Einnässen bei Kindern – was können Eltern tun?

Immer wieder ist das Bett des Kindes am Morgen nass – das nächtliche Einnässen ist eine peinliche Situation für das Kind und eine unangenehme Lage für Eltern. Wenn zum nächtlichen Einnässen auch eine Inkontinenz am Tag hinzukommt, kann dies die Lebensqualität stark belasten. Eine Harninkontinenz ist das häufigste urologische Problem bei Kindern und Jugendlichen. Dabei sind physiologische Ursachen genauso ausschlaggebend wie psychologische Hintergründe. Mit großem Verständnis und Geduld begegnen Eltern einem betroffenen Kind am besten.

Harninkontinenz beim Kind

Die Enuresis, der Fachbegriff für das nächtliche Einnässen beim Kind, ist laut der Deutschen Kontinenz Gesellschaft die zweithäufigste kindliche Erkrankung direkt nach Allergien. Rund 15 bis 20 Prozent aller Kinder leiden darunter. Definiert ist der Begriff Einnässen als unfreiwilliger Urinverlust, welcher sowohl tags als auch nachts auftreten kann. Bis ein Kind fünf Jahre alt ist, gilt ein unregelmäßiges und unfreiwilliges Einnässen als normal, danach sollten Eltern das Symptom aufmerksam abklären. Vor allem, wenn zum nächtlichen Einnässen auch eine Inkontinenz am Tag hinzukommt, gilt es zu beobachten, welche Ursachen dahinterstehen könnten.

Als physiologische Ursachen der Harninkontinenz bei Kindern kommen folgende Faktoren in Frage:

  • Geringe Blasenkapazität (Kleine Blase)
  • Tiefer Schlaf (Reiz der vollen Blase erzeugt keinen Weckreiz)
  • Trinkgewohnheiten (Zu spät am Tag große Trinkmengen)
  • ADH-Mangel (Zu wenig Antidiuretisches Hormon in der Hirnanhangdrüse)
  • Familiäre, genetische Umstände
  • Psychische Ursachen

Die psychischen Ursachen hinter einer Inkontinenz sind vielfältig und sollten ebenfalls immer in Erwägung gezogen werden.

Das Einnässen nicht verschweigen, sondern helfen

Kindliche Inkontinenz und Einnässen generell ist ein Tabuthema, deswegen ist ein Austausch und Informationsbeschaffung darüber besonders wichtig. Anders als bei den gängigen Kinderkrankheiten wie Masern und Röteln kann ein Kind nicht geimpft werden gegen das Einnässen oder dagegen immun werden. Unabhängig von der Ursache, ist es wichtig, souverän mit dem Problem umzugehen.

Inkontinenzhosen für Mädchen und Jungen sind eine praktische Möglichkeit, Kindern bei einer Blasenschwäche am Tag zu helfen. Sie sehen aus wie ganz normale Unterhosen, können jedoch eine bestimmte Menge Urin auffangen. Ein bis zwei Urinunfälle fängt eine solche Hose locker auf. Gerade in der Schule kann dies enorm hilfreich sein, denn so braucht das Kind nicht dauernd Angst davor haben, dass die Hose nass wird und es vor allen anderen Kindern bloßgestellt wird. Auch die Auffangfunktion einer solchen Hose verhindert die Nässe und damit mögliche Harnwegsinfektionen.

Dass das Einnässen beim Kind oft mit Eintritt in das Grundschulalter zusammentrifft, kann mit den vielen neuen Eindrücken und stresserzeugenden Situationen zusammenhängen. Die körperliche, geistige und soziale Reife des Kindes sind in dieser Zeit noch in einer starken Entwicklung und hinken mit den gestellten Anforderungen hinterher. Mit höherem Alter nimmt das Einnässen in der Regel wieder ab.

Bettnässen oder Einnässen am Tag?

