Es ist der heilige Gral der Elternschaft: Die erste Nacht, in der das Kind durchschläft. Schlafmangel ist für viele Eltern eine der größten Herausforderungen der ersten Jahre. Doch um das Schlafverhalten von Kindern zu verstehen und sanft zu lenken, muss man sich zunächst von Erwachsenen-Maßstäben verabschieden.
Mythos „Durchschlafen“
Medizinisch gesehen bedeutet „Durchschlafen“ bei einem Säugling oft nur eine Schlafphase von etwa 6 Stunden am Stück. Dass ein Kind von 19:00 bis 07:00 Uhr ohne einen Mucks schläft, ist eher die Ausnahme als die Regel.
Der Grund liegt in der Biologie. Die Schlafzyklen von Kindern sind deutlich kürzer als die von Erwachsenen (ca. 50 Minuten gegenüber 90 Minuten). Nach jedem Zyklus findet ein kurzes „Check-up“-Erwachen statt. Erwachsene drehen sich um und schlafen weiter. Kinder müssen diese Fähigkeit der Selbstregulation oft erst lernen. Finden sie beim Aufwachen nicht die gleiche Situation vor wie beim Einschlafen, schlagen sie Alarm.
Die Basis: Rhythmus und Timing
Guter Nachtschlaf beginnt am Morgen. Ein verlässlicher Tagesablauf mit festen Essens- und Schlafenszeiten sowie viel Tageslicht gibt dem Kind Sicherheit. Ein häufiger Fehler ist zudem, das Kind „müde zu spielen“. Übermüdete Kinder schütten Cortisol (Stresshormon) aus, was das Einschlafen erschwert. Achten Sie auf frühe Müdigkeitszeichen (Augenreiben, Leere im Blick) und bringen Sie das Kind ins Bett, bevor der „wunde Punkt“ erreicht ist.
Die Schlafumgebung: Warum die Decke wichtig ist
Ein oft unterschätzter Grund für unruhige Nächte und häufiges Aufwachen ist physisches Unbehagen durch die falsche Ausstattung. Hier spielt die richtige Größe der Bettdecke eine entscheidende Rolle.
Während für Babys im ersten Lebensjahr aus Sicherheitsgründen ein Schlafsack empfohlen wird, erfolgt später der Wechsel zur Decke. Viele Eltern greifen dann gut gemeint direkt zu Erwachsenengrößen, doch das ist oft kontraproduktiv:
- Wärmeregulierung: Eine zu große Decke (z. B. Standard 135×200 cm) ist für ein Kleinkind oft zu schwer und unhandlich. Sie rutscht im kleinen Bett leicht herunter, wodurch das Kind nachts friert und aufwacht.
- Geborgenheit: Eine passende Kinderbettdecke (üblicherweise 100×135 cm) lässt sich vom Kind selbstständig händeln. Sie umschließt den kleinen Körper besser, ohne ihn zu „erdrücken“ oder ein Verheddern zu provozieren.
Merke: Nur wenn das Kind weder schwitzt noch friert und sich nicht im Stoff verfängt, kann es die Schlafzyklen entspannt verbinden.
Die „Einschlafbrücke“ verstehen
Wenn Ihr Kind nur an der Brust oder beim Schaukeln einschläft, wird es diese Hilfe wahrscheinlich auch nachts bei jedem Aufwachen einfordern. Experten nennen dies eine „Einschlafbrücke“. Versuchen Sie langfristig, das Kind satt und ruhig, aber noch wach ins Bett zu legen. So lernt es, die letzte Hürde in den Schlaf selbstständig zu nehmen – der Schlüssel, um auch nachts ohne Hilfe wieder in den Schlaf zu finden.
Fazit
Es gibt kein Geheimrezept, das für jedes Kind funktioniert. Schlaf ist ein Reifungsprozess. Geduld, eine optimale Schlafumgebung und liebevolle Beständigkeit sind Ihre besten Verbündeten auf dem Weg zu ruhigeren Nächten.