Es ist ein Szenario, das viele Eltern kennen, über das aber am Spielplatz nur selten gesprochen wird: Der Morgen beginnt nicht mit Sonnenstrahlen, sondern mit nassen Laken, einem beschämten Kind und einem wachsenden Berg an Wäsche. Bettnässen (medizinisch: Enuresis) ist eines der letzten großen Tabus im Elternalltag. Dabei ist es weit verbreitet – und in den allermeisten Fällen absolut kein Grund zur Sorge.
Bettnässen: Ein Blick auf die Fakten
Zunächst einmal: Sie sind nicht allein. Statistiken zeigen, dass etwa 15 % bis 20 % der Fünfjährigen nachts noch nicht zuverlässig trocken sind. Selbst im Einschulungsalter betrifft dies noch rund 10 % der Kinder. Jungen sind dabei häufiger betroffen als Mädchen.
Es ist wichtig zu verstehen, dass Bettnässen fast nie ein Zeichen von „Faulheit“ oder psychischen Problemen ist. In den meisten Fällen handelt es sich schlicht um eine Verzögerung im Reifungsprozess. Drei Faktoren spielen hier oft zusammen:
- Der Tiefschlaf: Viele betroffene Kinder schlafen wie Steine. Die Signale der vollen Blase sind noch nicht stark genug, um das Kind aus diesem tiefen Schlaf zu wecken.
- Das Hormon ADH: Normalerweise produziert der Körper nachts vermehrt das antidiuretische Hormon (ADH), welches die Urinproduktion drosselt. Bei manchen Kindern hat sich dieser Rhythmus noch nicht vollständig eingependelt.
- Die Blasenkapazität: Die Blase ist schlichtweg noch etwas zu klein, um die nächtliche Urinmenge zu speichern.
Was Eltern tun können (und was nicht)
Der wichtigste Rat lautet: Druck rausnehmen. Schimpfen, Bestrafen oder „Belohnungstabellen“ (die oft scheitern und dann demotivieren) sind kontraproduktiv. Sie erhöhen den Stress beim Kind, was das Problem bettnässen oft verschlimmert.
So helfen Sie Ihrem Kind am besten:
- Praktische Vorbereitung: Nutzen Sie wasserdichte Matratzenschoner und legen Sie Wechselwäsche und einen zweiten Schlafanzug griffbereit neben das Bett. So kann das Malheur nachts schnell, fast im Halbschlaf und ohne großes Drama beseitigt werden.
- Trinkverhalten: Das Kind sollte über den Tag verteilt ausreichend trinken, damit die Blase trainiert wird. Ein striktes Trinkverbot am Abend ist meist unnötig, aber harntreibende Getränke (wie kohlensäurehaltige Limonaden oder Tee) sollten vor dem Schlafengehen vermieden werden.
- Enttabuisierung: Erklären Sie Ihrem Kind, dass es nichts dafür kann. Sätze wie „Deine Blase muss das Aufwachen noch lernen, genau wie du Radfahren gelernt hast“ wirken entlastend.
Wann zum Arzt?
In der Regel verwächst sich das Bettnässen von selbst. Ein Besuch beim Kinderarzt ist jedoch ratsam, wenn:
- Das Kind bereits über einen längeren Zeitraum (mindestens 6 Monate) trocken war und plötzlich wieder einnässt (sekundäre Enuresis). Hier können emotionale Auslöser (Umzug, Trennung, Schule) oder Infekte eine Rolle spielen.
- Das Kind Schmerzen beim Wasserlassen hat.
- Das Kind auch tagsüber einnässt.
- Das Kind bereits das Schulalter erreicht hat und Sie oder das Kind unter der Situation leiden.
Fazit Bettnässen ist nicht schlimm
Bettnässen ist anstrengend – für die Waschmaschine und die Nerven. Aber es ist fast immer eine Phase, die vorübergeht. Mit Geduld, Verständnis und einer guten Matratzenauflage kommen Sie und Ihr Kind trocken durch diese Zeit.