Grundsätzlich gibt es zwei Formen des Einnässens bei einem Kind: Während der Nacht und am Tag. Das nächtliche Einnässen kommt deutlich häufiger vor. Bei der Enuresis (Bettnässen) erfolgt das Einnässen während des nächtlichen Schlafs. Etwa 10 Prozent der 7jährigen Kinder sind davon betroffen, aber nur noch 1-2 Prozent aller Jugendlichen. Fachleute aus der Kinder- und Jugendpsychiatrie schätzen ein, dass in den meisten Fällen bei betroffenen Kindern keine Blasenfunktionsstörungen vorliegen.

Was können Eltern tun?
Für betroffene Eltern sind spezielle Bett-Einlagen hilfreich, um das häufige Einnässen des Bettes leichter handhaben zu können. Eine geeignete Therapie besteht nicht nur in der Beachtung von bestimmten Trink- und Toilettenregeln (abends auf größere Trinkmengen verzichten, regelmäßige Toilettengänge üben). Auch das Führen eines Kalenders („Sonne-Wolken-Kalender“) oder der Einsatz eines Klingelgerätes oder einer Klingelhose können helfen.

Harninkontinenz am Tag ist nur bei 2-3 Prozent der 7jährigen Kinder festzustellen und bei Jugendlichen sind weniger als 1 Prozent davon betroffen. Mädchen sind in der Regel häufiger davon betroffen als Jungen. Der Mechanismus des Zusammenziehens der Blase, der den Harndrang auslöst, wird bei solchen Kindern nicht ausreichend vom Gehirn gehemmt. So reicht es oft nicht mehr, bis die Toilette erreicht ist. Nicht nur häufigere Harnwegsinfektionen sind die Folge, die Kinder schieben den Toilettengang auch häufiger auf, so dass sich die Blase unter Umständen wiederum ungewollt entleert.

Was können Eltern tun?
Das Einnässen am Tag sollte noch dringender als das Bettnässen zur Behandlung kommen. Protokolle über Trink- und Toilettenverhalten sind eine Diagnosemöglichkeit, um die Ursachen zu erfassen. Sind psychische Ursachen dabei, können Kinder- und Jugendpsychiater mit Eltern und betroffenen Kindern sprechen und weiterhelfen.

Die richtige Diagnose stellen

Für Kinder, die sich regelmäßig einnässen, ist das ganze Problem schon peinlich genug. Deswegen ist es für Eltern umso wichtiger, möglichst umsichtig und gelassen darauf zu reagieren. Oft stehen hinter dem Symptom des Einnässens eher harmlose Ursachen, die sich leicht beheben lassen. Zuerst einmal sollten Eltern bei einem Arzt die Situation abklären lassen. Dazu ist ein sogenanntes Pipiprotokoll an zwei aufeinanderfolgenden Tagen sinnvoll sowie die Beantwortung einiger Fragen:

  • Wie oft nässt das Kind am Tag oder in der Nacht ein?
  • Wie oft geht es auf Toilette?
  • Gibt es Haltemanöver?
  • Gab es häufige Harnwegsinfektionen?
  • Wie sind die Trinkgewohnheiten?
  • Gibt es Anzeichen für eine Entwicklungsverzögerung?
  • Gibt es familiäre Stresssituationen oder Probleme in Schule und Freizeit?
  • Gibt es Verhaltensauffälligkeiten beim Kind?

Die Ursachen einer kindlichen Harninkontinenz liegen oft nur in einer überaktiven Blase oder einer Blasenirritation. Nur mit der richtigen Diagnose kann auch eine passende Therapie zur Anwendung kommen. In allen Fällen empfehlen Fachleute und Ärzte, Ruhe zu bewahren und die Kinder zu entlasten und sie gleichzeitig zu motivieren, die Verantwortung für ein geregeltes Urinieren zu übernehmen.

Auch wenn das Problem des kindlichen Einnässens lästig und unangenehm ist, hört es mit zunehmendem Alter in der Regel auf. Nur 3-4 Prozent der betroffenen Kinder nehmen das Problem der Inkontinenz noch ins Erwachsenenalter mit. Ein Grund mehr, mit der Problematik möglichst gelassen umzugehen.

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