich kann wiederum ein Grund für zu viel Stress sein.

Schulstress als Ansatzpunkt

Wenngleich Zeugnisse als Indikator für die Leistungsfähigkeit des eigenen Kindes in der Schule gehandelt werden, können die Noten nicht nur diesen Aspekt verdeutlichen.  Auch intelligente Kinder, die grundsätzlich viel leisten könnten, werden immer häufiger Opfer von Schulstress, der sich letztlich auch auf die Noten auswirkt. In einer Umfrage zeigt sich, welche Reaktionen Kinder in Bezug auf Schulstress besonders häufig zeigen. Rund 57 Prozent der befragten Eltern gaben Unkonzentriertheit als Stress-Folge an, während fünfzig Prozent über Kopf- oder Bauchschmerzen berichteten. Auch Traurigkeit, Aggressionen, häufigere Erkrankungen und Lern- oder Leistungsstörungen sind durchaus denkbar, haben in diesem Fall aber nichts mit dem eigentlichen Potenzial des Kindes zu tun.

Schulstress kann nicht nur belastend sein, sondern auch die Noten verschlechtern. (Quelle: rubberduck1951 (CC0-Lizenz)/ pixabay.com)

Schulstress kann nicht nur belastend sein, sondern auch die Noten verschlechtern. (Quelle: rubberduck1951 (CC0-Lizenz)/ pixabay.com)

Auf dem Weg hin zu besseren Zeugnisnoten sollten Eltern sich daher nicht nur auf den Lernstoff und zusätzliches Üben fokussieren. Auch das Erkennen möglicher Stressfaktoren ist wichtig. In manchen Fällen nämlich steigt die Leistungskurve nach Beseitigung dieser Stressoren von ganz alleine wieder an.

Geht es um Stressfaktoren, die im Schulalltag entstehen können, gibt es zahlreiche relevante Punkte. Unter anderem verantwortlich für eine zu große Belastung können:

  • Streitigkeiten mit Mitschülern,
  • Probleme mit einzelnen Lehrkräften,
  • zu viele Hausaufgaben
  • oder auch schlechtes Lernklima im Klassenraum

sein. Um herauszufinden, welche Faktoren das eigene Kind negativ beeinflussen, kann ein Gespräch mit der Klassenlehrkraft sinnvoll sein. Insbesondere vor den Zeugnissen bieten viele Schulen ohnehin Elternsprechtage oder auch individuelle Gespräche an, in denen die persönliche Situation des Kindes gemeinsam erörtert werden kann. Eltern sollten hier nicht zögern, auch eine mögliche Stressbelastung anzusprechen, denn nicht immer sind sich Lehrer dieser Tatsache bewusst.

Zeugnisse als Gefahr für den Selbstwert

Ganz gleich ob die Zeugnisse noch anstehen, oder ob das Dokument bereits in einer Klarsichthülle nach Hause gebracht wurde: Wie Eltern mit schlechten Noten oder mangelnder Leistung umgehen, ist für Kinder unglaublich wichtig. Das Gefühl familiären Zusammenhalts und bedingungsloser Liebe zu vermitteln, gehört zu den Hauptaufgaben von Eltern, die ihre Kinder auch in psychologischer Hinsicht sinnvoll unterstützen wollen.

Eltern und Kinder sollten das Wir-Gefühl auch in schwierigen Zeiten nicht vernachlässigen. (Quelle: ArtWithTammy (CC0-Lizenz)/ pixabay.com)

Eltern und Kinder sollten das Wir-Gefühl auch in schwierigen Zeiten nicht vernachlässigen. (Quelle: ArtWithTammy (CC0-Lizenz)/ pixabay.com)

In Gesprächen mit dem eigenen Kind über seine schlechten Noten sind Vorwürfe, die Androhung von Strafen, offen ausgelebte Enttäuschung und Wut daher nicht angebracht. Im stressigen Familienalltag jedoch kann es schnell zu Situationen kommen, bei denen eine Überreaktion seitens der Eltern denkbar ist. Daher ist es nur zu empfehlen, das Gespräch erst dann zu suchen, wenn eine entspannte Stimmung vorherrscht und Zeitdruck keine Rolle spielt. Eltern sollten im Gespräch versuchen, ihrem Kind aktiv zuzuhören und auf Belehrungen oder die Bagatellisierung von Sorgen und Nöten zu verzichten. Aktives Zuhören im Gespräch mit Kindern behandelt auch das gezeigte Video.

Die grundsätzliche Nachricht, die Eltern ihren Kindern dabei vermitteln sollten: „Du bist nicht nur deine Noten, sondern auch ein liebenswürdiger und toller Mensch!“ Erfahren Kinder trotz eines schlechten Zeugnisses oder drohender „mieser“ Noten, dass ihre Eltern sie bedingungslos wertschätzen, fällt die gemeinsame Suche nach Lösungen sehr viel leichter.

Dann nämlich fühlen sich zusätzliches Lernen, Nachhilfe oder auch umfangreichere Veränderungen nicht wie Strafe an, sondern werden von Kindern als aktive und nützliche Hilfe wahrgenommen.

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